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Hedgefonds-Paradies Steueroase Cayman Islands will Farbe bekennen

 ·  Die Karibikinseln wollen ihren schlechten Ruf aufpolieren. Immer mehr Investoren fordern Transparenz. Jetzt plant die Regierung offenbar, Informationen über Briefkastenfirmen preiszugeben.

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© picture alliance / Kyodo Vergrößern Ein Paradies für Briefkastenfirmen: Investoren von Hedgefonds sehen das kritisch

Die britische Großbank HSBC hat für kriminelle Kunden Drogengelder in Milliardenhöhe auf den Cayman Islands gewaschen. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS soll Schmiergelder über Konten auf der karibischen Inselgruppe geleitet haben. Der frühere amerikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney nutzte dort Firmen um seine Steuerlast zu senken - und geriet dafür im zurückliegenden Wahlkampf in die Kritik. Dubiose Geschäfte im Steuerparadies der Cayman-Inseln sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Den Regierungen in Europa und den Vereinigten Staaten sind die Machenschaften dort seit langem ein Dorn im Auge. Jetzt gibt es Anzeichen, dass sich die Cayman-Inseln dem internationalen Druck beugen und für Transparenz sorgen.

Die örtliche Finanzaufsichtsbehörde Cayman Islands Monetary Authority (Cima) will offenbar die Namen von Tausenden von örtlichen Unternehmen und deren Geschäftsführern preisgeben. Erstmals sei eine solche öffentlich zugängliche Datenbank geplant, schreibt die britische Zeitung „Financial Times“ unter Berufung auf ein Schreiben, das von den Finanzaufsehern an Unternehmen verschickt wurde. Bis Ende März solle der Beratungsprozess über die Gesetzesänderungen abgeschlossen werden.

11.000 Hedgefonds - mehr als irgendwo sonst auf der Welt

Unternehmensmanager müssen sich demnach in Zukunft registrieren lassen. Bisher gibt es dagegen Fälle, in denen einzelne Personen pro forma Mitglied im Verwaltungsrat von Hunderten von Briefkastenfirmen sind. Die Cayman-Inseln haben den Status eines weitgehend unabhängigen britischen Überseegebiets. Einkommen- und Unternehmensteuern gibt es nicht. Die Regierung kassiert lediglich verschiedene Gebühren und erhebt indirekte Steuern. Dies und minimale Publizitätspflichten haben die Caymans zu einem Magneten für Unternehmen aus der ganzen Welt gemacht.

Die drei Teilinseln zählen 54.000 Einwohner und sind nur etwa zweieinhalbmal so groß wie Sylt. Aber auf den Cayman-Inseln sind allein fast 11.000 Hedgefonds registriert - mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Die Finanzbranche macht über 40 Prozent der Wirtschaftsleistung der Inseln aus. Die Niederlassungen vor Ort sind allerdings häufig nur Briefkastenfirmen. Das operative Geschäft der Fonds wird vor allem in Finanzmetropolen wie New York und London abgewickelt.

Auch zahlreiche andere Unternehmen, etwa der Internetkonzern Facebook, unterhalten auf den Cayman-Inseln Tochtergesellschaften. Viele amerikanische Großunternehmen verlagern durch konzerninterne Geschäfte ihre Gewinne in Steueroasen. Solche Steuervermeidungspraktiken werden aber zunehmend zum Reputationsrisiko. So schlug in den vergangenen Monaten der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks in Großbritannien eine Welle der Empörung entgegen, weil das Unternehmen im Land bisher kaum Ertragsteuern bezahlt hat.

Vor vier Jahren kurz vor dem Staatsbankrott

Auf den Cayman-Inseln haben laut „Financial Times“ offensichtlich vor allem Investoren von Hedgefonds für ein Umdenken gesorgt. Große Pensionsfonds forderten zunehmend mehr Transparenz und Informationen, bevor sie den Hedgefonds Geld anvertrauen. Die Gesetzesänderungen sind nach Darstellung von Branchenkennern weitreichend. „Bisher können Sie irgendwo auf der Welt sitzen und Verwaltungsrat auf den Cayman-Inseln sein. Es gibt praktisch gar keine Regulierung“, wird der Manager eines Beratungsunternehmens auf den Inseln zitiert. Damit sei nun Schluss.

Wirklich ausgezahlt haben sich Steuerdumping und laxe Wirtschaftsaufsicht für die Cayman-Inseln bisher nicht. Schon vor vier Jahren stand die Steueroase kurz vor dem Staatsbankrott. Im vergangenen Jahr scheiterte die Regierung mit dem Vorstoß, eine Einkommensteuer für ausländische Arbeitnehmer einzuführen. Der öffentliche Aufschrei war zu groß. Auch andere karibische Niedrigsteuer-Domizile wie die Bahamas kämpfen mit schweren Haushaltsproblemen.

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