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Gesundheit Patienten sparen jährlich 220 Millionen Euro

01.09.2006 ·  Die Zuzahlungsbefreiung von Arzneimitteln lohnt sich für Patienten und Kassen, so der BKK-Bundesverband. Es seien keine neuen Rabattregeln nötig. Der Branchenverband Pro Generika sieht das anders: Der Druck auf billige Nachahmerpräparate wachse weiter.

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Die seit zwei Monaten bestehende Möglichkeit, den Patienten die Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente zu erlassen, sofern die Pharmaindustrie die Arzneimittelpreise senkt, hat sich bewährt. Zu diesem Ergebnis gelangt der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in einer ersten Zwischenbilanz.

Künftig könnten die Patienten jährlich knapp 220 Millionen Euro und die Kassen weitere 120 Millionen Euro im Jahr sparen, sagte der Vorstandsvorsitzende des BKK-Bundesverbands, Wolfgang Schmeinck, am Freitag in Berlin voraus.

Schätzung: 700 Millionen Euro Ersparnis für Patienten möglich

Diese Schätzung werde von den Spitzenverbänden aller Kassen gemeinsam getragen. Sie unterstelle, daß 30 Prozent der Patienten ihre Arzneimittelversorgung auf zuzahlungsbefreite Medikamente umstellen. Bei einer Substitutionsrate von 10 Prozent ergäben sich Einsparungen von knapp 30 Millionen Euro für die Kassen und 85 Millionen Euro für die Patienten. Bei einer - hypothetischen - Umstellung zu 100 Prozent wären es fast 700 Millionen Euro jährlich für die Patienten und 440 Millionen Euro für die Kassen.

Schmeinck verlangte, die Bundesregierung solle die Zuzahlungsbefreiung erst einmal wirken lassen, statt in der anstehenden Gesundheitsreform die Apotheker zu neuen Rabattverhandlungen mit der Pharmaindustrie zu drängen. Sonst bestehe die Gefahr, daß die Arzneimittelhersteller lieber Rabatte mit bestimmten Apothekengruppen oder -ketten aushandelten, als die Preise so weit zu senken, daß die Zuzahlungsbefreiung greifen könne. Ein solches Verhalten nutze nicht den Patienten, sondern nur den Apothekern.

Marktvolumen von 7,7 Milliarden Euro

Im Mai hatten sich die Spitzenverbände der Krankenkassen auf eine erste Tranche von 4.990 Medikamenten in 79 der insgesamt 340 Festbetragsgruppen geeinigt, die von der Zuzahlung befreit werden können. Seit dem Inkrafttreten am 1. Juli hätten die Hersteller schon für 2.637 Medikamente (Stand: Mitte August) die Preise entsprechend gesenkt.

In einer zweiten Tranche sollen zum 1. November nochmals 14.632 Arzneimittel in weiteren 130 Festbetragsgruppen hinzukommen. Damit könnten künftig etwa 80 Prozent des Festbetragsmarktes von Zuzahlungen befreit werden. Dies betreffe ein jährliches Marktvolumen von 7,7 Milliarden Euro.

Kassen wollen Höchstbeträge anheben

Der Branchenverband Pro Generika erklärte, auch die Freistellung einer zweiten Tranche löse das Problem der steigenden Arzneimittelausgaben nicht. Es wachse bloß der Druck auf die ohnehin preiswerten Nachahmerpräparate, während sich an den Scheininnovationen nichts ändere.

Um zu verhindern, daß auf die Versicherten Zuzahlungen als Folge von Preiserhöhungen durch den Mehrwertsteuerzuschlag zukommen, wollen die gesetzlichen Krankenkassen die Erstattungshöchstbeträge für mehrere hundert Arzneimittel von Januar 2007 an anheben.

Allein diese steuerlich bedingte Erhöhung der Festbeträge in 218 Arzneimittelgruppen führe 2007 zu einer Mehrbelastung der Kassen von rund 400 Millionen Euro, hieß es. Weitere 400 bis 500 Millionen Euro Kostenzuwachs erwarten die Kassen durch die höhere Mehrwertsteuer auf patentgeschützte und nicht preisregulierte Medikamente, die sie erstatten müssen.

Quelle: nf./ami./ F.A.Z., 02.09.2006, Nr. 204 / Seite 11
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