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Geldpolitik EZB mahnt Anleger zur Kaltblütigkeit

02.08.2007 ·  Eigentlich wollte die EZB an diesem Donnerstag nur über die Leitzinsen entscheiden. Doch dann trat der Notenbankchef überraschend vor die Presse. Im Zentrum des Interesses die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten: Trichet rief die Anleger auf, Ruhe zu bewahren.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Anleger an den Finanzmärkten aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Die derzeitige Entwicklung sei ein Prozess der Normalisierung, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach einer Telefonkonferenz des EZB-Rats vor der Presse. Die EZB verfolge die Entwicklung genau. Trichet deutete an, das der EZB-Rat für Anfang September eine Anhebung des Leitzinses von 4 auf 4,25 Prozent ins Auge gefasst habe. Auch die Bank of England beließ ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 5,75 Prozent.

Zu den allgemeinen Turbulenzen an den Finanzmärkten sagte Trichet, die EZB und andere Zentralbanken hätten schon seit einiger Zeit gewarnt, dass die Risiken auf einigen Märkten zu niedrig bewertet würden. Trichet spielte damit darauf an, dass die Risikoprämien für Kredite mit schlechter Bonität vor kurzem auf langjährige Tiefs gefallen waren. Die EZB habe seit längerem eine „geordnete Höherbewertung der Risiken“ angemahnt, damit es nicht zu einer scharfen Korrektur komme, sagte Trichet weiter. Für die Investoren gelte es in der derzeitigen Phase erhöhter Nervosität und erhöhter Kursausschläge, ruhig Blut zu bewahren.

„Mit großer Wachsamkeit“

Der EZB-Rat sehe weiterhin auf mittlere Sicht Risiken für die Preisstabilität und verfolge die Entwicklung „mit großer Wachsamkeit“, sagte Trichet und benutzte damit wieder ein Signalwort: In der Vergangenheit hatte der EZB-Rat nach Gebrauch dieser Formulierung stets auf seiner nächstfolgenden Sitzung den Leitzins um einen Viertel Prozentpunkt angehoben. Trichet zerstreute damit Spekulationen, dass der Leitzins erst im Oktober angehoben werden könnte. Viele Volkswirte erwarten, dass der Euro-Leitzins im Dezember weiter angehoben wird, auf dann 4,5 Prozent.

Trichet begründete die Inflationsrisiken mit dem kräftigen Wachstum der Wirtschaft im Euro-Raum; deshalb gebe es in manchen Branchen Kapazitätsengpässe. So sei die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand in 26 Jahren gefallen. Auch der Anstieg des Ölpreises berge Risiken für die Preisstabilität. Mit rund 75 Dollar je Barrel liegt der Ölpreis in London derzeit nahe an seinem historischen Hoch von gut 78 Dollar. Die Inflationsrate lag im Euro-Raum zuletzt allerdings bei 1,8 Prozent und entsprach damit genau dem von der EZB angestrebten Wert.

Keine Äußerung zur IKB

Trichet betonte allerdings mehrfach, dass sich der EZB-Rat niemals im Vorhinein festlege, sondern sich alle Entscheidungen offenhalte. Verschiedentlich wird spekuliert, dass die EZB bei einer Verschärfung der Turbulenzen an den Finanzmärkten oder bei einer starken Aufwertung des Euro im September doch noch von einer Zinsanhebung absehen könnte. Zur Entwicklung des Euro merkte der EZB-Präsident an, der Rat ziehe „alle Parameter“ in seine Entscheidungen mit ein. Der Euro sei einer unter vielen Parametern und spiele keine besondere Rolle. Gemessen am handelsgewichteten Euro-Index liegt die Gemeinschaftswährung nahe an ihrem historischen Hoch. Am Donnerstag blieb der Euro nach Trichets Äußerungen wenig verändert bei 1,3670 Dollar.

Wegen der Sommerpause hat der EZB-Rat am Donnerstag in Form einer Telefonkonferenz beraten. Anschließend wurde die Presse kurzfristig in die EZB einbestellt. Trichet begründete dies damit, dass der EZB-Rat stets bemüht sei, alle Entscheidungen rasch öffentlich zu machen. Er wies damit Spekulationen zurück, dass die Pressekonferenz wegen der akuten Börsenturbulenzen einberufen worden sei.

Angesprochen auf die Krise der IKB Deutsche Industriebank, die eine Rettungsaktion durch das deutsche Kreditgewerbe erforderlich gemacht hat, verwies Trichet auf die Äußerungen von Bundesbankpräsident Axel Weber von Mittwoch Abend. Weber hatte mitgeteilt, die Maßnahmen hätten die „institutsspezifischen Probleme der IKB“, die sich durch deren Engagements auf den amerikanische Immobilienmärkten ergeben hätten, „wirksam aufgefangen“. Das Engagement deutscher Banken auf dem amerikanischen Immobilienmarkt sei „ überschaubar und insgesamt begrenzt. Das Engagement ist überwiegend im Bereich hochbonitärer Anlagen konzentriert. Mögliche Wertverluste in den Portfolios können verkraftet werden. Eventuelle Risiken wären damit abgeschirmt.“

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Von Werner Mussler, Brüssel

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