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Veröffentlicht: 02.05.2017, 18:14 Uhr

Arbeitsschutz Ein Hautkrebs-Check für die Jungs vom Bau?

Sollen Bauarbeiter jedes Jahr zur Hautkrebs-Vorsorge? Die Hautärzte sind dafür, aber es gibt Widerstand. Mancher hätte lieber eine App.

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© dpa Achterbahnen werden selten im Winter aufgebaut.

Bauarbeiter sind braungebrannt und pfeifen Frauen hinterher. Ein Klischee vom Bau, zumal eines von gestern. Denn mit guter Laune hat das Sonnentanken beim Arbeiten nichts zu tun. Im Gegenteil: Wer sich regelmäßig länger im Freien bei starker Sonnenstrahlung aufhält, gerät in Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken. Das gilt für Urlauber genauso wie für Bauarbeiter.

Bernd  Freytag Folgen:

Im ersten Fall ist klar, wer die Verantwortung trägt. Wie aber ist es im zweiten Fall? Nach Informationen des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) plant Bundesarbeitsministerin Nahles (SPD) dazu einen Vorstoß: Demnach müssen sich künftig alle Arbeitnehmer, die zwischen Mai und September täglich mehr als drei Stunden im Freien arbeiten, einmal jährlich einer Hautuntersuchung unterziehen – verpflichtend und auf Kosten des Arbeitgebers. Am 15. Mai könnte dazu eine Vorentscheidung fallen, heißt es aus der Bauwirtschaft. Das Arbeitsministerium bestätigte nur, dass der Ausschuss für Arbeitsmedizin eine Empfehlung für das Ministerium erarbeitet. Dieses habe noch keine Festlegung getroffen.

Und was ist mit den Bauern? Und den Kellnerinnen?

Sollten die Pläne wie kolportiert umgesetzt werden, befürchtet der Bauverband weitreichende finanzielle Folgen: Von einer solchen Regelung wären 2 Millionen Beschäftigte allein in der deutschen Bauwirtschaft betroffen. Die Betriebe würden mit „Milliardenkosten“ belastet, sagt Verbandsgeschäftsführer Felix Pakleppa. Zudem stelle sich die Frage, ob es Kapazitäten für solche Untersuchungen gäbe, denn neben der Bauwirtschaft seien auch andere Branchen betroffen, etwa Gastronomie und Landwirtschaft. „Es ist verständlich, dass der Verband der Dermatologen eine solche Regelung unterstützt. Ob sie der Sache dient und die Beschäftigten tatsächlich schützt, steht auf einem anderen Blatt Papier.“

Der ZDB wertet die Pläne als Neuauflage der einst innerhalb der EU geplanten Sonnenschein-Richtlinie. Die Regelung war 2005 im Gesetzgebungsprozess gescheitert, sie wurde und wird von Kritikern dennoch als Beleg für Brüsseler Regulierungswut herangezogen. Die CSU befürchtete seinerzeit ein Dirndl-Verbot für Kellnerinnen in Biergärten. Tatsächlich würde eine verpflichtende Vorsorgeuntersuchung nicht nur Bauarbeiter betreffen, sondern alle Arbeitnehmer, die im Freien arbeiten.

Oder eine App?

Nach Zahlen des Bauverbandes werden heute schon Jahr für Jahr 450.000 Beschäftigte am Bau durch den arbeitsmedizinischen Dienst der Berufsgenossenschaft untersucht. Dabei werde auch die Haut überprüft. Zudem gebe es Präventionsveranstaltungen der Berufsgenossenschaft, in denen auf den richtigen Sonnenschutz hingewiesen werde. Die Prävention ist Pflicht und Notwendigkeit zugleich, denn der sogenannte weiße Hautkrebs ist seit Anfang 2015 als mögliche Berufskrankheit eingestuft. Bei einer durch Berufstätigkeit ausgelösten Erkrankung müssen also die Berufsgenossenschaften als Sozialversicherungsträger Therapie und Rehabilitation bezahlen, gegebenenfalls auch eine Berufsunfähigkeitsrente. Die Kosten tragen die Arbeitgeber.

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Statt zusätzlicher verpflichtender Vorsorge votiert der Bauverband für mehr Eigenverantwortung und die Unterstützung etwa durch eine App, die darüber informiert, wie man sich am besten schützt. Die Beschäftigten müssten selbst auf ihren Sonnenschutz achten. Schließlich sei im Zweifel nicht nachzuweisen, ob Hautschädigungen durch Arbeit oder Freizeitbeschäftigung entstanden seien. Im Sommer mit freiem Oberkörper und kurzen Hosen auf Baustellen zu arbeiten sei arbeitsrechtlich sowieso nicht erlaubt.

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Von Henning Peitsmeier, München

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