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Vor dem Super-Tuesday : Die politischen Vorlieben der amerikanischen Manager

Hillary Clinton dürfte die Kandidatin der Demokraten werden - das Silicon Valley und die Wall Street stehen eher hinter ihr. Bild: AP

Wer unterstützt wen im Wahlkampf? Mancher Hedgefonds-Manager hält es mit Marco Rubio, Bankbosse und das Silicon Valley eher mit Hillary Clinton. Und mit Donald Trump?

          Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein politisch zerrissenes Land. Nur in einem sind sich die Leute noch ziemlich einig: Eine große Mehrheit findet, dass zu viel Geld in der Politik steckt und dass wirtschaftliche Interessen einzelner Gruppen zu viel Gewicht haben für politische Entscheidungen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Große finanzielle Zuwendungen für einzelne Präsidentschafts-Kandidaten finden vor diesem Hintergrund keineswegs die ungeteilte Zustimmung des Wahlvolks. Der Populist Donald Trump und der Linksaußen Bernie Sanders gründen einen Teil ihrer Attraktivität denn auch darauf, dass sie Zuwendungen von reichen Mitmenschen ablehnen.   

          Diese allgemeine Stimmungslage  macht es für Unternehmer und angestellte Vorstandschefs kompliziert, ihre Wunschkandidaten offen zu unterstützen. Besonders unbeliebt im Wahlvolk sind aktuell die Großbanken. Eine verzwickte Lage ist das zum Beispiel für Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Er gilt als Freund von Hillary Clinton, und hat ihr zahlreiche Türen geöffnet. Diesmal aber hat er sich nicht öffentlich zu ihr bekannt und offenbar ihrer Kampagne kein Geld geschenkt. Auch JP-Morgan-Boss Jamie Dimon, ein alter Unterstützer aus der Kampagne des Jahres 2008,  hat bisher davon abgesehen, der Kandidatin offiziell Rückendeckung zu geben. 

          Der naheliegende Grund: Eine offizielle Unterstützung von Goldman Sachs oder JP Morgan würde Clinton mehr schaden als nützen. Ihr linker Gegenspieler Bernie Sanders lässt in kaum einer Rede die Behauptung weg, dass Clinton eine ungute Nähe zu Manhattans Finanzdistrikt pflege.

          Tatsächlich hat sie schon einige Geldsammel-Treffen besucht, sogenannte Fundraiser, die von Bank- und Private Equity-Managern für sie organisiert wurden. Und George Soros, der progressive Investor, unterstützt ihren „Super-PAC“ mit viel Geld.

          Hollywood-Produzenten wie etwa der Chef  von Dreamworks  Animation, Jeffrey Katzenberg, gehören zu den Führungskräften, die stets Demokraten unterstützt haben. Katzenberg hatte eine enge Verbindung mit Barack Obama und war einer seiner wichtigsten Geldsammler und Geldgeber im Westen des Landes. Diesmal steht er offenbar ebenso hinter Hillary wie der Regisseur Steven Spielberg, vermeldet zumindest der Hollywood-Reporter.

          Nicht ganz so rein demokratisch ist  das Bild im Silicon Valley. Larry Ellison, Milliardär, Chef und Gründer von Oracle ist dafür mitverantwortlich. Er unterstützt den 44 Jahre jungen Hoffnungsträger der Republikanischen Partei, Marco Rubio. Meg Whitman, die Chefin von Hewlett Packard, gehört ins konservative Lager und unterstützte einmal Chris Christie. Jetzt  hat sie diesem aber jegliche Freundschaft und Hilfe aufgekündigt, seit  der Gouverneur von New Jersey  nach gescheiterter eigener Kandidatur nun dazu aufruft, Donald Trump zu unterstützen. Sie ist schwer enttäuscht von  Christie und spricht von einer „enttäuschenden Darbietung politischen Opportunismus“.

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          Das Valley ist meist demokratisch

          Und dann ist da noch der deutschstämmige Pay-Pal-Gründer und Facebook-Investor Peter Thiel, der eine eigene von libertären Elementen durchsetzte Weltsicht pflegt. Er schenkte in der Vergangenheit dem konservativen Senator Ted Cruz Geld und Rat, und galt als wichtiger Spender und Bündler (das sind Leute, die Geldgeber zusammenbringen) für den libertären Kandidaten Ron Paul, weniger aber für Rand Paul, der kürzlich seine Bewerbung für die Kandidatur zu den Akten gelegt hat.

          Der Rest des Valleys ist eher liberal statt libertär oder konservativ eingestellt. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kämpft für Immigration und tritt für die Rechte Homosexueller ein. Damit fallen die meisten republikanischen Kandidaten  aus.

          Für Bill Gates ist die Bekämpfung des Klimawandels eine zentrale Angelegenheit, was ihn zumindest vom Spitzentrio der Republikaner, Donald Trump, Marco Rubio und Ted Cruz, entfremdet. Er pflegt aber nicht, seine Vorlieben offiziell zu machen. Der aktuelle Microsoft-Chef  Satya Nadella wiederum ist selbst Immigrant aus Indien und durfte nahe der jetzigen First Lady Michele Obama sitzen, als der Präsident seine Rede zur Lage der Nation hielt. Damit sind seine Sympathien geklärt, sie dürften Hillary Clinton gehören.

          Hedgefonds-Manager für Rubio

          Die Politikerin umwirbt auch Maria Barra, die Chefin des Autobauers General Motors, die sich aber noch nicht zu einer öffentlichen Sympathiebekundung aufgeschwungen hat. Die Autoindustrie steht in der Schuld der Regierung Obama, die sie nach der Finanzkrise vor dem Untergang bewahrt hat.  

          Der Republikaner Marco Rubio kann dafür auf wichtige Hedgefonds-Gründer wie Paul Singer, Clifford Asness oder Kenneth Griffin bauen, die in ihren Kreisen für den Senator aus Florida werben. Dazu kommen weitere konservative Unternehmer aus dem ganzen Land.

          Und schließlich geht das hartnäckige Gerücht, der traditionelle Großspender der Republikanischen Partei, der Casino-Magnat Sheldon Adelsons, werde ihn unterstützen. Eine Regionalzeitung aus Nevada in seinem Besitz hat Rubio schon zum am besten geeigneten Präsidentschaftskandidaten ausgerufen.

          Millionen verpulvert

          Von zwei traditionellen Spender-Gruppen wird aber in der Republikanischen Partei noch dringend ein Signal erwartet: Von den  Koch-Brüdern und von Harold Hamm, dem „König  der Fracker“. Sie haben Rubio im Auge, heißt es. Zumindest die Koch-Brüder scheinen  jedoch zu zögern, weil sie soviel schlechte Presse bekommen haben infolge ihrer Bemühungen, konservative Kandidaten mit gewaltigen Summen auszustatten, um damit die politische Landschaft zu verändern.

          Zudem haben sie gesehen, dass Geld in der Politik auch einfach im Nichts verschwinden kann. Sie waren große Unterstützer  gescheiterter Kandidaten. Die gleiche Erfahrung habe auch die Freunde von Jeb Bush gemacht, der seine Bewerbung zurückgezogen hat. Zur Stützung seiner Wahl wurden mehr als 100  Millionen Dollar verpulvert.

          Quelle: FAZ.NET

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