23.08.2006 · Gesundheitsökonomen aus Halle glauben, daß der geplante Gesundheitsfonds lediglich die Einnahmen erhöhen wird. Warum die Reform kaum die Qualität und Effizienz verbessern wird begründen die Forscher in einer Studie.
Die Bundesregierung geht einer Studie zufolge mit ihrer Gesundheitsreform die ersten Schritte hin zu einer Kopfpauschale und verpaßt Einsparmöglichkeiten.
Im vorgesehenen Wettbewerb der Krankenkassen dürfte sich das Kopfpauschalenmodell durchsetzen, heißt es in der Forschungsarbeit des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Für Gutverdiener lohnt sich die Kopfpauschale
Für Gutverdiener sei eine Kopfpauschale günstiger als ein einkommensbezogener Beitragssatz, für Geringverdiener sei es umgekehrt: „Folglich wandern Gutverdiener zu den Krankenkassen mit Kopfpauschale.“ Im Ergebnis würden die Kassen auf die Kopfpauschale übergehen.
Nach den Plänen der Bundesregierung sollen die Kassen künftig von den Versicherten einen ergänzenden Zusatzbeitrag erheben können, der aber ein Prozent des Einkommens nicht überschreiten darf. Dabei wird ihnen freigestellt, den Zusatzbeitrag prozentual zum Einkommen oder als Pauschale zu erheben.
Kassen können Beiträge rückerstatten
Kassen, die weniger ausgeben als sie Mittel aus dem geplanten Gesundheitsfonds erhalten, können ihren Mitgliedern aber auch Beiträge erstatten. Dadurch soll der Wettbewerb unter den Krankenkassen gefördert werden.
Am Dienstag war bekannt geworden, daß die monatlichen Auszahlungen an die Versicherten bis 2009 die Marke von zehn Euro nicht übersteigen dürfen. Dies wurde aus einem Arbeitsentwurf des Gesundheitsministeriums für das Reformgesetz deutlich (siehe: Ministerium legt künftig den Kassenbeitrag fest). Ferner war dem Entwurf zu entnehmen, daß das Ministerium künftig den Kassenbeitrag selbst festlegen soll und daß das Bundesverwaltungsamt, eine dem Ministerium unterstellte Behörde, den Fonds verwalten soll.
IWH: Kein Wettbewerb um Qualität und Effizienz
Das IWH kritisierte nun, statt eines Wettbewerbs um Qualität und Effizienz werde das Modell zu einem Wettbewerb um Gutverdiener führen. Insgesamt diene die Reform fast ausschließlich der Erhöhung der Einnahmen.
Sie führe dadurch zu einer Erhöhung der Lohnzusatzkosten und leiste dagegen keinen nennenswerten Beitrag zur Steigerung der Effizienz im Gesundheitswesen, schrieben die Forscher.
Gesundheitsfonds wird später starten
Am Dienstag war darüber hinaus bekannt geworden, daß sich die Einführung des Gesundheitsfonds tatsächlich verzögern soll. Schon im Vorfeld hatte es Gerüchte gegeben, daß die Kassen erst Mitte 2008 startbereit sind, da der Schuldenabbau nur langsam vonstatten geht.
Dies bestätigte sich im Arbeitsentwurf des Ministeriums. In dem Entwurf wird außerdem festgelegt, daß defizitäre Kassen vor dem Start des Fonds die Schulden anderer Kassen gleicher Art übernehmen müssen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.436,40 | −1,15% |
| EUR/USD | 1,2401 | −0,70% |
| Rohöl Brent Crude | 103,41 $ | −3,22% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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