20.01.2004 · Überraschend viele Einstellungen zum Monatsende und Entlassungen zu Monatsbeginn / Nur 12 Prozent der Beschäftigten finden eine Anstellung
Die neuen Personal-Service-Agenturen (PSA) kassieren häufig zusätzliche Monatszuschüsse vom Arbeitsamt. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Darin heißt es, daß überraschend viele PSA ihre Beschäftigten zum Monatsende einstellten und zu Monatsbeginn wieder entließen. Im Extremfall sei es möglich, daß ein Mitarbeiter nur zwei Tage bei einer PSA unter Vertrag sei, die Agentur dafür aber die Pauschalen für zwei Monate erhalte. Der Deutschland-Chef der Zeitarbeitsgesellschaft Manpower, Thomas Reitz, bestätigte im Gespräch mit dieser Zeitung die Praxis. Sie sei jedoch legal, und es sei nicht erstaunlich, daß solche Regelungen ausgenutzt würden.
Das IAB regt an, die Fallpauschale nach der Anzahl der Beschäftigungstage auszurichten. Diesem Vorschlag stünde jedoch ein höherer bürokratischer Aufwand entgegen. Dessen Kosten müßten mit den Einsparungen verrechnet werden. Insgesamt lagen die Ausgaben für die Personal-Service-Agenturen im vergangenen Jahr bei 142 Millionen Euro, in diesem Jahr sind rund 600 Millionen Euro geplant.
Der Studie zufolge gab es Ende Oktober knapp 1000 Personal-Service-Agenturen. Von April bis Oktober traten in diese rund 35 500 Arbeitslose ein, 9000 schieden wieder aus. Von diesen fand knapp jeder zweite eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Etwa 12 Prozent der eingetretenen Arbeitsuchenden haben damit über die PSA auch eine Anstellung gefunden. Diese Quote sei jedoch verzerrt, erklärte IAB-Wissenschaftlerin Elke Jahn, da das Geschäft erst anlaufe und es damit deutlich mehr Eintritte als Austritte gebe.
Mehr als jeder fünfte verlasse die PSA aus verhaltensbedingten Gründen, schreibt das Institut weiter. Gespräche hätten ergeben, daß dies Arbeitnehmer seien, die schon nach den ersten Tagen unpünktlich, gar nicht, oder ungepflegt zur Arbeit erschienen oder unkooperativ seien. PSA eigneten sich damit auch dazu, den Arbeitswillen eines Erwerbslosen zu testen.
Im Vergleich zur traditionellen Zeitarbeit sind in den PSA mehr Frauen und mehr Jugendliche zu finden. Dagegen ist der Anteil der Arbeitnehmer im Alter zwischen 25 und 34 Jahren geringer. Ältere über 50 Jahren haben wie in der gewerblichen Leiharbeit indes nur vergleichsweise geringe Chancen, eine Beschäftigung in der PSA zu finden. Ein überraschendes Ergebnis ist, daß die PSA-Mitarbeiter im Durchschnitt besser qualifiziert sind als traditionelle Leiharbeitnehmer. Allerdings ist der Anteil der zuvor Langzeitarbeitslosen mit 14 Prozent höher als in der gewerblichen Zeitarbeit mit 8 Prozent.
Personal-Service-Agenturen sollen nach den Hartz-Gesetzen für neun bis zwölf Monate befristet eingestellte Arbeitslose verleihen, in verleihfreien Zeiten qualifizieren und möglichst schnell in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis vermitteln. Dafür erhalten sie vom Arbeitsamt für jeden Arbeitslosen eine monatliche Fallpauschale und bei Vermittlung eine Vermittlungsprämie. Beide sinken mit der Dauer der Anstellung.
Manpower-Chef Reitz erwartet in den kommenden Jahren eine deutliche Expansion der subventionierten Agenturen. Voraussichtlich werde künftig ein Drittel des Marktes über PSA abgewickelt. Dadurch würden gewerbliche Zeitarbeitsfirmen verdrängt. Manpower will daher die Zahl seiner PSA in diesem Jahr deutlich von 12 auf 40 aufstocken. "Ich überlasse den Markt nicht Bildungsträgern und Unternehmen, die bisher nichts mit der Zeitarbeit zu tun hatten", sagte Reitz. (clb.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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