26.10.2005 · Der Bund trennt sich zur Sanierung des Haushalts von seiner Beteiligung am Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport - ein Aktienpaket im Wert von rund 670 Millionen Euro. Die Stadt Frankfurt greift nicht zu.
Der Bund verkauft seine Anteile am Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport. Der Bund trenne sich von insgesamt 16,6 Millionen Aktien von Europas zweitgrößten Flughafenbetreiber, teilte die Investmentbank Rothschild Bank als Finanzberater des Bundes mit. Die Erlöse sollen für die Haushaltssanierung verwendet werden. Der Verkauf beginne an diesem Mittwoch.
In einem beschleunigtem Bookbuilding-Verfahren würden 10,6 Millionen Aktien verkauft. Sechs Millionen übernimmt im Wege einer Kaufoption die Investmentbank JPMorgan, um damit eine Umtauschanleihe zu begeben. Der Fraport-Vorstand befürwortet seit längerem einen Verkauf von Bundesanteilen über die Börse. Der gesamte Bundesanteil der Fraport-Aktien ist nach dem Schlußkurs von Dienstag von 40,04 Euro je Aktie rund 665 Millionen Euro wert. Der Kurs rutschte aber nach der Ankündigung bis zum Mittag um 3,77 Prozent auf 38,53 Euro ab.
Der Bundesanteil an Fraport wird nach Einschätzung von Händlern zum Preis von 38 bis 38,40 Euro je Aktie plaziert. Das Orderbuch sei bislang zweifach überzeichnet, sagten Händler in Frankfurt und London. Eine Bestätigung der Banken gab es zunächst nicht. Es sei unklar, wann das Buch geschlossen werde, sagten Händler.
Teil der geplanten Privatisierungserlöse
Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums fließen die Einnahme in den Haushalt 2005, wo sie Teil der dort vorgesehenen rund zehn Milliarden Euro Privatisierungserlöse seien. Ein Fraport-Sprecher sagte, die Entscheidung des Bundes sei keine große Überraschung und werde begrüßt. Fraport-Chef Wilhelm Bender habe in der Vergangenheit mehrfach darauf verwiesen, daß die Aktie des Unternehmens durch einen größeren Streubesitz attraktiver werde. Der Streubesitz der Fraport-Aktie erhöhe sich nach dem Direktverkauf der Aktien auf rund 41,3 Prozent und im Falle einer Ausübung der Kaufoption auf etwa 47,9 Prozent, teilte Rothschild mit.
Die Platzierung der Fraport-Aktien wird das Unternehmen nach Ansicht der Hypo-Vereinsbank attraktiver machen, besonders für nordamerikanische Anleger. Das Gewicht im MDAX und die Liquidität werden steigen, so die Analysten. Der Verkauf von Anteilen des Bundes vor dem voraussichtlich schwachen Umsatz-und Ergebniswachstum in den kommenden neun Monaten zeuge von guter Zeitplanung. Nach Branchenangaben gilt das Vorgehen in den zwei Schritten als marktschonend und ermöglicht dem Bund, seinen Verkaufserlös zu optimieren.
Neben dem Bund sind das Land Hessen mit 31,8 Prozent und die Stadt Frankfurt mit 20,3 Prozent weitere Großaktionäre. 29,7 Prozent sind bereits als Streubesitz seit 2001 an der Börse plaziert. Das hessische Finanzministerium und die Stadtkämmerei Frankfurt erklärten, von ihrem Vorkaufsrecht nicht Gebrauch machen zu wollen. Auch plane die Stadt nicht, sich von ihren Fraport-Aktien zu trennen. Stadt und Land hätten in einem Konsortialvertrag vereinbart, bis Ende 2010 die Mehrheit an Fraport zu halten.
Frankfurt erhöht Anteil nicht
Nach Informationen der F.A.Z. hat der Bund seine Aktien bereits vor einigen Wochen der Stadt und dem Land Hessen angeboten, doch haben beide Gebietskörperschaften nicht zugegriffen (siehe: Stadt Frankfurt kauft keine Fraport-Aktien vom Bund). Frankfurt hatte zuletzt im September erklärt, sich noch nicht entschieden zu haben, ob und in welchem Umfang sie weitere Fraport-Anteile zukaufen werde. Aufgrund der Bedeutung des Flughafens als größten Arbeitgeber der Region wird seitens der Stadt erwogen, ihren Einfluß nach Möglichkeit zumindest auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent zu erhöhen. Ein Sprecher der Stadtkämmerei sagte, dies sei gegenwärtig nicht geplant. Durch eine Änderung des Konsortialvertrages mit dem Land Hessen sei es aber theoretisch möglich, von dem Land ab 2011 Anteile zu übernehmen, sollten welche zum Verkauf stehen.
Noch ein Stück Tafelsilber
Die rot-grüne Bundesregierung hatte angesichts der Milliardenlöcher im Haushalt in diesem Jahr schon wiederholt Teile des Tafelsilbers verkauft. Zuletzt trennte sie sich im Juli von den letzten 7,3 Prozent am einstigen Staatsunternehmen Post AG. Die Aktien wurden bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) „geparkt“. Außerdem kaufte die bundeseigene Bank damals weitere 7,3 Prozent der Bundesanteile an der Deutschen Telekom AG. Die beiden Verkäufe brachten laut KfW insgesamt fünf Milliarden Euro in die Kassen des scheidenden Bundesfinanzministers Hans Eichel. Auch diese Einnahmen waren bereits im Rahmen der Finanzplanung für den Haushalt 2005 vorgesehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.420,00 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2399 | −0,72% |
| Rohöl Brent Crude | 103,29 $ | −3,33% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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