25.02.2011 · Die amerikanische Regierung will die Banken für Unregelmäßigkeiten bei Zwangsvollstreckungen zur Verantwortung ziehen. Im Gegenzug sollen sie ihren Kunden finanziell entgegenkommen. Es könnte um 20 Milliarden Dollar gehen.
Von Patrick WelterDie amerikanische Regierung macht Druck auf die Banken, die Hypothekendarlehen von überschuldeten Hausbesitzern im großen Stil zu reduzieren. Die Banken sollen damit dafür sühnen, dass es bei Zwangsvollstreckungen offenbar in großem Umfang zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" versucht die Regierung, eine landesweite Einigung diesbezüglicher Untersuchungen zu erreichen, die weitgehend von den Bundesstaaten angestrengt wurden. Manche an den Gesprächen beteiligten Generalstaatsanwälte und föderale Agenturen dringen demnach darauf, dass die Banken 20 Milliarden Dollar oder mehr für die Schuldenreduzierung überschuldeter Hausbesitzer oder als Strafe zahlen sollen. Ob der Regierung die Einigung gelingt, ist angesichts der großen Zahl beteiligter Parteien offen. Rund 14 Banken und Immobilienfinanzierer, darunter Fannie Mae und Freddie Mac, sollen in das Geschäft einbezogen werden.
Die Großbanken, die auf die große Zahl notleidender Hypothekenkredite nicht vorbereitet waren, haben in den vergangenen Jahren offenbar eine ordentliche Prüfung im Einzelfall vielfach nicht mehr gewährleisten können. Oft lagerten sie die Abwicklung der Fälle an Drittunternehmen aus, in denen teils unzulänglich ausgebildetes Personal Zwangsvollstreckungen wie am Fließband veranlasste. Nach einer Untersuchung der Aufsichtsbehörde Office of the Comptroller of the Currency (OCC) wurden dabei gesetzliche Vorschriften von Bundesstaaten und Gemeinden missachtet. Letztlich aber wurde nur eine "kleine Zahl" von Hausbesitzern gemäß der OCC-Untersuchung auf unangemessene Weise zwangsvollstreckt, hatte der OCC-Chef John Walsh vergangene Woche vor einem Untersuchungsausschuss erklärt. Einzelne Großbanken hatten im Herbst, als die Vorwürfe laut wurden, die Zwangsvollstreckungen zeitweise eingestellt.
Neu ist an dem Vorstoß der Bundesregierung, dass die Banken in größerem Umfang Teile der notleidenden Kredite erlassen sollen. Bisherige Bemühungen um Umschuldungen richteten sich weitgehend darauf, die Kreditverträge zu verlängern oder die Zinszahlungen zu reduzieren. Die Banken scheuen davor zurück, die Schulden zu reduzieren, um nicht weitere Hausbesitzer zur Einstellung der Zinszahlungen anzuhalten.
Eine Lösung der notleidenden Hauskredite gilt vielen Ökonomen als Voraussetzung dafür, dass der amerikanische Hausmarkt gesunden kann. Die Zahl der Eigenheime, deren Besitzer überschuldet sind und die vor Notverkäufen oder Zwangsvollstreckungen stehen, wird derzeit auf 4 bis 7 Millionen geschätzt. Das entspricht 3 bis 5 Prozent aller Wohnbauten. Gemäß einer Analyse der Ökonomen der Deutschen Bank in New York könnte es bis 2013 dauern, bis ein normales Maß an Leerständen erreicht ist. Michael Gapen von Barclays Capital sagte, es werde noch fünf Jahre dauern, bis das Überangebot von Eigenheimen vom Markt aufgesogen sei und eine Normalisierung einträte. Solche Berechnungen sind naturgemäß ungenau und hängen von vielen Annahmen wie der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung ab. Entscheidend ist auch, mit welchem Tempo Banken Eigenheime, die sie von notleidenden Hypotheken übernommen haben, an den Markt bringen.
Der Häusermarkt zeigte zuletzt Zeichen einer Stabilisierung. Der Fall der Hauspreise, der sich nach dem Ende steuerlicher Förderungen im vergangenen Jahr wieder beschleunigt hatte, scheint sich nach den jüngsten Daten zu verlangsamen. Und die Nachfrage nach Häusern steigt. In fünf der vergangenen sechs Monate berichtete der Nationale Verband der Immobilienmakler (NAR) von steigenden Verkäufen bestehender Häuser. Walter Molony vom NAR sagte, vor allem Investoren würden zunehmend Häuser aus Zwangsvollstreckungen oder Notverkäufen aufkaufen. Einen größeren Wachstumsbeitrag des Häusermarktes erwarten Volkswirte für die kommenden Jahre vor allem wegen des großen Angebotsüberhangs aber nicht. Neue Hausbauten zeigen bislang keine Aufwärtstendenz. In den Jahren vor der Immobilienpreisblase trugen Investitionen in Wohnbauten nachfrageseitig rund 5,3 Prozent zum realen Bruttoinlandsprodukt bei. 2010 war es nur noch weniger als die Hälfte.
Klar ...
Frank Geiser (geiser123)
- 25.02.2011, 19:00 Uhr
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