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Gesundheitsminister Rösler plant „Landarztquote“ für Medizinstudenten

05.04.2010 ·  Ärzte auf dem Land sind Mangelware. Mit einer neuen Idee von Gesundheitsminister Rösler soll sich das ändern: Wer nach der Ausbildung aufs Land geht, soll demnächst schneller einen Studienplatz bekommen. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, wie die F.A.Z. erfahren hat.

Von Andreas Mihm
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Medizinstudenten, die bereit sind, sich für einige Jahre als Landarzt zu verpflichten, sollen künftig bevorzugt einen Studienplatz erhalten. Eine solche „Landarztquote“ will Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) bei der von der Regierungskoalition angestrebten Verbesserung der medizinischen Versorgung auf dem Land einführen. Das erfuhr die F.A.Z. am Montag. Die Einführung einer „Vorabquote“ sei bei besonderem öffentlichen Bedarf für künftige Landärzte denkbar. Sie könne helfen, in dünn besiedelten Gebieten die medizinische Versorgung zu verbessern. Ein Gesetzentwurf mit dieser und anderen Änderungen solle vermutlich noch vor der Sommerpause vorgelegt werden.

Rösler, der selbst Arzt bei der Bundeswehr war, orientiert sich bei seinen Überlegungen für eine „Vorabquote“ für Landärzte offensichtlich an deren Modell. Für potentielle Bundeswehrärzte gibt es laut Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) eine „Vorabquote“ von 1,8 Prozent der Studienplätze. Die Auswahl der Bewerber, die sich für mehrere Jahre zum Truppendienst verpflichten, übernimmt das Verteidigungsministerium nach eigenen Kriterien. Allerdings hat das nicht davor geschützt, dass ihr aktuell 600 Ärzte fehlen, wie der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe unlängst beklagte.

Ärztemangel droht

Wie groß eine „Vorabquote“ für Landärzte ausfallen könnte und wer nach welchen Kriterien die Auswahl der Kandidaten übernehmen würde, ist noch offen. Rösler hatte zuvor in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung für eine „Abschaffung des Numerus clausus und für eine stärkere Berücksichtigung von Auswahlgesprächen“ geworben (Rösler: „Numerus clausus für Medizin abschaffen“). Derzeit werden laut ZVS 20 Prozent der Plätze an die Jahrgangsbesten (Notendurchschnitt 1,4) und weitere 20 Prozent nach Wartezeit vergeben. Die übrigen 60 Prozent können die Universitäten selbst besetzen.

Der Notendurchschnitt allein sage nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt werde, sagte der Minister. Ähnlich hatte sich der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, geäußert. Anders als die Ärztekammer plädierte Rösler für eine Ausweitung der Zahl der Studienplätze. Es habe das Thema mit den Ländergesundheitsministern besprochen und keine Widerstände sondern Zustimmung erfahren. Mit Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) habe er auch geredet. „Ich würde die Umstellung gerne noch in dieser Legislaturperiode politisch auf den Weg bringen“, sagte Rösler.

Ein Grund für die Überlegungen, mehr junge Menschen für den Arztberuf zu interessieren, ist der wachsende Ärztemangel. In Krankenhäusern sind 5000 Stellen unbesetzt, auf dem Land verwaisen Arztsitze. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das Problem dramatisch schon in den nächsten zehn Jahren,“ sagte Rösler der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Das Durchschnittsalter der 150.000 niedergelassenen Ärzte liegt nach Statistiken der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bei 52 Jahren. Rösler wird bei seinen Plänen von der Union unterstützt. „Die Zukunft der ärztlichen Versorgung auf dem Land wird eines der Megathemen der Gesundheitspolitik der nächsten Jahre“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn (CDU). Die Menschen bewege die Frage, wie lange sie auf einen Arzttermin warten müssten, „mehr als jede Debatte über acht Euro Zusatzbeitrag“.

Den Weg in die Selbständigkeit erleichtern

Um die Versorgung zu verbessern, erwägt das Ministerium einen „Demografie-Faktor“ in die Bedarfsplanung für Arztsitze im Gesetz festzuschreiben. Zwar debattiere die Selbstverwaltung der Kassen und Ärzte darüber. Eine Gesetzesänderung schaffe aber Rechtssicherheit. Die aktuelle Bedarfsplanung mit der Basis 1990 gebe den Versorgungsbedarf der Bevölkerung nur unzureichend wieder.

Rösler plädierte für mehr Flexibilität. Ob ein Arzt sich niederlasse, hänge in den seltensten Fällen nur vom Honorar ab. Wichtiger sei, es den Weg in die Selbständigkeit zu erleichtern und durch Anreize die Versorgung zu sichern. So sollten Kommunen oder Kassenärztliche Vereinigungen in unterversorgten Gebieten selbst Praxen betreiben können. In solchen „Eigenpraxen“ könnten Ärzte zunächst angestellt werden. „Nach einer gewissen Zeit kann ihnen die Übernahme der Praxis angeboten werden.“ Rösler erwägt auch, Ärzten die die Gründung von Praxisfilialen zu erlauben. „Wir wollen überlegen, ob man mehr als zwei Filialen genehmigen kann pro Kassensitz.“

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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