22.07.2003 · Wenige Plätze bisher besetzt / Kritik an Auswahl der Träger
Die Personal-Service-Agenturen (PSA) geraten gut zwei Monate nach ihrem Start immer stärker in die Kritik. Mehrere Landesarbeitsämter zeigen sich enttäuscht über die bisherigen Erfolge. Nicht einmal jeder zehnte Platz sei bisher besetzt. Die Bilanzen über vermittelte Arbeitslose fielen noch dürftiger aus. Die Zeitarbeitsbranche wirft der Bundesregierung Verschwendung von Beitrags- und Steuermitteln vor. "Wir schaffen uns damit ein neues Subventionsgrab", meint Jürgen Uhlemann, Vorstandsvorsitzender des Hamburger Zeitarbeitsunternehmens Jobs in time und Verhandlungsführer in den Tarifverhandlungen für die Zeitarbeitsbranche. Einer der bisher größten Betreiber von PSA, die niederländische Maatwerk-Gesellschaft, indes weist die Vorwürfe zurück. Bis Ende August werde sie 9750 Beschäftigte unter Vertrag nehmen und 60 Prozent von ihnen innerhalb von zwei Jahren einen Arbeitsplatz vermitteln.
Die PSA sollen Erwerbslose als Zeitarbeitskräfte an Unternehmen überlassen und so letztlich dauerhaft vermitteln. Dafür erhalten sie Zuschüsse vom Arbeitsamt. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit laufen derzeit 554 PSA, die 2340 Arbeitnehmer unter Vertrag haben. Bis Mitte Juli hätten die Arbeitsämter insgesamt 670 Verträge für 30 000 Plätze geschlossen; bis Jahresende seien 850 Agenturen mit 50 000 Plätzen geplant. Das Budget der Behörde sieht dafür 300 Millionen Euro vor.
Einer Umfrage des nordrhein-westfälischen Landesarbeitsamtes zufolge waren dort Ende Juni erst 336 PSA-Plätze besetzt. Dies entspricht 5 Prozent der Gesamtkapazität. In eine reguläre Stelle wurden von ihnen bisher lediglich 30 vermittelt. "Wir sehen, daß das alles nur sehr schleppend anläuft", bilanziert ein Sprecher. Mit einer Belebung sei zwar zu rechnen, wenn die Konjunktur wieder anziehe. Dann könnten aber auch die Ämter wieder mehr Menschen in Beschäftigung bringen. Vor allem die Personalauswahl gestalte sich schwierig, stellt die Behörde fest. Sie schlage bis zu zehn Arbeitslose je Platz vor, diese würden aber oft aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt.
Ähnlich fallen die Zwischenbilanzen der Landesarbeitsämter in Rheinland-Pfalz/Saarland und Sachsen-Anhalt/Thüringen aus. In Bayern waren Ende Juni ebenfalls erst gut 6 Prozent der Stellen besetzt. Der Vizepräsident des Landesarbeitsamtes, Franz Prast, bemängelt hierbei auch die Auswahl der Träger. Er sei sich nicht sicher, "ob die Ausschreibungsverfahrun uns immer und in allen Ämtern die richtigen Träger beschert haben". Organisationen, die schon zuvor Zeitarbeit in Deutschland betrieben haben, seien erfolgreicher. Unter den PSA-Betreibern tummeln sich auch andere Betreiber wie Weiterbildungsinstitute.
Besonders in der Kritik steht Maatwerk, das derzeit an mehr als hundert Standorten PSA betreibt. Die Gesellschaft habe bisher nicht einmal die nötige regionale Infrastruktur und vertröste die Arbeitsämter, lautet der Vorwurf. Maatwerk-Geschäftsführer Jos Berends indes kündigte an, daß bis Ende Juli die Vorbereitungen beendet seien, um 5000 Menschen einzustellen. Das Rezept bestehe vor allem in intensiver Betreuung. So kümmere sich bei Maatwerk ein Vermittler um nur 20 Arbeitsuchende.
Die Zeitarbeitsbranche warnt indes davor, daß die PSA den jetzigen Zeitarbeitskräften ihre Stellen kosten könnten. Es gebe Agenturen, die die Subventionen nutzten und einen Buchhalter für 3,20 Euro überließen, erzählt Uhlemann. Es sei daher nicht auszuschließen, daß Unternehmen ihre Zeitarbeitskräfte durch PSA-Beschäftigte ersetzten. "Dieser Humbug muß ganz schnell beendet werden." (clb.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.765,50 | −0,97% |
| Nasdaq 100 | 2.542,34 | −0,84% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3173 | −0,83% |
| Rohöl Brent Crude | 117,48 $ | −1,02% |
| Gold | 1.748,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,69 € | +1,06% |