13.02.2009 · Seinen ersten großen Auftritt hat er gemeistert: Der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg demonstrierte bei der ersten Rede im Bundestag rhetorisches Talent. Am Ende der 13-minütigen Ansprache kam sogar Linke-Fraktionschef Gregor Gysi zum Händeschütteln. Bloß Glos war nicht da.
Der Redner ist ungeduldig. Noch bevor der Bundestagspräsident ihn am Freitag aufruft, steht Karl-Theodor zu Guttenberg hinter dem Stuhl von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und wartet auf seinen ersten Plenums-Auftritt als Bundeswirtschaftsminister. Elegant, mit heller Krawatte und grauem Anzug, und forschen Schrittes tritt der jüngste deutsche Wirtschaftsminister ans Rednerpult.
„Ihre Rede hätte uns gefallen, wäre sie schlüssig gewesen“, hält er seinem Vorredner, dem FDP-Chef Guido Westerwelle, entgegen. Der Oppositionspolitiker hatte das Konjunkturpaket II der Regierung als zielloses „Sammelsurium“ gerügt, das die Schulden erhöhe und nichts bringe.
Auch die SPD spendet ihm Beifall
Guttenberg will davon nichts hören. Der neue CSU-Minister verteidigt mit Nachdruck das 50 Milliarden Euro umfassende Programm. „Wir müssen nicht in Sack und Asche gehen“. Deutschland habe ein Konzept, das über das Jahr hinausreiche und sei erfahren in der Krisenbewältigung.
Mit der sozialen Marktwirtschaft sei Deutschland zu einer weltweit mitführenden Wirtschaftsnation aufgestiegen. Die Leitplanken der sozialen Marktwirtschaft dürften „nicht panisch abgerissen“ werden, sondern müssten nur in Teilen eingeengt oder auch erweitert werden. Dafür erhält er auch den Beifall der SPD.
An die Politiker appellierte Guttenberg, den Menschen zu vermitteln, dass sich die Parteien nicht um die Einzelheiten „kloppen“, sondern gemeinsam den Menschen Zuversicht geben. „Mit gestärktem Selbstbewusstsein, ohne Hochmut und mit Zuversicht“ müsse man in dieses Jahr gehen. Dabei beugt der 37-Jährige sich locker vor, die Arme auf dem Rednerpult. Die Gestik soll die Worte unterstreichen.
Nach vier Minuten kommt Guttenberg auf Glos zu sprechen
Nach vier Minuten kommt er dann auf seinen Vorgänger Michael Glos (CSU) zu sprechen, der den Job des Wirtschaftsministers am vergangenen Wochenende hingeschmissen hatte. Guttenberg würdigt Glos Verdienste, dieser habe sich „entschlossen, beherzt und mit viel Tatkraft“ für das zweite Konjunkturpaket eingesetzt. Sein Vorgänger habe sich „wirklich um dieses Land verdient gemacht“. Es sei für ihn unbegreiflich, wie Bundestagskollegen mit Glos nun verbal umsprängen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast zeigt derweil wild gestikulierend, dass Glos nicht in den Reihen der Unions-Abgeordneten sitzt.
Nach der 13-minütigen Antrittsrede gibt es längeren Beifall. Merkel nickt zustimmend, steht auf und gratuliert dem Neuen in ihrem Kabinett. Komme was da kommen mag, rhetorisch hat der Neuzugang seinem Vorgänger, zumindest in dessen Kabinettszugehörigkeit, einiges voraus.
An Ende einer Reihe von Händeschüttlern kommt dann noch einer, der den neuen Wirtschaftsminister gar nicht mehr loslassen will. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi scherzt mit dem adeligen Amtsinhaber ganz ohne Standesunterschiede.
Ein CSU-Bundestagsabgeordneter gratulierte dem Neuen dagegen nicht, sondern fehlte nach Auskunft seines Büros „entschuldigt“. Glos, mitverantwortlich für das Konjunkturpaket, war weder zur Debatte noch zur Abstimmung im Bundestag erschienen.
Gib mir ein "G" gib mir ein "U" gib mir ein "T" gib mir ein "T"..........
Ulrich Cone (Tacheles4)
- 13.02.2009, 16:12 Uhr
"Zu" kann nicht der Richtige sein für das Land,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 13.02.2009, 17:24 Uhr
Standesunterschiede?
Thomas Mirbach (lurkius)
- 13.02.2009, 17:45 Uhr
Ach, wenn doch
Dieter Weitzel (DieterWeitzel)
- 13.02.2009, 18:52 Uhr
Fanal oder Mentekel?
Fredericus Secondo (FredericusSecondo)
- 14.02.2009, 18:11 Uhr
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