Home
http://www.faz.net/-gqg-qdtq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Geldpolitik Internationaler Bankenverband befürchtet einen Kollaps des Dollar

05.10.2010 ·  Die amerikanische Notenbank ist über den weiteren geldpolitischen Kurs zerstritten. Der internationale Bankenverband warnt indes vor einem Absturz des Dollar-Kurses, falls die Fed ihre Geldpolitik weiter lockert.

Von Patrick Welter, Washington
Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (19)

Der internationale Bankenverband Institute of International Finance (IIF) warnt vor einem Absturz des Dollar-Kurses, falls die amerikanische Zentralbank Federal Reserve ihre Geldpolitik weiter lockert. „Sollte die Federal Reserve sich auf den Kurs einer weiteren aggressiven quantitativen Lockerung einlassen, kann dies einen destabilisierenden Kollaps des Dollar hervorrufen“, heißt in einer am Montag veröffentlichten Studie des IIF zur globalen Wirtschaftslage. Die IIF-Ökonomen warnen, das würde dann wahrscheinlich zu Turbulenzen an anderen amerikanischen Finanzmärkten führen und zu einer schnellen Aufwertung in den Schwellenländern, deren Wachstum litte. „Die Fed wäre gut beraten, eine Geldpolitik zu verfolgen, die die ausländische Nachfrage für amerikanische Güter am besten unterstützt“, heißt es in der IIF-Studie.

Weil allgemein eine weitere geldpolitische Lockerung der Fed erwartet wird, hatte der Dollar in den vergangenen Tagen gegenüber dem Euro schnell an Wert verloren. Im asiatischen Handel erreichte der Wechselkurs am Montag zeitweise mehr als 1,38 Dollar je Euro. Der Offenmarktausschuss der Fed ist über den weiteren Kurs indes zerstritten und die Mitglieder führen die Debatte offen über die Medien.

Amerikanische Niedrigzinspolitik in der Kritik

Am Montag warnte der im kommenden Jahr stimmberechtigte Präsident der regionalen Federal Reserve Bank von Philadelphia, Charles Plosser, vor einer schnellen Entscheidung. „Bevor wir uns weiter engagieren, müssen wir sehr klar darüber sein, was wir damit erreichen wollen“, sagte Plosser der Zeitung „Financial Times“.

Im September hatte die Federal Reserve ihre Bereitschaft erklärt, falls nötig zusätzliche Unterstützung zu geben und diese an die weitere Entwicklung der Wirtschaft und der Inflation in den Vereinigten Staaten geknüpft. Weil der Leitzins schon zwischen 0 und 0,25 Prozent liegt, liefe dies auf einen Kauf von Staatsanleihen heraus.

Der Internationale Bankenverband ist besorgt, dass die expansive Niedrigzinspolitik in den Vereinigten Staaten, in Japan, im Euro-Raum und im Vereinigten Königreich den Kapitalzustrom in die Schwellenländer antreiben und internationale Spannungen vergrößern werde. Wenige Tage vor Beginn der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington ruft der Bankenverband zu einer internationalen Koordinierung der Wirtschaftspolitik auf.

Eine Kerngruppe großer Volkswirtschaften solle sich im Vorgriff auf das G-20-Gipfeltreffen in Seoul dringend auf einen Kompromiss in den sensiblen gesamtwirtschaftlichen und Wechselkursfragen einigen, fordert der Verband in einem Brief an den Vorsitzenden des Lenkungsausschusses des IWF, Youssef Boutros-Ghali. „Die Teilnehmer an den Märkten müssen überzeugt werden, dass die Führer der großen Wirtschaften ihre individuelle und kollektive Verantwortung erkennen, auf ein balanciertes und nachhaltiges Weltwirtschaftswachstum hinzuarbeiten“, erklärte der Geschäftsführende Direktor des Verbands, Charles Dallara.

IIF: Der Kapitalstrom in Schwellenländer steigt

Die globalen Ungleichgewichte weiteten sich aus, die Handelsüberschüsse Deutschlands, Japans und Chinas wüchsen. Der Verband warnt vor steigendem protektionistischem Druck, weil die Länder sich um die Exportmärkte als Wachstumsmotor rauften.

Als Beispiele für schädliche Aktionen nennt der Verband die Intervention Japans zur Schwächung des Yen und die Drohung des amerikanischen Abgeordnetenhauses, gegen China wegen des unterbewerteten Yuan (Renminbi) Vergeltungszölle zu erheben.

Nach Prognose des IIF wird der private Kapitalstrom in die Schwellenländer in diesem Jahr kräftig von 581 Milliarden auf 825 Milliarden Dollar steigen. Für das kommende Jahr erwartet das IIF einen Nettozustrom von 834 Milliarden Dollar. Der Kapitalzustrom in die osteuropäischen Länder soll sich verdoppeln und nach Lateinamerika um die Hälfte steigen.

Schon jetzt führt der Kapitalzufluss gerade in Lateinamerika und in Südostasien zu Aufwertungsdruck auf die dortigen Währungen. Als Reaktion intervenieren Zentralbanken in Lateinamerika in die Devisenmärkte und sind zurückhaltender, die Leitzinsen zu erhöhen, schreibt das IIF. Es bestehe die Gefahr, dass diese Länder verstärkt zu einseitigen Kapitalverkehrskontrollen griffen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

Jüngste Beiträge

Logisches Ende

Von Susanne Preuß

Die Schlecker-Filialen werden geschlossen, die Mitarbeiter stehen auf der Straße. Eine bittere Nachricht für die Beschäftigten. Aber es gibt auch ein gutes Fazit aus dem Ende der Drogeriekette. Mehr 4

01.06.2012 13:51 Uhr
  Vortag
Dax 6.094,19 −2,72%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.327,96 −2,67%
Dow Jones 12.393,50 −0,21%
EUR/USD 1,2320 −0,33%
Rohöl Brent Crude 99,27 $ −2,31%
Gold 1.558,00 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.