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Geschichte einer Währung : Die Macht des Dollar

Schwungrad der Weltwirtschaft: Der Dollar ist mehr als eine nationale Währung Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten leiden unter einer schwachen Konjunktur und einer hohen Verschuldung. An ihrer Hegemonie in der Welt des Geldes ändert das nichts.

          Den berühmtesten Satz der Währungsgeschichte sprach Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts der damalige amerikanische Finanzminister John Connally aus: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“ Die Arroganz eines Leitwährungslandes spricht aus diesen seinerzeit unbefangen vorgetragenen Worten, die in einem Gespräch mit ausländischen Journalisten fielen. Die Schwäche der amerikanischen Konjunktur und die politischen Auseinandersetzungen um eine Anhebung der Obergrenze für die Staatsverschuldung mögen den Dollar an den Devisenmärkten ein wenig abwerten lassen. Aber sie ändern nichts an seinem Leitwährungsstatus, so wie amerikanische Staatsanleihen („Treasuries“) ihren Status als sichere Häfen in schwierigen Zeiten nicht verlieren.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Die Dominanz des Dollar und der amerikanischen Finanzmärkte reflektiert nicht allein die wirtschaftliche, politische und militärische Macht der Vereinigten Staaten von Amerika. Es ist den Amerikanern zudem gelungen, weite Teile der akademischen, wirtschaftlichen und medialen Elite im Rest der Welt über Geld und Finanzmärkte so denken zu lassen wie die Amerikaner. Die Wirtschaftsfakultäten in Chicago, Harvard, Yale, Stanford und am Massachussetts Institute of Technology (MIT) haben zur Bewahrung der amerikanischen Hegemonie an den Finanzmärkten nicht weniger beigetragen als alle Flugzeugträger der amerikanischen Marine zusammen.

          Der führende Finanzplatz der Welt war London - bis zum Krieg

          Die Dominanz des Dollar auf den Finanzmärkten hat sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts herausgebildet. Sie besaß ihren Ursprung in der amerikanischen Machtentfaltung einerseits und der Selbstentmachtung der Europäer in zwei Weltkriegen andererseits. Bis zum Ersten Weltkrieg war London der führende Finanzplatz der Welt gewesen, hatte das britische Empire weite Teile der Welt beherrscht und das durch Gold gedeckte Pfund Sterling eine Art Leitwährungsstatus besessen.

          John Connally: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem”

          Die von isolationistischen Neigungen damals nicht freien Amerikaner hielten sich im Hintergrund; allerdings wuchs ihre Wirtschaft so schnell, dass ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Vergleichszahlen der einzelnen europäischen Mächte zu übertreffen begann. Der amerikanische Einfluss wurde erstmals in der Zwischenkriegszeit spürbar, als sie in die Regelung der Auslandsschulden der Europäer eingriffen. Das Deutsche Reich war bei den Franzosen und Briten hoch verschuldet, die Franzosen und Briten hatten ihrerseits aber hohe Schulden bei den Amerikanern.

          Das Gold hatte de facto keine Relevanz

          Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war die überragende Rolle der Vereinigten Staaten innerhalb der westlichen Welt in politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht unübersehbar. Und da die führenden westlichen Nationen angesichts trüber Erfahrungen mit instabilen Währungsverhältnissen in der Zwischenkriegszeit den Aufbau eines Weltwährungssystems mit prinzipiell festen und nur in Sonderfällen veränderlichen Wechselkursen planten, war klar, dass der Dollar in diesem System eine führende Rolle spielen sollte. Der einzige Mann von Bedeutung, der seinerzeit eine totale Hegemonie der Vereinigten Staaten verhindern wollte, war der Ökonom John Maynard Keynes, der für Großbritannien die Verhandlungen mit den Amerikanern über eine währungspolitische Nachkriegsordnung führte. Am Ende setzten sich die Amerikaner durch.

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