10.06.2004 · Rein rechnerisch stehen jedem Einwohner Deutschlands 47 Münzen im Wert von einem Cent zur Verfügung. Und doch gehen den Deutschen die kleinen Euro-Münzen aus. Die Bundesbank kauft im Ausland zu - soweit es geht.
Rein rechnerisch stehen jedem Einwohner Deutschlands 47 Münzen im Wert von einem Cent zur Verfügung. Und doch gehen den Deutschen die kleinen Euro-Münzen aus. Die Verbraucher bezahlen mit den Münzen im Wert von 1, 2 und 5 Cent offensichtlich ungerne und lagern oder sammeln sie lieber zu Hause. Die Bundesbank kann deshalb momentan nicht garantieren, daß sie Banken und anderen Unternehmen hinreichend Kleinmünzen zur Verfügung stellen kann.
Eine solche Münzknappheit ist nicht neu. In der Bundesbank wird berichtet, daß zu Zeiten der D-Mark auch schon mal die Groschen knapp wurden, weil Zigarettenunternehmen diese in größerem Ausmaß den Automatenpackungen beilegten. Neu ist hingegen, daß die Währungshüter die Verbraucher bitten, ihre Kleinmünzenbestände auszugeben. An einen Präzedenzfall dafür kann man sich in der Bundesbank nicht erinnern.
Die aktuelle Entwicklung hat die Bundesbanker überrascht. „Wir wußten, daß die Verbraucher nach der Euro-Bargeldeinführung 2002 Münzen horten würden“, heißt es. „Doch gingen wir davon aus, daß es länger dauern würde.“ Die Neigung der Deutschen, die lästigen Kleinmünzen nicht im Portemonnaie mit herumzutragen, sondern sie zu Hause in einer Schachtel aufzubewahren, hat Tradition. Rund ein Drittel der Deutschen, hat eine Umfrage der Bundesbank im vergangenen Jahr ergeben, horten Münzen. Als Gründe nennen sie überwiegend Sparen und die Entlastung der Geldbörse. Der Anteil derjenigen, die mit den Euro-Münzen nicht klarkommen, ist unter den Hortern überdurchschnittlich hoch. Zu Zeiten der D-Mark wurden bis zu 40 Prozent der Münzen durch Hortung dem Bargeldumlauf entzogen.
Münzen ohne Eichenlaub
Zum Stand Ende Mai hat die Bundesbank insgesamt rund 16 Milliarden Euro-Münzen ausgegeben. Davon entfällt der größte Teil auf die Kleinmünzen. Rund 4 Milliarden 1-Cent-Münzen sind im Umlauf, 2,8 Milliarden 2-Cent-Münzen und 2,4 Milliarden 5-Cent-Münzen. Der gesamte Münzumlauf addiert sich zu einem Wert von 4,3 Milliarden Euro; das ist nur ein kleiner Teil des gesamten Bargeldbestands in Höhe von 174 Milliarden Euro.
Die aktuelle Münzknappheit wird nach Angaben der Bundesbank dadurch verschärft, daß die Prägestätten auf Material warten. Aufträge zur Nachprägung von Kleinmünzen hat die Bundesbank im Auftrag des Bundesfinanzministeriums schon lange vergeben. Doch kämen die Lieferanten von Münzrohlingen wegen der angespannten Lage auf dem Stahlmarkt nicht nach. Wie lange die Münzknappheit anhält, ist ungewiß. Auf Hilfe aus dem europäischen Ausland kann die Bundesbank kaum setzen. Die Kleinmünzen sind in den meisten anderen Euro-Staaten ebenfalls knapp, heißt es. "In kleinen Dosen haben wir Hilfe bekommen", sagte ein Bundesbanksprecher dieser Zeitung. Dazu muß die Bundesbank bei anderen Notenbanken im Euro-Raum Kleinmünzen kaufen. Diese tragen auf der Rückseite dann nicht das deutsche Eichenlaub, sondern die Symbole anderer Nationen.
Kein Münzgewinn
Münzen werden im Gegensatz zu den Geldscheinen im Auftrag des Bundes geprägt, nicht im Auftrag der Bundesbank. Der Schlagschatz, die Differenz zwischen Nennwert und Herstellungskosten, geht deshalb direkt in den Bundeshaushalt. Kauft die Bundesbank jedoch Münzen im Euro-Ausland, bezahlt sie den Nennwert und nicht die Prägekosten. Damit verbleibt der Schlagschatz im Ausland. Bei Kleinmünzen kann Bundesfinanzminister Hans Eichel dies verschmerzen. Die Herstellungskosten dieser Münzen sind im Vergleich zum Nennwert überdurchschnittlich hoch; die Prägung und Ausgabe von Kleinmünzen bringt eher Verluste als Gewinne. "Früher kostete eine Ein-Cent-Münze in der Produktion ein Cent", heißt es in der Bundesbank. Angesichts der hohen Stahlpreise geht diese Rechnung wohl nicht mehr auf.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.428,50 | −1,21% |
| EUR/USD | 1,2400 | −0,71% |
| Rohöl Brent Crude | 103,52 $ | −3,12% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?