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Gesundheit Eine Zahnkrone - aber bitte aus China!

10.11.2006 ·  McZahn heißt die neue Kette der Billigzahnärzte. Zahnersatz gibt es hier ohne Zuzahlung. Denn er kommt aus China. Ein Besuch in der ersten Praxis des Zahn-Discounters in Krefeld.

Von Dyrk Scherff
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Einen Billigzahnarzt stellt man sich anders vor. Doch die Praxis von McZahn in der Krefelder Innenstadt erweckt beileibe keinen Discount-Eindruck. Die Einrichtung ist neu, am Notwendigen wurde nicht gespart: Die Geräte sind modern, dazu gibt es ausreichend Personal, so daß sich keine Schlangen an der Rezeption bilden und die Patienten nicht lange im Wartezimmer sitzen müssen. Es sieht aus wie bei den meisten anderen Zahnärzten auch. Lediglich das McZahn-Logo auf der Dienstkleidung der Angestellten zeigt, daß die Praxis doch ungewöhnlich ist.

Das ist sie auf jeden Fall. Denn bei der Billigzahnarztkette McZahn bekommen Patienten ihren Zahnersatz ohne Zuzahlung. Das spart einiges. Wer sich etwa eine viergliedrige Frontzahnbrücke mit Teilverblendung einsetzen läßt, zahlt bei der Konkurrenz fast 1000 Euro. Maximal 620 Euro ersetzt davon die Kasse, der Patient muß also mehr als 300 Euro aus eigener Tasche drauflegen. Bei aufwendigeren Konstruktionen lassen viele sogar vierstellige Summen bei ihrem Zahnarzt.

Kronen aus China: Bis zu 70 Prozent billiger

Bedarf für einen Billiganbieter gibt es also genug. Hier setzt McZahn an. Die Idee: Statt den Zahnersatz in teuren deutschen Laboren fertigen zu lassen, wird er in China hergestellt - zu einem Bruchteil der Kosten. „Dank der niedrigen Löhne und großer Labore sind Kronen und Brücken dort im Vergleich zu Deutschland bis zu 70 Prozent billiger“, sagt McZahn-Vorstandssprecher Werner Brandenbusch.

Der Zahnersatz ist so günstig, daß der Festzuschuß, den die Kassen bezahlen, die Kosten für Material und Arzthonorar genau deckt. So kann der Zahn-Aldi auf die Zuzahlung der Kunden verzichten. Das gilt allerdings nur für vollverblendeten Zahnersatz aus Keramik. Wer höherwertige Materialien will, zahlt auch hier etwas dazu. „Aber selbst dann werden wir das deutlich billiger anbieten als die deutschen Labore“, wirbt Brandenbusch.

Der Zahnarzt als Franchisenehmer

McZahn geht in Krefeld mit dem klassischen Angebot eines Zahnarztes an den Markt, von Brücken über Wurzelbehandlung bis zur Zahnreinigung. Implantate überläßt die Firma einem Kieferchirurgen, der einen Teil der Räume nutzt. Für den großen Rest ist in Krefeld Zahnarzt Oliver Desch zuständig. Er leitet ein Team von zwölf Mitarbeitern und einem Arztkollegen. Seit acht Jahren praktiziert er.

Die Zahnärzte und die Mitarbeiter sind keine Angestellten von McZahn. Sie bleiben selbständig, setzen aber als Franchisenehmer das Konzept mit identischer Praxiseinrichtung, standardisierter Arbeitskleidung und einheitlichem Logo um. Diese Kosten übernimmt McZahn. Dafür zahlen die Ärzte eine einmalige Gebühr von 35.000 Euro und geben jährlich 20 bis 45 Prozent der Umsätze an den Discounter ab.

Knapp 1000 Patienten seit der Eröffnung

„Das lohnt sich dennoch, denn die Kosten sind niedriger“, sagt Desch. Denn McZahn richte nicht nur die Praxis ein, sondern handele auch Mietnachlässe und Rabatte beim Verbrauchsmaterial heraus. „Und wir können mit deutlich mehr Umsatz rechnen.“ Viele seiner Kollegen mußten in den vergangenen Jahren Einnahmerückgänge verkraften, weil wegen der hohen Kosten immer mehr Leute die Behandlung aufschieben.

Daß Deschs Rechnung aufgeht, beweist der Andrang: Knapp 1000 Patienten kamen seit der Eröffnung Ende September. Bis April sind keine neuen Termine mehr zu bekommen. „Wir haben Patienten aus ganz Deutschland hier, vom Rentner bis zum Unternehmensberater“, sagt Desch. Und schon nach nur wenigen Wochen seien die für das erste Jahr geplanten Einnahmen geschafft.

„Ich wurde von Kollegen wüst beschimpft“

Kein Wunder, daß Deschs Konkurrenz aufgeschreckt ist. Sie schießt mit schwerem Geschütz, denn ihr drohen Umsatzeinbußen. „Ich wurde von Kollegen wüst beschimpft, weil wir die Preise kaputtmachen“, erzählt der Zahnarzt. Vorstandssprecher Brandenbusch sagt, er habe schon zwei Morddrohungen erhalten. Die Lieferanten der Geräte seien mit Auftragsstornierungen bedroht worden für den Fall, daß sie McZahn weiter beliefern.

Die Konkurrenten argumentieren, die chinesischen Labore lieferten schlechte Qualität. Das suggeriert etwa die Konkurrenz-Zahnarztkette MacDent. „Qualität ist wesentlich abhängig von der Sorgfalt - unzureichende Zahnmedizin rächt sich“, sagt ihr Vorstand Armin Jäkel zum Start von McZahn. Brandenbusch, der als Textilgroßhändler Erfahrungen mit China gemacht hat, hält dagegen: „Die Auto- oder Chemiebranche zeigen, daß deutsche Unternehmen aus China gute Qualität bekommen können.“

400 Standorte bis 2009

Er habe mit seinem chinesischen Vorstandskollegen die führenden Labore besucht. „Wir haben drei ausgewählt, in denen teils deutsche Zahntechniker arbeiten.“ Probelieferungen hätten überzeugt. Zudem prüfe das deutsche Zahnlabor Perpeet Kronen und Brücken vor dem Einbau.

Die ersten Patienten von McZahn sind nicht beunruhigt. „Unsere in Deutschland verkaufte Markenware wird doch oft auch in China hergestellt, und es gibt keine Probleme“, sagt etwa Ilona Wedekind, die in der Umgebung von Krefeld wohnt. Und auch die Krankenkassen haben nichts gegen Zahnersatz aus dem Ausland.

Brandenbusch läßt sich durch die Kritik nicht beirren. Mit seinem Investor, einem älteren Unternehmer, den er nicht nennen darf, will er in diesem Jahr noch zwei Praxen aufmachen: in Uerdingen und im westfälischen Bünde. Im Januar und Februar kämen elf weitere Standorte hinzu, unter anderem in Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Berlin und Hamburg. Ende 2009 sollen es dann 400 sein.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.11.2006, Nr. 44 / Seite 59
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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