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Griechenlands Schuldenkrise Europas Banken müssen weiter bangen

12.02.2010 ·  Griechen, Portugiesen und Spanier schulden Euro-Banken 800 Milliarden Euro. Daher zittern Europas Banken mit Griechenland. Wie groß die Abhängigkeit von der Hilfsbereitschaft für den überschuldeten Staat ist, verdeutlichen die starken Kursschwankungen der Bankenaktien.

Von Stefan Ruhkamp
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Europas Banken zittern mit Griechenland. Wie groß die Abhängigkeit von der Hilfsbereitschaft für den überschuldeten Staat ist, verdeutlichen die starken Kursschwankungen der Bankenaktien. Bevor sich die Hinweise auf Hilfen verdichteten, hatten die europäischen Bankenaktien in der Vorwoche gut 10 Prozent an Wert verloren. In dieser Woche ging es zunächst um 5 Prozent aufwärts, ehe die Enttäuschung über bislang relativ vage Hilfszusagen am Donnerstag zu einer Abwärtsbewegung des Branchenindex um 2,5 Prozent führte.

Eine Hilfe für den hochverschuldeten griechischen Staat könnte auch ein Signal für die anderen Wackelkandidaten des Euro-Raums sein, die Kapitalmärkte beruhigen und damit Druck von den Bilanzen der Banken nehmen. Ihnen drohen bei einer Verschärfung der Schuldenkrise riesige Abschreibungen.

Allein Griechen, Portugiesen und Spanier haben gegenüber den Banken in anderen Euro-Ländern nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Verbindlichkeiten von rund 1080 Milliarden Dollar. Umgerechnet sind das etwa 800 Milliarden Euro. Zählt man auch noch die Auslandsbankschulden von privaten und öffentlichen Schuldnern aus Italien und Irland hinzu, die als anfällig für Spekulationen gelten, erhöht sich die Summe der Forderungen schwieriger Herkunft in den Bankbilanzen des Euro-Systems um weitere 1000 Milliarden Euro.

Die Hypo Real Estate ist wieder dabei

Sollten sich die Zinsen für solche Forderungen wegen der großen Risiken um nur einen Prozentpunkt erhöhen, könnte dies schon zu einem riesigen Abschreibungsbedarf führen. Wären alle Forderungen gegenüber Schuldnern aus den genannten Ländern gleichermaßen betroffen, ergäbe sich rechnerisch ein Abschreibungsbedarf in der Größenordnung von rund 90 Milliarden Euro. "Das wäre eine ernste Bedrohung für das Euro-Bankensystem", sagt Jochen Felsenheimer, Kreditanalyst der Fondsgesellschaft Assenagon.

Auch aus Sicht von Politikern und Notenbanken ist das ein bedrohliches Szenario. Denn anders als nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Lehman-Bank haben sie kaum Spielraum, die Banken direkt zu stützen. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Staaten vermutlich kein zweites Mal die demokratische Legitimation für eine Rettung der Banken erhalten würden. Ein Jahr mit hohen Bonuszahlungen für die Bankmanager dürfte diese Restriktion noch verstärkt haben.

Bei einer gleichmäßigen Streuung der Risiken über das Bankensystem wären die genannten Summen leichter zu verkraften. Doch die anfälligen Vermögenswerte dürften in den Bilanzen einzelner Banken gehäuft auftreten. Deutsche Banken halten Forderungen gegenüber Griechen im Wert von rund 30 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte davon liegt bei den Hypothekenbanken. Und hier scheint die schon in Besitz des Staates befindliche und mit Geld des Steuerzahlers gerettete Hypo Real Estate herauszuragen. Nach Daten der Landesbank Baden-Württemberg entfallen 6,8 Prozent des Deckungsstocks der öffentlichen Pfandbriefe der HRE auf griechische Staatsanleihen.

Niederländische Banken besonders gefährdet

Zudem sind auch einzelne Länder des Euro-Raums überdurchschnittlich stark betroffen. Einen besonders großen Teil der griechischen, portugiesischen und spanischen Forderungen haben deutsche und französische Banken in ihren Bilanzen. Die Summen sind etwas größer als der Anteil der beiden Länder an der Wirtschaft des Euro-Raums. Deutlich überproportional ist das Risiko der niederländischen Banken mit rund 140 Milliarden Dollar. Bei den Forderungen gegenüber Italienern und Iren ragen eindeutig französische und deutsche Banken heraus, die zusammen auf fast 1000 Milliarden Dollar oder 720 Milliarden Euro kommen.

Ob Italien zu den Wackelkandidaten zählt, könnte sich bei der an diesem Donnerstag anstehenden Emission von Schuldtiteln andeuten. Italien will Anleihen im Wert von rund 6 Milliarden Euro versteigern. In den vergangenen Wochen waren solche Auktionen immer wieder Anlass zu starken Kursbewegungen auf den Kapitalmärkten. Je größer die Schuldenlast wird, desto argwöhnischer blicken die Investoren auf die Finanzierungsmöglichkeiten der anfälligen Länder und ihren Bedarf. Spanien ist nach Daten des Internationalen Währungsfonds in den vergangenen Jahren der - nach den Vereinigten Staaten - zweitgrößte Kapitalimporteur der Welt gewesen. Der spanische Staat braucht deshalb für die Begleichung alter Schulden und die Finanzierung des Haushaltsdefizits mehr als 200 Milliarden Euro. Besonders groß ist der Finanzierungsbedarf auch für Italien, wo in diesem Jahr Anleihen im Wert von 284 Milliarden Euro zurückgezahlt werden müssen.

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