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Geplanter Arbeitsplatzabbau Airbus-Mitarbeiter drohen mit Arbeitskampf

02.02.2007 ·  Die Proteste der Airbus-Mitarbeiter gegen geplante Einsparungen drohen zu eskalieren. Sie befürchten, dass 8000 Stellen auf der Kippe stehen. Sollte es zu einem Arbeitskampf kommen, könnte Airbus in Lieferprobleme geraten.

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Im Streit um den geplanten Arbeitsplatzabbau bei Airbus in Deutschland haben IG Metall und der Betriebsrat gedroht, mit weiteren Aktionen die Auslieferung von Flugzeugen zu verzögern. „Wenn wir erkennen, dass wir hier nicht zum Zuge kommen, wird das Unternehmen seine Lieferaussagen für 2007 revidieren müssen“, sagte der Betriebsratschef von Airbus-Deutschland, Rüdiger Lütjen auf einer Protestkundgebung in Hamburg, dem größten Airbus-Standort in Deutschland.

Airbus-Deutschlandchef Gerhard Puttfarcken warnte vor einer Eskalation: „Ein Arbeitskampf wäre so ziemlich das Letzte, was Airbus gebrauchen kann - angesichts der vollen Auftragsbücher und der ehrgeizigen Produktionshochläufe, die wir vor uns haben.“ Puttfarcken plädierte dafür, die Entscheidungen der Airbus-Spitze vorerst abzuwarten. Airbus-Chef Louis Gallois habe zugesichert, alle Airbus-Länder fair zu behandeln und die Lasten gleich zu verteilen.

„Überhaupt keine Entscheidungen gefallen“

Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass durch Einsparungen und die Umorganisation der Fertigung an den sieben deutschen Standorten 5000 bis 8000 Stellen wegfallen. Bei Airbus Deutschland arbeiten 22.400 Menschen. Betriebsratschef Lütjen befürchtet, dass die deutschen Werke Kernaufgaben in der Entwicklung an andere Standorte verlieren könnten und zudem die Fremdleistung ausgeweitet werden könnte. Nach Gewerkschaftsangaben demonstrierten am Freitag bundesweit mehr als 24.000 Menschen gegen die erwarteten Stellenstreichungen.

Video: Airbus-Mitarbeiter protestieren gegen Sparpläne

Ein Airbus-Sprecher in Toulouse teilte mit, „dass überhaupt keine Entscheidungen gefallen“ seien. Einen Bericht der Tageszeitung „Die Welt“, dem zufolge Deutschland nicht nur die meisten Arbeitsplätze, sondern auch Technologiekompetenzen verliere, kommentierte er nicht. Luftfahrtexperten erwarten bei den aktuell produzierten Modellen indes eine weniger dramatische Neuordnung von Standorten als sie derzeit vor allem aus Gewerkschaftskreisen an die Wand gemalt werde.

Politisch motivierte Aufteilung soll vermieden werden

Weil die Nachfrage nach Flugzeugen bei allen Maschinen hoch ist, gilt es als riskant, die Abläufe wesentlich umzubauen. Etwa dürfen die Zulieferketten nicht in Gefahr gebracht werden. Auch stellt sich die Frage, ob an einem Standort wie Toulouse überhaupt genügend Ingenieure vorhanden sind, um dort die Modellpalette wesentlich zu erweitern.

Für das künftige Langstreckenflugzeug A350 dagegen könnte alleine Toulouse den Zuschlag für die Endmontage erhalten, glauben Fachleute, denn dort werden heute schon die Modelle A330 und A340 gebaut. Eine politisch motivierte Aufteilung zwischen Hamburg und Toulouse, wie sie noch bei dem A380 durchgesetzt wurde, will man vermeiden.

Wandern Kapazitäten aus Deutschland ab?

Auch dürfte der Arbeitsplatzabbau schmerzhaft werden, denn Airbus will ähnlich wie Boeing in der Vergangenheit die Fertigungstiefe reduzieren. Mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze in Deutschland sollen auf dem Prüfstand stehen - wobei viele Stellen unter das Dach neuer Arbeitgeber kommen könnten. Denn Airbus denkt intensiv über den Verkauf von Standorten nach. Gerne würde das Unternehmen diese an deutsche Zulieferer übergeben, doch deren zersplitterte Struktur ist wenig hilfreich. Über Konzerne, wie sie Frankreich mit Thales, Safran oder Zodiac hat, verfügt Deutschland nicht.

Ein von den französischen Gewerkschaften in Auftrag gegebenes Gutachten wies auf die geringere Fertigungstiefe französischer Standorte hin. Daher aber auf eine höhere Produktivität der Airbus-Werke in Frankreich zu schließen, hält die Unternehmensleitung für unzulässig. Als weiteren Nachteil der deutschen Airbus-Standorte sehen Fachleute ihre Konzentration auf Rumpfteile. Mit dem technologischen Fortschritt, der etwa den Einsatz von mehr Verbundwerkstoffen erfordert, könnten Kapazitäten aus Deutschland abwandern.

Deutsche Airbus-Werke

· Hamburg: 12.000 Mitarbeiter. Aufgaben: Endmontage A380, A318, A319, A321. Elektrik, Elektronik, Hydraulik, Rumpfmontage, Innenausstattung.

· Bremen: 3400 Mitarbeiter. Aufgaben: Flügel für Großraumflugzeuge, Kleinbleche.

· Nordenham: 2300 Mitarbeiter. Aufgaben: Metallteile, Rumpfschalen.

· Varel: 1400 Mitarbeiter. Aufgaben: Frästeile.

· Stade: 1600 Mitarbeiter. Aufgaben: Seitenleitwerke.

· Laupheim: 1200 Mitarbeiter. Aufgaben: Kabinenausstattungen und Frachtraumverkleidungen.

· Buxtehude: 390 Mitarbeiter. Aufgaben: Kabinen-Kommunikation. (Reuters)

Quelle: rit./chs. / F.A.Z., 03.02.2007, Nr. 29 / Seite 11
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