11.12.2006 · Die ersten 10.000 gesetzlich Versicherten erhalten an diesem Montag die neue elektronische Gesundheitskarte. Ein Feldversuch, um auszuprobieren, ob die High-Tech-Karte hält, was sie verspricht. Bis Ende 2008 soll sie flächendeckend zum Einsatz kommen.
Mit mehr als einem Jahr Verspätung beginnt an diesem Montag der erste große Feldversuch mit der neuen elektronischen Gesundheitskarte. In zwei Modellregionen, Flensburg und Zittau, werden die ersten 10.000 gesetzlich Krankenversicherten mit der neuen Chipkarte ausgestattet, deren Funktionen in den kommenden Monaten in Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern erprobt werden sollen.
Die High-Tech-Karte gilt als das bisher größte deutsche Projekt der Informations- und Kommunikationstechnik (IT). Die Industrie, die das Projekt seit Jahren engagiert begleitet, würde das System gerne auch exportieren. Bis Ende 2008 soll die Karte flächendeckend in Deutschland für alle 80 Millionen gesetzlich wie privat Versicherte verpflichtend eingeführt werden, heißt es im Bundesgesundheitsministerium. Ursprünglich sollte die Ausgabe schon in diesem Jahr weitgehend abgeschlossen sein. Das sei auch am hinhaltenden Widerstand der Selbstverwaltung der Kassen, Ärzte und Apotheker gescheitert. Von der Karte verspricht sich die Regierung Einsparungen in Bürokratie und Verwaltung, aber auch einen schnelleren Zugriff auf medizinische Daten und eine größere Sicherheit für die Patienten.
Unternehmensberatung: Kosten von 3,9 Millionen Euro
Über die Kosten gibt es unterschiedliche Berechnungen. Während das Gesundheitsministerium auf fallende Kartenpreise verweist und von einem unveränderten Kostenrahmen von 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro für die Einführung - bei 200 bis 300 Millionen Euro für den jährlichen Betrieb - ausgeht, rechnen Kassen und Ärzte mit höheren Gesamtkosten. Eine Unternehmensberatung kalkulierte die Kosten jüngst auf mindestens 3,9 Milliarden Euro. Ärzte, Krankenhäuser und Kassen rangeln derzeit noch um die Finanzierung von Lesegeräten und Computern sowie die Kostenerstattung von Datenabfragen.
Die neue Karte ist im Gegensatz zu den bisherigen Kassenkarten mit einem Speicherchip und Foto ausgestattet. Das soll Leistungs- und Kartenmißbrauch verhindern. Auch kann die Kasse eine Karte jetzt online sperren, wenn die Arztpraxis elektronisch die Echtheit der Karte prüft. Auf dem Chip sollen nur wenige Gesundheitsdaten gespeichert werden.
Chip statt Papier
Zunächst soll das Rezept elektronisch aufgespielt werden. Anstatt mit einer papiernen Verschreibung geht der Patient künftig mit seiner Gesundheitskarte in die Apotheke. Der Apotheker kann vom Chip das verschriebene Medikament auslesen. Das soll die Sicherheit der Verschreibung erhöhen und vor Fälschungen schützen. In einem späteren Stadium könnten, wenn der Versicherte zustimmt, auch alle ausgehändigten Medikamente gespeichert und so Medikamentenunverträglichkeiten vorgebeugt werden.
In einem zweiten Schritt sollen zudem Notfalldaten wie die Blutgruppe oder andere Merkmale des Versicherten auf der Karte gespeichert werden. Ärzte weisen aber darauf hin, daß ein Notarzt lieber selbst lebenswichtige Parameter teste, ehe er sich auf Notfallausweise verläßt.
Doppeluntersuchungen vermeiden
In einer weiteren Ausbaustufe des Systems soll der Patient auch in der Lage sein, Ärzten oder Apothekern Zugang zu seiner elektronischen Patientenakte zu geben. Die Daten würden zwar immer auf den verschiedenen Rechnern der behandelnden Ärzte in Praxen und Kliniken gespeichert. Allerdings kann der Versicherte durch einen besonderen elektronischen Code auf seiner Karte den Zugang zu diesen Daten freischalten. Der Arzt oder Apotheker benötigt dazu eine weitere „Health Professional Card“. Nur der Einsatz beider Karten ermöglicht den Zugriff. Auf die Art sollen kostspielige Doppeluntersuchungen vermieden und Diagnosen schneller gestellt werden. Fachleute weisen darauf hin, daß es noch Jahre dauern werde, bis das neue elektronische System das bisher übliche Papierverfahren komplett abgelöst habe.
Nach Bürgern in Flensburg und Zittau, die sich wie die Ärzte undApotheker freiwillig für die Feldversuche gemeldet haben, kommen als nächstes Versicherte in Testregionen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz und später auch Bürger in Niedersachsen und Baden-Württemberg in den Genuß der neuen Technik.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.436,40 | −1,15% |
| EUR/USD | 1,2401 | −0,70% |
| Rohöl Brent Crude | 103,41 $ | −3,22% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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