02.09.2009 · Die Debatte über Ärzte, die für die Einweisung von Patienten in Kliniken Geld kassieren gewinnt an Schärfe. Vertreter der Krankenhäuser und der Ärzteschaft warfen sich gegenseitig illegale Praktiken vor. Die Krankenhausgesellschaft schätzt die Zahl „strittiger“ Fälle auf bis zu 700.000.
Von Andreas MihmDie Debatte über Ärzte, die für die Einweisung von Patienten in Kliniken Geld kassieren (Immer mehr Ärzte verkaufen ihre Patienten), gewinnt an Schärfe. Vertreter der Krankenhäuser und der Ärzteschaft warfen sich gegenseitig illegale Praktiken vor. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nannte solche Fälle am Mittwoch „Betrug zu Lasten der Versicherten und der Solidargemeinschaft“. Sie mahnte die Standesorganisationen, zügig für Klarheit zu sorgen.
Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Rudolf Kösters, schätzte die Zahl der „strittigen“ Fälle auf 5 Prozent aller Einweisungen. Bei 14 Millionen Patienten, die sich im Jahre 2007 auf 17,2 Millionen Behandlungsfälle verteilten, wären das bis zu 700.000 Fälle im Jahr.
Montgomery sprach von Einzelfällen
Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, sprach dagegen von Einzelfällen. Der F.A.Z. sagte er: „Es handelt sich nicht um ein Massenphänomen.“ Montgomery warf den Kliniken vor, eine Kampagne gegen die Ärzte initiiert zu haben, weil sie zwar die Hilfe der Niedergelassenen nutzen wollten, sie dafür aber nicht adäquat und zu fairen Preisen bezahlen wollten. Nicht die Ärzte gingen auf die Krankenhäuser zu - er kenne keinen Fall -, sondern umgekehrt.
Die Äußerungen Montgomerys hoben sich damit ab von der Linie, die zuvor der Kassenärztechef Andreas Köhler und der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, eingenommen hatten. Sie hatten mögliche Verstöße gegen Berufsrecht zugegeben; Köhler hatte für ein gemeinsames Vorgehen aller gegen „schwarze Schafe“ plädiert.
Hausärzte, Orthopäden, Urologen, HNO- und Augenärzte
DKG-Präsident Kösters zeigte sich irritiert über die Vorhaltungen Montgomerys. Ziel müsse es sein, die vom Gesetzgeber gewollte Kooperation zwischen den Sektoren zu verbessern. Wichtig sei, „dass die Politik Ärzte und Krankenhäuser nicht immer weiter in einen ungezügelten Wettbewerb hineintreibt“. Die DKG habe das Problem von Kliniken mit einigen fachärztlichen Disziplinen erkannt und Mut zur Transparenz gehabt. Der Berufsverband Deutscher Internisten kritisierte, Prämien-Praktiken gefährdeten „das Grundvertrauen der Patienten in die ärztliche Tätigkeit, weil sie den Verdacht nähren, dass die Behandlung nicht allein am Wohl der Patienten ausgerichtet ist“.
Nach Angaben von informierten Kreisen konzentrieren sich bekanntgewordene Fälle von Einweisungsprämien auf Hausärzte, damit auch internistische Hausärzte, sowie Orthopäden, Urologen, HNO- und Augenärzte. Krankenkassen kritisierten beide Seiten. Ministerin Schmidt warnte davor, politisch gewünschte Verträge für eine integrierte Versorgung zwischen Ärzten und Kliniken mit illegalen oder halb legalen Praktiken zu verwechseln.
Kopfpauschalen
Jonas Müller-Hübenthal (Dr_Dolittle)
- 02.09.2009, 23:43 Uhr
Kopfprämien? - Aber Schuld sind natürlich die anderen!
Carlo Pinocchio (Carlo.Pinocchio)
- 02.09.2009, 23:52 Uhr
Die Ärztevrfolgung ist an Verlogenheit nicht zu überbieten.
Inanc Bardakcioglu (HurraTuerkiye)
- 03.09.2009, 10:31 Uhr
Solange es dieses System gibt ...
Klaus Hill (morchel)
- 03.09.2009, 11:41 Uhr
Die Raffkes der Nation
egon soppe (egonsoppe)
- 03.09.2009, 12:50 Uhr
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