24.10.2006 · Die Ärzte-Vereinigungen erwarten durch die Gesundheitsreform ein Versorgungsproblem für die Patienten und befürchten eine Pleitewelle bei Arztpraxen. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach weist die Kritik zurück. Mit der Reform müßten die Ärzte „keinerlei Nachteile“ hinnehmen.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hat einen Tag vor dem geplanten Kabinettsbeschluß zur Gesundheitsreform seine Kritik an dem Vorhaben erneuert. So werde durch die Reform unter anderem „ein echtes Versorgungsproblem“ auftreten, sagte Hoppe am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Durch die ungelöste Finanzierungsfrage werde die Krankenhausdichte in Deutschland abnehmen. „Auch die fachärztliche Versorgung wird abschmelzen.“
Hoppe kritisierte darüber hinaus das geplante Vergütungsmodell für die niedergelassenen Ärzte. Die Begrenzung der erbrachten Behandlungen mit einer danach einsetzenden schlechteren Vergütung werde die Situation nicht verbessern. Die Bundesärztekammer trifft sich heute (Dienstag) zu einem außerordentlichen Ärztetag in Berlin.
Lauterbach soll gründlich lesen
Hoppe wies die Kritik des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach an den geplanten Praxisschließungen zurück. Wenn dieser sage, die Mediziner hätten durch die Gesundheitsreform keinerlei Einbußen zu befürchten, müsse er das Gesetz „vielleicht noch einmal gründlich durchlesen“. Zahlreiche Leistungen würden künftig trotz der Umstellung des Honorarsystems von Punktwerten auf feste Eurobeträge nicht mehr vergütet. „Das ist eigentlich ein Etikettenschwindel und dadurch wird nichts verbessert an der alten Situation“, sagte Hoppe.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte die angekündigten Praxisschließungen niedergelassener Ärzte scharf kritisiert und sie aufgefordert, „von diesem Erpressungsversuch Abstand zu nehmen“. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ hatte Lauterbach gesagt, er habe überhaupt kein Verständnis dafür, daß ausgerechnet die Ärzte gegen die Gesundheitsreform protestierten. Schließlich würden die Ärzte mit der Reform „sehr gut fahren“ und müßten „keinerlei Nachteile hinnehmen“.
Jede dritte Praxis in wirtschaftlicher Not
Nach den Worten Lauterbachs wird das Honorarsystem auf feste Eurobeträge umgestellt, womit die von den Ärzten kritisierten Punktwerte abgelöst würden. Zudem habe Qualität künftig eine deutlich größere Bedeutung, so daß Ärzte mit guter Qualität bei den Honoraren „nicht weiter die Dummen“ seien. Zudem müßten die Ärzte anders als andere Leistungserbringer keine Einbußen bei Honoraren und Einkommen hinnehmen.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtet durch die Gesundheitsreform sogar eine Pleitewelle bei Arztpraxen. „Die Reform ist in dieser Form ein Vernichtungsprogramm für Arztpraxen. Bereits heute ist jede dritte der 30.000 Praxen in wirtschaftlicher Not“, sagte KBV-Chef Andreas Köhler der „Bild“-Zeitung.
Der SPD-Abgeordnete Wolfgang Wodarg warnte im RBB-Inforadio davor, die Gesundheitsreform auf dem Rücken der Kranken auszutragen. Der verschärfte Wettbewerb zwischen den Kassen werde dazu führen, daß chronisch Kranke ausgegrenzt würden, weil sie zu teuer seien. Er kündigte er sein Nein zur Gesundheitsreform im Bundestag an.
Ideologisch betriebsblind
Andreas Seidl (ASeidl)
- 24.10.2006, 12:04 Uhr
Sozialistische Tiefe bei Lauterbach und Schmidt
Markus Teuber (arathorn)
- 24.10.2006, 13:48 Uhr
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