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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Gesundheitspolitik Jedem sein Hüftgelenk

 ·  Nicht alles, was medizinisch erwünscht ist, wird bezahlt. Da hilft nur Rationierung.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (8)

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Madeleine Pyka

Vorschlag

Krankenschein abgeben und fertig. Was darauf abgerechnet wird weiß der unmündig gehaltene Versicherte nicht, das Wissen teilen sich die Krankenkasse und die Ärzteschaft.
DAS sollte der Herr Bahr mal ändern statt von Rationierung zu faseln!

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Jörg Beckmann

Komplexer Fall

Ein außerordentlich "aufschlussreicher" Text, der einen älteren Herrn durchaus ermessen lassen kann, wie viel oder besser wenig er einer Gesellschaft wert ist, wenn sie nach diesem Text geht. Mal deutlich gesagt: Ich bin ein (bisher) lebenslanger Ausdauersportler, dem von seinen Ärzten immer wieder attestiert wurde, wie auch gesundheitspolitisch sinnvoll es doch sei, dass er sich so sportlich betätige. Nun aber leide ich an einem Hüftschaden...und lese dazu, dass es vielleicht (aus finanziellen Gründen!!) besser sei, wenn ich auf eine mögliche neue Hüfte verzichte!!!? Was aber dann, wenn ich - aufgrund mangelnder Bewegung - dann auf andere Art erkranke?...Kurzum: Die Sache mit der Hüfte scheint mir komplexer als sie bisher hier dargestellt wurde! Ironie jedenfalls hilft den Kranken da nicht

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klaus keller
klaus keller (klkeller) - 06.05.2012 17:10 Uhr

Kirchturmdenken wie überall

Wenn ich mit 70 kein neues Hüftgelenk bekomme wird mein künftiges Leben für die "Solidargemeinschaft" nicht zwangsläufig billiger! Davon das jeder an seine eigene Kasse denkt wird die Situation nicht besser. Zur Erinnerung; Die Idee der 10€-Zahlung beim Arztbesuch sollte u.a. dazu führen das der Patient erst seinen Hausarzt aufsucht bevor er zum Facharzt geht. Der Hausarzt sollte Fallmanager des Patienten werden der sagen kann was zur Behandlung notwendig ist: Im Wort Notwendig ist das Wort Not enthalten, es geht also daraum die Not zu wendem, nicht um unnötigen Schnickschnack. Vielleicht wäre hier auch ein Blick über die Grenzen hilfreich mit folgender Überlegung: Was kostet ein Hüftgelenk und welche Kriterien werden in Bertracht gezogen wenn eines Inplantiert wird und welches sind die Kosten für die Alternativen. Bezogen auf das Hüftgelenk zB, Rollstuhl, notwendieger Fahrstuhl, hilfe beim einkaufen etc pp. Hüftgelenke implantieren Privatkliniken am Fließband,man verdient damit Geld!

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Peter Grooterhorst

Jedem sein Hüftgelenk

Die einfache Überlegung, dass die für die Gesundheitsversorgung zu Verfügung stehenden Ressourcen begrenzt sind, führen zur Rationierung. Die zweite Überlegung, dass die Wertigkeit der medizinischen Leistungen unterschiedlich ist, zur Priorisierung. Und schon steckt man in Schwierigkeiten: Denn nicht nur die Beurteilung der Wertigkeit einer medizinischen Maßnahme fällt je nach Perspektive unterschiedlich aus, auch die individuelle Konstellation (z.B. Alter, Komorbiditäten) macht die Bewertung des Nutzens schwierig. Aber bevor man sich in diese problematische Kampfzone begibt, vor der Politiker verständlicherweise zurückschrecken, sollten die Leistungen verhindert werden, die medizinisch überflüssig sind. Ja, die gibt. Und eine wichtige Ursache sind im Vergleich zur Morbiditätslast in der Bevölkerung zu groß ausgelegte Kapazitäten. Wenn in einer Region doppelt soviele Hüften implantiert werden wie in anderen, dann liegt dieser Verdacht nahe. Und da ist wiederum die Politik gefordert.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 06.05.2012 18:11 Uhr
Helga Zießler

Wie soll denn bitteschön die Politik entscheiden, wer ein neues Gelenk bekommt und wer nicht?

Ein Gesundheitsminister braucht von Medizin keine Ahnung zu haben, seine Beamten haben die auch nicht. Da verlasse ich mich denn doch im Ernstfall lieber auf den Rat eines Facharztes, der die Notwendigkeit einer solchen OP wohl doch besser beurteilen kann.

Eine pauschale Altersgrenze für den Einbau eines Ersatzgelenks wäre allerdings höchst problematisch. Es gibt 60jährige, deren Gesamtzustand so schlecht ist, dass ein neues Gelenk kaum eine Verbesserung bringen würde, es gibt aber auch 85-90jährige, die mit einem neuen Gelenk noch zur Selbstversorgung fähig wären, ohne dieses aber zum Pflegefall würden. Das alles muss bedacht werden.

Angesichts der katastrophalen demographischen Entwicklung (an der übrigens die familienfeindliche Politik die Hauptschuld trägt) werden in den nächsten Jahren sehr viele ähnliche Diskussionen geführt werden - auch über Beihilfe zum (gewünschten) Suicid Schwerstkranker.

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Helga Zießler

"In einer Marktwirtschaft ist normalerweise der Preis das beste Rationierungsinstrument"...

Leider sind wir aber von einer - freien - Marktwirtschaft sehr weit entfernt. Vor allem auch, was die Krankenversicherung betrifft, zu der wir vom Staat gezwungen werden. Zum Widersinnigsten in diesem System gehört es, dass der Patient nicht die leiseste Ahnung hat, was seine Gesundheit tatsächlich kostet - auch hier wird der Bürger, wie in vielen anderen Fällen - wie ein Kleinkind behandelt. Über Preise spricht man nicht. Kein Patient weiß, wie wenig ein Arzt verdient bei einer Konsultation oder einem Hausbesuch und schon gar nicht, wie teuer eine Knie-OP ist. Wüsste er das, würde er von manchem Arztbesuch wohl absehen.
Längst hätte man das gesamte System ändern sollen: eine Pflicht-Grundversicherung für alle, wer mehr will, was medizinisch nicht notwendig ist, also etwa das neue Hüftgelenk mit 90, das teuerste Medikament für den Heuschnupfen oder die Absicherung einer Risiko-Sportart, muss Zusatzversicherungen abschließen. Bei Zahnersatz und Brillen gilt das ja bereits seit längerem.

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m fell

rationierung

Sie schreiben, dass "wer am meisten zu zahlen bereit ist, bekommt den Zuschlag. Diese Form der „harten“ Rationierung verbietet sich aus moralischen Gründen im Gesundheitswesen, weil dann der Reichste sich alle Medizin kaufen könnte." Nur Deutsche Staats- und Gesellschaftsgläubige können so Preis mit Rationierung gleichsetzen. Medizin und selbst Hüftgelenke sind produzierter und je mehr die Reichen so etwas konsumieren, desto schneller kommt der Preis herunter. Siehe CDs, DVDs, Elektronik, etc. Der Markt kann so was, nur Deutsche glauben das nicht.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 06.05.2012 17:57 Uhr
Helga Zießler

Mir Ihrem Statement , dass nur deutsche Staats- und Gesellschaftsgläubige...

Preis mit Rationierung gleichsetzen können, haben Sie meiner Ansicht nach absolut recht.

Dennoch ein Einwand: Natürlich werden Hüft- oder Kniegelenksersatzteile preiswerter, je mehr Leute sich die anschaffen und je mehr also produziert werden müssen. Ob das aber gleichermaßen auf die medizinische Leistung zutrifft, die dabei jedesmal erbracht werden muss - das wage ich doch zu bezweifeln. Es hiesse doch, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wenn man die maschinelle Produktion irgendwelcher Gegenstände gleichsetzen wollte mit einer ärztlich-handwerklichen Leistung. Die ist eben nicht beliebig zu vermehren. Daran kann auch der Markt nicht viel ändern.

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Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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