Viele privat Krankenversicherte müssen sich zum Jahreswechsel auf eine kräftige Erhöhung ihrer Beiträge einstellen. Die Erhöhungen treffen sowohl Personen, die sich neu für einen privaten Krankenversicherungsschutz entscheiden, als auch heute schon privat Versicherte. Einzelne Tarife würden für neue Kunden um mehr als 20 Prozent teurer, sagte Reiner Will, geschäftsführender Gesellschafter der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur in Köln, auf einer Veranstaltung der Gothaer Versicherung.
Will rechnet im Durchschnitt der Branche mit einer mehr als zehnprozentigen Beitragserhöhung im Neugeschäft zum 1. Januar 2004. Diese Steigerungsraten lassen sich auf bestehende Verträge nicht einfach übertragen, weil die Krankenversicherer für ihre Bestandskunden an sich notwendige Anhebungen aus den Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen abmildern.
Axa und DKV heben ihre Beiträge
Versicherungsunternehmen bestätigen auf Anfrage die saftigen Erhöhungen. Bei der Axa-Krankenversicherung gebe es für neue Verträgen eine knapp zweistellige Steigerungsrate, sagte ein Unternehmenssprecher. Im vergangenen Jahr hatte die Erhöhung 4,5 bis 5 Prozent betragen. Beim Marktführer, der Deutschen Krankenversicherung (DKV), bleibt die Steigerung für neue wie für heutige Kunden nach Angaben eines Sprechers dagegen "deutlich unter 10 Prozent".
Die Gothaer Krankenversicherung, die in den zurückliegenden Jahren die Prämien überdurchschnittlich heraufsetzen mußte, werde im Bestand eine Anhebung um im Durchschnitt nicht mehr als 3 Prozent vornehmen, sagte Vorstandsmitglied Michael Kurtenbach.
Die Versicherer begründen die Erhöhungen mit der längeren Lebenserwartung, der gesunkenen Wechselbereitschaft der Versicherten und gestiegenen Leistungsausgaben. Die neue Sterbetafel des Verbandes der privaten Krankenversicherer berücksichtigt die nochmals verlängerte Lebenserwartung. Sie zwingt die Versicherer zu einer Neuberechnung der Alterungsrückstellungen. Diese Notwendigkeit schlägt bei der Axa allein mit zwei bis vier Prozentpunkten Beitragserhöhung zu Buche.
Wechselfreudigkeit hat abgenommen
Fünf bis acht Prozentpunkte der Erhöhung haben einen anderen Grund: Viele Tarife müssen zudem wegen der gesunkenen Storno-Wahrscheinlichkeit neu kalkuliert werden. Nach Einführung des gesetzlichen Beitragszuschlags um 10 Prozent im Jahr 2001, der für zusätzliche Altersrückstellungen verwendet werden sollte, wechseln noch weniger Privatversicherte die Gesellschaft. Denn ein Wechsler kann die für ihn gebildete Alterungsrückstellung nicht mitnehmen. Diese kommt seiner bisherigen Versichertengemeinschaft zugute. Solche Storno-Gewinne reduzieren sich, wenn weniger Versicherte wechseln.
Der Erhöhungsbedarf bei den Beiträgen wird an der versicherungsgeschäftlichen Ergebnisquote deutlich. Diese Kennzahl gibt an, wieviel von den Beiträgen nach Abzug der Kosten für Erstattungsleistungen, der Verwaltungs- und Abschlußkosten übrig bleibt. "Ist die Ergebnisquote positiv, war der kalkulierte Beitrag insgesamt ausreichend bemessen", erläuterte Will. Nach den von Assekurata vorgelegten Vergleichszahlen hat der Marktführer, die DKV mit 0,01 Prozent eine besonders niedrige versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote. Allerdings werde die Quote als Folge deutlicher Beitragserhöhungen in diesem Jahr wesentlich besser ausfallen, heißt es bei der DKV.
Auch die Signal Krankenversicherung (0,07 Prozent), die Central Krankenversicherung (3,12 Prozent) und die Continentale Krankenversicherung (3,14 Prozent) gehörten im vergangenen Jahr zu den Gesellschaften, die bei dieser Kennzahl nicht gut aussahen. Die Beitragsstabilität kann nach den Worten Wills letztlich nur im Zusammenhang mit der Unternehmensqualität und der Finanzstärke eines privaten Versicherers beurteilt werden. Dazu benötigten die Kunden mehr Informationen über die Kapitalanlagen, sagte Will.
"Wir bleiben mit unseren Tarifsteigerungen deutlich unter zehn Prozent"
Sprecher der Deutschen Krankenversicherung
