Home
http://www.faz.net/-gqe-75n3g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Geldpolitik im Euroraum EZB verzichtet auf weitere Zinssenkung

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins auf 0,75 Prozent. Die Entscheidung fiel einstimmig. „Es gab keine Forderung nach einer Zinssenkung“, sagt Notenbankchef Mario Draghi.

© Wresch, Jonas Vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Leitzinsen im Euroraum unverändert auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Der EZB-Rat entschied dies während seiner Sitzung an diesem Donnerstag in Frankfurt. Die meisten Volkswirte hatten damit gerechnet, dass die Währungshüter von einer weiteren Zinssenkung absehen werden. Zugleich dämpfte der Präsident der Notenbank, Mario Draghi, Erwartungen auf eine Zinssenkung infolge der nächsten Sitzungen. Der Rat habe einstimmig entschieden, den Leitzins nicht zu ändern. „Die Entscheidung fiel einstimmig“, sagte Draghi. „Wenn die Entscheidung einstimmig war, dann heißt das, dass es keine Forderung nach einer Zinssenkung gab.“

Führende Vertreter der Notenbank hatten in den vergangenen Wochen betont, dass nicht das Zinsniveau derzeit ein Problem sei. Vielmehr kämen die bereits extrem niedrigen Zinsen nicht dort an, wo sie gebraucht würden: Bei den Unternehmen der Realwirtschaft. Eigentlich sollten die weit geöffneten Geldschleusen die Konjunktur stimulieren - gerade in den Krisenstaaten des Währungsraums.

Niedrige Zinsen kommen nicht an

Der positive Effekt einer Zinssenkung auf die Konjunktur dürfte derzeit gerade in den Krisenländern gering sein, sagt beispielsweise Johannes Mayr von der Bayern LB. Schon die letzten beschlossenen Zinssenkungen auf das aktuelle Niveau seien dort nicht oder nur unvollständig von den Banken weitergegeben worden: „Die Kreditzinsen für Unternehmen sind teils sogar weiter gestiegen und werden nach wie vor weniger vom Leitzins als vielmehr von den Finanzierungskosten der Banken bestimmt, die eng mit der Entwicklung am Markt für Staatsanleihen zusammenhängen.“

Weitere Sondermaßnahmen im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise dürfte die Notenbank ebenfalls zunächst nicht ergreifen. Nach der Ankündigung der EZB, unter Bedingungen notfalls unbegrenzt Anleihen angeschlagener Staaten wie Spanien und Italien zu kaufen, hatte EZB-Präsident Mario Draghi eine Entspannung an den Märkten ausgemacht. Handlungsbedarf hat die Notenbank bei ihrem Anleihenkaufprogramm vorerst nicht, da noch kein Land den dafür notwendigen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds ESM gestellt hat.

Mehr zum Thema

Die EZB ist bei den Zinsen auch in der anderen Richtung nicht zum Handeln gezwungen. Trotz ihrer Politik des extrem billigen Geldes blieb die Inflation bislang im Rahmen. Im Dezember lag die jährliche Teuerungsrate in den 17 Euro-Staaten nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat wie im November bei 2,2 Prozent und damit nur leicht über der Zielmarke der EZB von „unter, aber nahe bei 2,0 Prozent“.

Quelle: DPA/FAZ.NET

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wegen Griechenland EZB fordert Finanzministerium für Europa

Wenn es um die Schaffung neuer EU-Institutionen geht, ist Deutschland traditionell skeptisch. Doch nun will die EZB ein europäisches Finanzministeriums einführen. Und prompt bröckelt der deutsche Widerstand. Mehr Von Christian Schubert, Paris

27.08.2015, 20:31 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik EZB startet eine Billion Euro schweres Kaufprogramm

Mit einem eine Billion Euro schwerem Kaufprogramm will EZB-Präsident Mario Draghi der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen und die Inflation wieder in Richtung der angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven. Mehr

06.03.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Nach Zinssenkung Chinas Börsen gewinnen an Boden

Nach der Lockerung der Geldpolitik durch die chinesische Notenbank stiegen an den Börsen der Volksrepublik die Kurse wieder vorsichtig. An der Wall Street hatten dagegen die Zweifel noch überwogen. Mehr

26.08.2015, 05:06 Uhr | Finanzen
Eröffnung der EZB Draußen Krawall, drinnen Lob

Begleitet von massiven Ausschreitungen und Demonstrationen hat die Europäische Zentralbank am Mittwoch ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend eröffnet. In seiner Rede betonte EZB-Präsident Mario Draghi die Wichtigkeit der EZB für Europa. Mehr

18.03.2015, 19:40 Uhr | Wirtschaft
Kreditvergabe EZB geht beim Anleihekauf mehr ins Risiko

Im Fall einer Staatspleite wird die Notenbank keinen bevorrechtigten Gläubigerstatus durchsetzen. Das erwarten zumindest viele Ökonomen. Mehr Von Philip Plickert

14.08.2015, 12:51 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 10.01.2013, 13:56 Uhr

Die Währungsunion wackelt

Von Christian Schubert

Die Wirtschafts- und Währungsunion steht wie ein Flamingo nur auf einem Bein, doch sie kommt anders als der Vogel immer wieder aus dem Gleichgewicht. Ob ein europäisches Finanzministerium das verbessern kann? Mehr 14 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden