18.04.2007 · Die Hersteller von Windkraftanlagen strotzen vor Selbstbewusstsein, denn die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Auf der Hannover Messe können potentielle Kunden Generatorenhäuser von innen betrachten.
Von Rüdiger KöhnRechtsanwälte und Zahnärzte sind in Halle 13 auf der Hannover Messe eher weniger auszumachen - stattdessen interessiertes Publikum und Geschäftsleute, die neugierig blickend in riesige Modelle hineinkriechen, die Ähnlichkeit mit einem Zeppelin haben. "Das Bild hat sich geändert", sagt Thomas Richterich. "Windkraftanlagen sind kein notwendiges Übel mehr, sondern ganz normale Investitionsprojekte geworden." Heute seien die Abnehmer Energieversorger wie RWE oder Eon, sagt der Vorstandsvorsitzende des Hamburger Windkraftanlagenherstellers Nordex AG.
Größtes Interesse
Die Zeiten der Steuersparmodelle gehören der Vergangenheit an, womit sich die Anspielung auf Rechtsanwälte und Zahnärzte erklärt: Vor Jahren, als Windenergie noch am Anfang stand, interessierten sich vor allem Hochverdiener für die weißen Windräder. Steuerlich gefördert, konnten sie die Verluste aus dem Aufbau und dem Betrieb mit dem Einkommen steuermindernd verrechnen.
Heute erfährt der Markt für Windkraftanlagen mit dem Blick auf erneuerbare Energien und der Diskussion um Kohlendioxidausstoß größtes Interesse; nicht allein in Halle 13 zu erkennen, sondern auch in der Geschäftsentwicklung von Nordex. "Wir sind kein Wackelkandidat mehr", sagt Richterich auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover. In zwei Jahren will er den im vergangenen Jahr bereits um zwei Drittel auf 514 Millionen Euro erhöhten Umsatz verdoppelt und damit die Milliardengrenze überschritten haben.
Kapazitätsengpässe bremsen das Wachstum
Aus der Luft gegriffen ist die Prognose nicht. Der 2006 um 94 auf 767 Millionen Euro gestiegene Auftragseingang und der Auftragsbestand von 1,2 Milliarden Euro sichern den geplanten Umsatz von mehr als 750 Millionen Euro 2007 in diesem Jahr und fast schon komplett den von 2008. Nicht eingerechnet ist der kürzlich hereingeholte bisher größte Auftrag über die Lieferung von Windturbinen mit einer Leistung von 650 Megawatt.
Die Wachstumschancen sind üppig. Zunächst will Nordex in Europa die Märkte weiter erschließen. Nach Frankreich und Großbritannien ist dieses Jahr nun die Offensive in Italien geplant. Dann folgen die Türkei und Polen. "Wir treten nur in Märkte ein, in denen wir gleich zweistellige Marktanteile erreichen", sagt Richterich. Als nächster Schritt folgt der Vorstoß in China, mit dem Ausbau einer Produktion als Türöffner für Asien. Erst 2009 wird Nordex in größerem Stil die Vereinigten Staaten angehen, den Heimatmarkt von Konkurrent General Electric (GE). Das Unternehmen könne angesichts der begrenzten Kapazitäten ein Wachstum von mehr als 50 bis 60 Prozent im Jahr nicht durchhalten und daher nicht mehrere Märkte zur gleichen Zeit eröffnen.
Börse schon länger begeistert
Dass Windkraft kein Steuersparmodel mehr sein kann, zeigt die Gewinnentwicklung. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern zeigte erstmals seit fünf Jahren ein Plus von 16,6 Millionen Euro, nach einem Verlust von 5,5 Millionen Euro im Vorjahr. Die Umsatzrendite von 3,2 Prozent soll sich in diesem Jahr auf 6 Prozent steigen.
Die Zahlen von Nordex fördern die Euphorie, die schon seit längerem die Börse für Windkraft erfasst hat. Der Aktienkurs des Hamburger Unternehmens hat sich seit November verdreifacht; der Marktwert ist auf 1,9 Milliarden Euro explodiert. Die Titel legten gestern um weitere 3 Prozent auf mehr als 29 Euro zu. Die von Repower haben sich in zwölf Monaten mehr als vervierfacht, der Börsenwert erreicht rund 1,3 Milliarden Euro.
Übernahmekampf um Repower
Der ebenfalls aus Hamburg stammende Konkurrent, der in diesem Jahr 650 Millionen Euro Umsatz anstrebt, ist derzeit Gegenstand eines erbitterten Übernahmekampfes. Der indische Windkraftanlagenhersteller Suzlon, der gegenwärtig vor allem für Indien produziert, bietet 150 Euro je Repower-Aktie. Suzlon ist der französischen Areva in die Parade gefahren, die ihr erstes Angebot wegen des Eintritts der Inder in den Bieterwettbewerb deutlich auf 140 Euro erhöhen musste, aber dann von Suzlon übertrumpft wurde. Aufgeben will der Hersteller von Kernkraftwerken aus Frankreich nicht. Am Dienstag teilte Areva mit, von der Übernahmebedingung abzuweichen, im Zuge der Übernahmeofferte mindestens 50 Prozent plus eine Aktie an Repower zu erwerben. Eine Beteiligung darunter tut es also auch. Areva stieg zur Diversifizierung des Geschäftes 2005 bei Repower ein. Mitte April waren sie mit 30,14 Prozent beteiligt. Suzlon, die mit 7,7 Prozent beteiligt ist, hat sich mit dem portugiesischen Konzern Martifer (25 Prozent) verbündet und hält mit ihm zusammen 32,5 Prozent. Beide buhlen um den Streubesitz von 44,6 Prozent.
Bei Nordex sieht Vorstandsvorsitzender Richterich keine Anzeichen für einen Wechsel im Eigentümerkreis. Die auf Risikokapital spezialisierte CMP Capital Management Partners (26,65 Prozent) sowie Goldman Sachs (17,44 Prozent) sind die größten Anteilseigner. Neben anderen Finanzinvestoren befinden sich 40 Prozent im Streubesitz. Eher scherzhaft meinte der Nordex-Chef, dass er davon keine Kenntnis habe, dass sich CMP und Goldman Sachs gegenseitig überbieten würden. "Solange wir unsere Strategie weiter verfolgen können, ist mir jeder Investor lieb", sagte er. Sorge mache er sich deswegen nicht. "Wir sind ein Unternehmen, dass man jeden Tag an der Börse kaufen kann." Zu den Anteilseignern könnten auch Juristen und Zahnärzte gehören.
Subventionen
Dietmar Nieder (DUWN01)
- 19.04.2007, 09:59 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.420,00 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2399 | −0,72% |
| Rohöl Brent Crude | 103,29 $ | −3,33% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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