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Heinz Buschkowsky Der Poltergeist aus Berlin-Neukölln

Heinz Buschkowsky regiert Berlin-Neukölln, mitsamt seinen Arbeitslosen, Migranten und Unterschichtlern. Multikulti ist gescheitert, sagt er - und das als SPD-Mann. Jetzt macht er wieder Furore - mit der Aussage das geplante Betreuungsgeld für Kinder werde in der Unterschicht nur „versoffen“. Ein Porträt.

© Julia Zimmermann / F.A.Z. Heinz Buschkowsky mischt seinen Berliner Stadtteil immer wieder auf - vor allem mit seinen markigen Formulierungen

„Grenzverletzungen sind ein zulässiges Mittel in der Politik“, sagt Heinz Buschkowsky. In seinem Satz schwingt kein bisschen Süffisanz mit, auch kein Stolz darüber, mit welcher Raffinesse er seine Themen immer wieder in die Öffentlichkeit schleudert. Sein Satz ist eine Feststellung nach Jahren politischer Erfahrung.

Inge Kloepfer Folgen:

Die Themen des Bürgermeisters von Berlin-Neukölln sind „Schmuddelthemen“, das sagt er selbst, aber sie seien eben auch „von höchster gesellschaftlicher Relevanz“. In Buschkowskys Reden geht es um die Integration von Migranten, um Parallelgesellschaften, um Bildungsferne, um Jugendgewalt, um die Flucht der Mittelschicht aus bestimmten Vierteln. Es geht um Wachdienste an Schulen, verzweifelte Lehrer, mangelhafte Deutschkenntnisse und schulpflichtige Kinder, die sich in den Bildungsanstalten nicht blicken lassen. Kurz: Es geht um Teile einer neuen deutschen Unterschicht.

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Buschkowskys Methode ist die Grenzverletzung. Nicht permanent, aber hin und wieder. Ausgerechnet in Deutschland, einem Land, dem die politische Korrektheit zur Verharmlosung dramatischer Probleme hochwillkommen ist, nennt Buschkowsky die Dinge recht drastisch beim Namen. Der kleine umtriebige Bezirksbürgermeister kennt die Reaktionsmuster und weiß, dass die öffentliche Empörung nach ein paar Wochen versiegt und die große Politik zum Tagesgeschäft übergeht.

„2004 habe ich mit meiner Aussage, dass Multikulti in Deutschland gescheitert ist, so eine Grenze überschritten“, erklärt er. „Von da an wurde das Thema diskutiert.“ Und gerade jetzt hat er sie mal wieder überschritten, diese Grenze, indem er das Betreuungsgeld der schwarz-gelben Koalition mit derben Worten anprangerte. Glaubt man Buschkowsky, dann wird dieses Geld niemals bei den Kindern ankommen. „Im Klartext: In der deutschen Unterschicht wird es versoffen, und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt.“ Kinder würden so noch mehr zum Einkommensfaktor.

Nicht nur er setzt auf den Tabubruch

Buschkowsky ist allerdings nicht der Einzige, der auf den Tabubruch setzt. Als Grenzverletzung bezeichnet er auch die Kapitulation des Lehrerkollegiums der Rütli-Schule, das untragbare Verhältnisse anprangerte. Das war 2006. Später habe Roland Koch dann versucht, „mit der Hilfe von zwei Schlägern“ aus München seine Landtagswahl zu retten. „Und neulich war es Thilo Sarrazin, Berlins ehemaliger Finanzsenator, mit seinen suboptimalen Formulierungen zur Integration“, zählt Buschkowsky auf.

Er selbst ist wegen Sarrazins Sprüchen im Moment wieder einmal gefragt. Er gibt Interviews, sitzt in Talkshows, muss reden über seinen Berliner Bezirk, der mit mehr als 300.000 Einwohnern schon eine Großstadt ist und der mit der Rütli-Schule bundesweit traurige Berühmtheit erlangt hat. Über den Neuköllner Norden mit seinen 160.000 Menschen, von denen knapp 90.000 Migranten sind - fast alle bildungsfern.

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