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Gastbeitrag : Wie sich der Einzug des 500-Euro-Scheins rechnet

  • -Aktualisiert am

Ein weniger seriöser Grund in die Sphäre der negativen Zinsen abzutauchen liegt darin, dass die EZB auf diese Weise den überschuldeten Staaten und Haushalten Südeuropas helfen kann, mit ihren Budgets zurechtzukommen. Anstatt Zinsen für ihre Schulden zahlen zu müssen, erhalten die überschuldeten Staaten Zinsen von den Sparern, die ihnen ihr sauer verdientes Geld geliehen haben. Auf diese Weise lässt sich der Lebensstandard in den Schuldenländern halten, und die Schulden werden von den Gläubigern selbst getilgt.

Schon durch die bisherigen Zinssenkungen, die der Euro zum Beispiel Italien bescherte, hat der italienische Staat jährlich mehr Geld gespart, als er an Mehrwertsteuern einnimmt. Was nun geplant ist, könnte auf eine gewaltige offene Entschuldungsaktion durch Negativzinsen hinauslaufen, welche die bisherigen Zinsvorteile nochmals stark vergrößert.

Deutschland würde leiden

Schon seit Jahren lassen sich viele der EZB-Maßnahmen am besten durch das Interesse der hochverschuldeten und nicht mehr wettbewerbsfähigen mediterranen Krisenländer sowie auch Frankreichs erklären, das in Südeuropa wichtige Absatzmärkte hat und auch ansonsten dorthin orientiert ist. Ob es um die Käufe der Staatspapiere der Krisenländer im Rahmen des Securities Markets Programme, um die außergewöhnlichen Freiheiten bei der Bedienung der lokalen Druckerpressen (Schrottpfänder, Ela, Anfa, widergespiegelt in den Target-Salden) oder das unbegrenzte Sicherungsversprechen für die Käufe der Staatspapiere dieser Länder im Rahmen des OMT-Programms ging, das vom deutschen Verfassungsgericht heftig kritisiert wurde:

Immer konnte man die Handlungen der EZB am besten verstehen, wenn man die salbungsvollen Formulierungen ihrer Kommunikationsabteilung überhörte und sich fragte, was wohl die Maßnahmen waren, die man zur Vermeidung und Verschleppung von Staatskonkursen in Südeuropa benötigen würde.

Für Deutschland wären negative Zinsen alles andere als angenehm, denn Deutschland ist das Land der Sparer. Auch wenn der überschuldete deutsche Fiskus profitierte, würde Deutschland insgesamt unter negativen Zinsen leiden, denn die Deutschen exportieren über ihre Leistungsbilanzüberschüsse mehr Ersparnisse als jedes andere Land der Erde. Deutschland ist nach China der größte Nettogläubiger der Welt. Ein Nettogläubiger profitiert nicht, wenn die Zinsen negativ werden, sondern er erleidet Verluste.

Es geht ja nur um Kleinganoven

Kapitalgedeckte Riester-Renten, Lebensversicherungen und Sparbücher werden bei negativen Zinsen zu Wohlstandsfallen, weil sich dort das Sparkapital Jahr um Jahr verringert, anstatt durch Zins und Zinseszins zu wachsen. Bedenkt man, dass man früher durch jahrzehntelanges Sparen damit rechnen konnte, dass das Dreifache der Ersparnis für die Rente zur Verfügung stand, so kommt bei negativen Zinsen nicht mal die Ersparnis selbst zurück.

Im Vergleich zu den gesamten Nettokapitalerträgen, die Deutschland noch im Jahr 2007 auf sein Nettoauslandsvermögen verdient hatte, bedeuteten die niedrigen Zinsen zuletzt einen jährlichen Verlust an Kapitalerträgen von etwa 68 Milliarden Euro, während die südeuropäischen Krisenländer in ihrer Gesamtheit jährlich etwa 85 Milliarden Euro an Gewinnen erzielten.

Gelänge es der EZB, die durchschnittlichen Marktrenditen um weitere 0,45 Prozentpunkte zu senken, wie es wegen der Erhöhung der Tresorkosten zu erwarten ist, stiege der jährliche deutsche Verlust bei den Kapitalerträgen um weitere 8 Milliarden Euro, und die Südländer hätten einen zusätzlichen jährlichen Vorteil von 10 Milliarden Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das sind sicher nur unbeabsichtigte Nebeneffekte einer dem Gemeinwohl dienenden EZB-Politik. Es geht ja nur um Kleinganoven.

Der Autor

Hans-Werner Sinn ist Präsident des Münchener Ifo-Instituts.

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