Home
http://www.faz.net/-gqg-plp6
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hartz-Reformen Ein-Euro-Jobs finden Anklang

04.10.2004 ·  Schon jetzt bieten Kommunen, Vereine, Kirchen und gemeinnützige Organisationen die von den BA finanzierten Niedriglohnstellen an. Bis Jahresende stehen 50.000 Stellen bereit.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in "Ein-Euro-Jobs" zeigt erste Erfolge. Einen Tag vor Bekanntgabe der neuen Arbeitslosenzahlen an diesem Dienstag haben sich Kommunen und Arbeitsämter positiv zu der Vermittlung von Arbeitslosenhilfeempfängern in gemeinnützige und kommunale Beschäftigung geäußert.

Man sei zuversichtlich, bis Jahresende alle ausgewiesenen zusätzlichen Arbeitsgelegenheiten zu besetzen, teilten die von Langzeitarbeitslosigkeit besonders getroffenen Arbeitsagenturen in Ostdeutschland mit. Einschließlich Schleswig-Holsteins und Hamburgs, die mit Mecklenburg-Vorpommern die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA) bilden, würden in den neuen Ländern und Berlin bis Ende Dezember fast 50.000 "Ein-Euro-Jobs" geschaffen.

"Es gibt keine Ladenhüter"

Die Vermittlung in "Beschäftigungsmöglichkeiten mit Mehraufwandsentschädigung" im Zuge der Zusammenlegung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe ("Hartz-IV-Gesetz") verhilft Langzeitarbeitslosen zu einer Verdienstmöglichkeit von mindestens einem Euro in der Stunde zusätzlich zu ihrer staatlichen Unterstützung. Das Angebot beginnt dem Gesetz nach am 1. Januar 2005. Aber schon jetzt bieten Kommunen, Vereine, Kirchen und gemeinnützige Organisationen die von den BA finanzierten Niedriglohnstellen an. In Berlin und Brandenburg, wo 236.000 Langzeitarbeitslose gemeldet sind, stehen zunächst 13.600 Beschäftigungsmöglichkeiten bereit, 1.600 davon sind in den vergangenen vier Wochen besetzt worden.

"Für die Kürze der Zeit ist das eine sehr gute Quote, die restlichen Arbeitsmöglichkeiten werden wir schnell an den Mann bringen", sagt der Sprecher der zuständigen BA-Regionaldirektion, Olaf Möller. Langzeitarbeitslose würden als Betreuer auf Spielplätzen oder Jugendeinrichtungen, als Vorleser in Seniorenheimen oder in der Landschaftspflege eingesetzt. "Alle Arten von Jobs werden angenommen, es gibt keine Ladenhüter." In Sachsen würden bis Jahresende rund 12.000 Ein-Euro-Stellen geschaffen, mehr als 1.400 seien schon vergeben, heißt es bei der sächsischen Regionaldirektion. Für die Vermittlung stünden 17,6 Millionen Euro BA-Mittel bereit. In Sachsen-Anhalt und Thüringen stehen den Angaben zufolge in diesem Jahr 7.200 und 5.000 Angebote zur Verfügung, unter anderem in einem Tierpark, in der Altenbetreuung einer Kirchgemeinde, als Übungsleiter in Sportvereinen oder beim Wiederaufbau der abgebrannten Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar.

Bewährte Beschäftigungsprogramme

Im Regionalbezirk Nord gibt es 10.000 Ein-Euro-Angebote. In den wenigen Tagen seit Aufnahme der Vermittlung seien schon "einige hundert" besetzt worden, sagt Sprecher Volker Lenke. Er erläuterte, daß die von Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) für das kommende Jahr angepeilte Zahl von 600.000 Ein-Euro-Jobs in ganz Deutschland bereits die 300.000 bestehenden Zusatzverdienstmöglichkeiten für die heutigen Sozialhilfeempfänger enthalte. Auf die Region Nord aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern entfielen rund ein Zehntel davon.

An den Erfahrungen mit den Sozialhilfeempfängern orientierten sich auch die neuen Vermittlungsmodelle. Um Verdrängungseffekte auf dem ersten Arbeitsmarkt zu vermeiden, stocke man bewährte Beschäftigungsprogramme auf. So setzten in einem Projekt in Rendsburg Sozialhilfeempfänger alte Fahrräder instand und würden jetzt um Langzeitarbeitslose verstärkt. In Kiel säuberten 15 Sozialhilfeempfänger Spielplätze und hülfen beim Auf- und Abbau des Wochenmarkts. Zu ihnen seien kürzlich 10 Arbeitslosenhilfeempfänger gestoßen. "Dieses Projekt kommt auch in der Bevölkerung extrem gut an, weil die Menschen sehen, daß es keine Leistung mehr ohne Gegenleistung gibt", sagt Lenke.

Gemeinnützig

Das vierte Hartz-Gesetz sieht die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten für "erwerbsfähige Hilfsbedürftige" vor, die keine Arbeit finden. Diese Beschäftigung muß "im öffentlichen Interesse" liegen. Sofern sie nicht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gefördert werde, sei den Empfängern "zuzüglich zum Arbeitslosengeld II eine angemessene Entschädigung für Mehraufwendungen zu zahlen; diese Arbeiten begründen kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts". Im Gegensatz zu den bisherigen "Mini-Jobs" wird der Zuverdienst, der mindestens ein Euro betragen soll, vom 1. Januar 2005 an nicht auf die Unterstützung angerechnet. Für 2005 erwartet Minister Wolfgang Clement 600 000 gemeinnützige Ein-Euro-Jobs.

Quelle: itz., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2004, Nr. 232 / Seite 11
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Mit Schulden

Von Johannes Ritter

Die Stadt Hamburg will ihren Anteil an der Reederei Hapag-Lloyd aufstocken. Solche ordnungspolitischen Sündenfälle haben in der Hansestadt Tradition. Mehr 2

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
13.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3222 −0,12%
Rohöl Brent Crude 117,81 $ −0,08%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%