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Geld für Stromleitungen : Bürgerdividende macht auch Anlegerschützer skeptisch

  • Aktualisiert am

Diese Leitung ist schon gebaut. Bild: dpa

Die Deutschen sollen vom Ausbau der Stromnetze profitieren: Das ist die „Bürgerdividende“. Doch sie ist laut einem F.A.S.-Bericht riskant. Umweltminister Altmaier verteidigt jetzt sein Projekt.

          Die „Bürgerdividende“, mit der die Bundesregierung Anwohnern den Bau neuer Stromtrassen für die Energiewende schmackhaft machen will, wird von Anlegerschützern skeptisch beurteilt. „Mittelstandsanleihen werden mit 7 bis 8 Prozent deutlich besser verzinst“, sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dieser Zeitung. Wer das Risiko einer solchen Anleihe eingehen wolle, die nichts anderes als ein Kredit an den jeweiligen Netzbetreiber sei, solle jedenfalls nicht sein ganzes Vermögen dort hineinstecken. Der Kapitalfluss an die betreffenden Unternehmen werde zwar durch die Gesetze zur Netzentgeltumlage garantiert. Sie könnten aber wegen ihrer Aktivitäten auf anderen Geschäftsfeldern dennoch in die Insolvenz rutschen.

          Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete, sehen Analysten die Anleihe skeptisch. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich am Montag „sehr enttäuscht über die mangelnde Sorgfalt der Recherche von führenden Zeitungen“. Die konkreten Angebote müssten die Netzbetreiber entwickeln, sagte er im Deutschlandfunk: „Ich bin kein Anlagenberater.“ Das Pilotprojekt in Schleswig-Holstein sei noch nicht das „Modell der Zukunft“, weil erst die Erfahrungen von Tennet abgewartet werden sollten. Die Regierung werbe nicht für bestimmte Geldanlagen - das habe sie nur früher für Bundesschatzbriefe getan.

          Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatten vor zwei Wochen den Startschuss für die Investition von Privatanlegern in den Netzausbau gegeben. Dabei kündigten sie einen „attraktiven Zins von 5 Prozent“ an, sobald der Leitungsbau beginnt; in der Planungs- und Genehmigungsphase sollen drei Prozent gezahlt werden. Die Mindesteinlage beträgt etwa 1000 Euro; Anwohner in unmittelbarer Nähe neuer Leitungen sollen bei der Zeichnung bevorzugt werden. Als Emittent tritt allerdings nicht der Bund auf, sondern die vier Betreiber von Übertragungsnetzen. Als Pilotprojekt bezeichneten die beiden Bundesminister den Bau einer Leitung entlang der Westküste von Schleswig-Holstein durch das niederländische Unternehmen Tennet, das bis zu 40 Millionen Euro bei Kleinanlegern einsammeln will.

          „Für den normalen Kleinanleger ist es kaum möglich, diese Anleihe zu verstehen“, sagte nun aber Rodger Rinke von der Landesbank Baden-Württemberg der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Fondsmanager bemängeln die „komplizierte Struktur“ und stufen den Zinssatz als zu niedrig ein. Auch gebe es keine feste Laufzeit und damit kein fixes Rückzahldatum. Ein vorzeitiger Verkauf über die Börse sei jedoch unsicher, da die Handelbarkeit gering sein dürfte. „Wir sehen das Risiko einer geringen Liquidität“, sagte Rinke.

          Ratingagentur: „Mit Ausfällen ist zu rechnen“

          Die Ratingagentur Standard & Poor’s vergab dem Bericht zufolge die Note „BB+“, die hochspekulative Anlagen kennzeichnet: „Mit Ausfällen ist zu rechnen.“ Die Anleihe räume dem Konzern überdies das Recht ein, die Höhe des Zinssatzes zu drücken oder die Zahlungen ganz aufzuschieben, falls das Geld knapp wird. Schon jetzt konnte der Versorger im Norden Deutschlands Windparks nicht umgehend ans Netz anschließen, weil es an Kapital mangelte. Die niederländische Regierung wolle im Sommer über eine Privatisierung des Staatskonzerns entscheiden, heißt es.

          Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte auf die finanziellen Risiken hingewiesen, als er gemeinsam mit Altmaier im Juni mit einem symbolischen Knopfdruck den Beginn der Zeichnungsfrist feierte. Es gehe nicht darum, Werbung für eine Kapitalanlage zu machen, sagte er dabei nach einem Bericht der Deutschen Presseagentur. Dies müsse jeder gründlich prüfen und für sich selbst entscheiden.

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