Home
http://www.faz.net/-gqg-10fnl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Geschlechterdiskriminierung EU will Hausfrau aus Werbung verbannen

Keine Hausfrau hinter dem Herd, kein starker Hausmann, der den Rasen trimmt. Sexistische Klischees in der Werbung sollen künftig tabu sein. Die Werbeindustrie ist dennoch erleichtert: Eine Abgeordnete hatte noch strengere Auflagen verlangt.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Seit Generationen spielt die Werbung mit den Geschlechterklischees. Das soll sich jetzt ändern

Was waren das noch für Zeiten, als uns die Waschfrau „Klementine“ aufklärte, wie Wäsche „nicht nur sauber, sondern rein“ wird - und sich die Autowerbung noch allein an den Mann im Hause richtete. Da kommt die heutige Werbung meist emanzipierter daher. Nach Ansicht des Europaparlaments aber, ist das alles noch nicht genug.

Hendrik  Kafsack Folgen:    

Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Europaabgeordneten nun in Brüssel dafür, dass jedes sexistische Klischee in der Fernsehwerbung künftig tabu sein soll: Keine Hausfrau hinter dem Herd oder vor der Waschmaschine mehr also, aber auch kein starker Hausmann mehr, der den Rasen trimmt. Schließlich fordert das Europaparlament pauschal, dass „traditionelle Geschlechterrollen in Frage gestellt werden müssen, wenn die Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden soll“.

Mehr zum Thema

Verantwortungsvolle Werbung

Geschlechterstereotype sollen deshalb nicht nur aus der Werbung, sondern auch aus Spielzeug, Schulbüchern, Computerspielen, Videos und dem Internet verbannt werden. Werbung allerdings spielt durchaus eine herausgehobene Rolle: Schließlich könne „verantwortungsvolle Werbung einen positiven Einfluss auf die Wahrnehmungen der Gesellschaft von Themen wie ,Körperbild', ,Geschlechterrollen' und ,Normalität' haben“ und „ein wirksames Instrument sein, um Stereotype in Frage zu stellen und anzugehen“.

Aus diesem Grund sei es vor allem wegen der Auswirkungen auf Kinder wichtig, dass die Institutionen der EU wie der einzelnen Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass geschlechterspezifische Diskriminierung bekämpft werde. Zudem solle die Europäische Union mit Aufklärungsaktionen und Bildungsprogrammen gegen Sexismus sowie entwürdigende Bilder von Frauen wie auch Männern in der Werbung vorgehen.

Verbot von extrem dünnen Models?

Dass der Beschluss des Europaparlaments von der Werbewirtschaft trotzdem mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen wurde, liegt daran, dass die federführende schwedische Europaabgeordnete Eva-Britt Svensson von der Fraktion der „Vereinigten Linken“ ursprünglich noch sehr viel weiter gehen wollte. Sie wollte etwa einen Verhaltenskodex für die Werbebranche und nationale Gremien zur Medienüberwachung vorschreiben. Auch sollte die Industrie nach Vorstellung von Svensson keine extrem dünnen Models in der Werbung mehr zeigen, sondern „ein realistischeres Spektrum von Körperbildern an den Tag legen“. Das indes ging etwa den Vertretern der konservativen EVP-Fraktion zu weit.

Das Ziel, „die Geschlechterstereotypisierung abzubauen und dadurch jedem Menschen eine individuelle Entwicklung seiner Persönlichkeit zu ermöglichen“, unterstützt die Christdemokratin Christa Klaß, Mitglied der EVP-Fraktion, indes ebenso wie die Grüne Hiltrud Breyer. Insgesamt sprachen sich 504 Abgeordnete für die Initiative zur Fernsehwerbung aus. 110 stimmten dagegen, 22 enthielten sich. Unmittelbar verbindliche Auswirkungen hat die Entschließung des Parlaments zwar nicht, da es sich nur um einen sogenannten Initiativbericht handelt.

Allerdings haben die Europäische Kommission und das Parlament vereinbart, dass die Kommission solche Beschlüsse aufnimmt und prüft, ob sie einen darauf aufbauenden Vorschlag für ein konkretes Gesetz vorlegt. Dasselbe gilt für die nun ebenfalls vom Europaparlament verabschiedete Forderung, den 22. Februar zum „Internationalen Tag für gleiches Entgelt“ zu erklären.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Budgetstreit in Brüssel Verhandlungen zum EU-Haushalt platzen

Vertreter der Regierungen und des EU-Parlaments haben sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen können. Die Kommission muss jetzt einen neuen Vorschlag machen. Es droht ein Notbudget. Mehr

18.11.2014, 00:56 Uhr | Politik
Cannabis-Legalisierung Kekse, Knast und Colorado

Die Linken-Fraktion im Hessischen Landtag will die Legalisierung von Cannabis prüfen lassen. Die anderen Fraktionen halten den Antrag vielleicht gar nicht für falsch, werden ihn aber mehrheitlich ablehnen - weil er von der Linken kommt. Mehr Von Timo Frasch, Wiesbaden

20.11.2014, 21:59 Uhr | Politik
Grenoble Bäume statt Werbetafeln

Der Bürgermeister von Grenoble sieht sich als Pionier einer neuen urbanen Lebensform. Er verbannt Werbeschilder aus seiner Stadt und pflanzt dafür Bäume. Darin erschöpft sich sein Drang zur Stadtverbesserung aber längst nicht. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

26.11.2014, 10:44 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.09.2008, 18:30 Uhr

Reservierte Plätze

Von Heike Göbel

Wer glaubt, dass Deutschland durch die Frauenquote moderner wird, glaubt vermutlich auch daran, dass der Storch die Kinder bringt. Fakt ist: Hier wird gegen die Prinzipien einer Marktwirtschaft verstoßen. Mehr 13 44


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo Gemeinden die meisten Steuern einnehmen

Die Städte und Gemeinden in Ostdeutschland haben zwar weniger Schulden als die im Westen, doch ihre Steuerkraft ist noch immer deutlich niedriger. Unsere Grafik zeigt, wo Kommunen viele Steuern einnehmen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden