19.03.2004 · Die neue elektronische Krankenkarte wird schrittweise ab Anfang 2005 eingeführt. In der Industrie gilt das Projekt als eines der weltweit größten IT-Vorhaben. Am Montag auf der Cebit wird es vorgestellt.
Die neue elektronische Krankenkarte wird schrittweise ab Anfang 2005 eingeführt. Dann seien erste Großversuche mit der Karte vorgesehen, auf der zunächst Notfalldaten und Rezepte gespeichert werden könnten, sagte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder (SPD), dieser Zeitung. Es bleibe bei dem von den Kassen bezweifelten gesetzlichen Starttermin im Jahr 2006 für alle Versicherten.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will das Projekt, dessen Kosten auf über eine Milliarde Euro veranschlagt werden, am Montag auf der Cebit vorstellen. In der Industrie gilt es als eines der weltweit größten IT-Vorhaben. Der Kartenhersteller Giesecke & Devrient erklärte, das Projekt sei größer als die Lkw-Maut. Deshalb sind auch Konzerne wie SAP, T-Systems oder Siemens daran interessiert.
Neue Chipkarten für 80 Millionen Versicherte
Ziel ist die Vernetzung des deutschen Gesundheitssystems mit rund 120.000 Arzt- und 55.000 Zahnarztpraxen, 21.500 Apotheken, 2200 Krankenhäusern und knapp 300 Krankenkassen. Rund 70 Millionen gesetzlich und 10 Millionen privat Versicherte müßten mit neuen Chipkarten ausgestattet werden. Die Karten, die den heutigen Versichertenkarten nur noch in der Größe ähneln, könnten einerseits Gesundheitsdaten speichern, etwa für Notfälle, Arzneimittel oder über den Versicherten. Sie sollen künftig aber vor allem einen Online-Zugang zu Krankendaten ermöglichen, die von Ärzten oder Kliniken schon heute gespeichert würden. Spezielle Schnittstellen würden die technische Verbindung im Netz sicherstellen. Deren Bauprinzipien würden offengelegt, so daß kein Hersteller aus technischen Gründen ausgeschlossen werde, sagte Staatssekretär Schröder.
Sekundenschnell Zugriff auf Patientendaten
Ärzte könnten über eine zusätzliche Legitimationskarte sekundenschnell Zugriff auf Patientendaten erhalten, die andere Ärzte gespeichert haben. Doppeluntersuchungen würden reduziert, fehlerhafte Abrechnungen unterbunden, Unverträglichkeiten bei Medikamenten vermieden, sagen Befürworter. "Die Gesundheitskarte ist das entscheidende Modernisierungsprojekt der Krankenversicherung", sagt Gernot Kiefer, Vorstand beim Bundesverband der Innungskrankenkassen.
Allein die zügigere Abwicklung der bis zu 700 Millionen Rezepte, die jährlich in Deutschland ausgedruckt und weitergereicht würden, birgt nach Kassenangaben ein Einsparpotential von mehr als 100 Millionen Euro. Der Branchenverband Bitkom behauptet gar ein Einsparpotential von 1,3 Milliarden Euro.
Was es kosten soll
Die Kosten hingen letztlich von den Anwendungsmöglichkeiten ab, sagt Schröder. Er kalkuliert die Kosten für die Systemeinführung einschließlich neuer Geräte auf 0,7 bis 1,4 Milliarden Euro. Mindestens 1,4 Milliarden Euro veranschlagten die Krankenkassen dafür, sagt Doris Pfeifer, Vorstandsvorsitzende des Ersatzkassenverbands, Giesecke & Devrient spricht von 1,7 Milliarden Euro.
Aufgebracht werden diese von den Krankenkassen, Ärzten und Kliniken und damit vom Beitragszahler. Die Industrie wirbt mit Finanzierungsmodellen. Viele Unternehmen, so auch die vom Gesundheitsministerium mit der Projektplanung federführend beauftragte IBM, bieten eine Vorfinanzierung an. Abgerechnet würde später nach den über das jeweilige System getätigten Buchungen.
Während Staatssekretär Schröder die Vorschläge "innovativ" nennt, halten sich die Kassen mit einer Bewertung noch zurück. Sie haben gerade mit den Ärzten eine Arbeitsgruppe gegründet, die die von IBM vorgelegte Rahmenarchitektur prüfen und weitere Schritte planen soll. Schröder geht alles das nicht schnell genug. In bis zu acht Ländern will er ab Januar Tests starten, erst mit einigen zehntausend, dann hunderttausend Teilnehmern. In Richtung der Kassen und Ärzte sagt er: "Verschiebungen lassen wir nicht zu."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.427,30 | −1,22% |
| EUR/USD | 1,2398 | −0,73% |
| Rohöl Brent Crude | 103,44 $ | −3,19% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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