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Gehalt Dem Bau hat der Mindestlohn wenig Gutes gebracht

11.04.2005 ·  Die Schwarzarbeit blüht, besonders auf deutschen Baustellen. Die Zahl der offiziellen Arbeitsplätze hingegen ist noch stärker geschrumpft als der Umsatz.

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Nur für höchstens drei Jahre brauche sie den Mindestlohn, behauptete die Bauindustrie 1996. Am 1. Januar 1997 trat der Mindestlohn und damit die Entsenderichtlinie in Kraft. Damit stand jedem Mitarbeiter auf deutschen Baustellen, sei es mit deutschem, portugiesischem oder polnischem Paß, ein Stundenlohn von 17 DM (Westdeutschland) beziehungsweise 15,74 DM (Ostdeutschland) zu. Arbeitgeber und Arbeitnehmer hatten sich darauf verständigt, um „Dumpinglöhne“ für Billigarbeiter vor allem aus Osteuropa auszuschließen. Zur Begründung für diesen bisher einzigartigen Mindestlohn hieß es, daß er - vorübergehend - die Anpassung der unter Druck stehenden Baubranche abfedern sollte.

Sieben Jahre später ist von einer Aufhebung der Regelung nicht mehr die Rede. Die Gewerkschaft IG Bau sieht sie gar als Vorbild für andere Branchen, da sie faire Wettbewerbsbedingungen für alle Unternehmen schaffe und sich als Mittel gegen „Lohn- und Sozialdumping“ bewährt habe.

Mehr Schattenwirtschaft

Den Niedergang der deutschen Bauindustrie, ausgelöst durch das abrupte Ende des Wiedervereinigungsbooms, haben die Mindestlöhne indes nicht aufhalten können. Im Gegenteil. Der Umsatz der Branche ist seit Mitte der neunziger Jahre um 30 Prozent auf 95 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitsplätze sank sogar um 45 Prozent auf 770.000. Gleichzeitig nahm die Schattenwirtschaft zu.

Die Schätzungen des Schattenumsatzes am deutschen Bau reichen von 30 bis 35 Milliarden Euro (Statistisches Bundesamt) bis zu rund 100 Milliarden Euro, die der Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz für plausibel hält. Die Zahl der offiziell Beschäftigten am Bau aus dem EU-Ausland ist zwar von geschätzten 160.000 bis 200.000 zurückgegangen. Dafür stieg die Zahl der illegalen Bauarbeiter vor allem aus Osteuropa kräftig, wie alle Beobachter vermuten. Schätzungen sind hier allerdings schwierig, zumal viele dieser ausländischen Arbeitskräfte nur vorübergehend in deutschen Baracken unterkommen.

Niedergang der deutschen Bauindustrie

Der Niedergang der deutschen Bauindustrie läßt sich auch an der Zahl und Struktur der Unternehmen spiegeln. Zwischen Juni 1995 und Juni 2004 stieg die Betriebszahl sogar um 4 Prozent auf knapp 77.000. Das lag indes allein an der Zunahme der kleinen Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern. Bei den größeren Betrieben mit 20 oder mehr Beschäftigten ging die Zahl dagegen um mehr als 50 Prozent auf 7.900 zurück. Bei den Baugesellschaften mit 200 und mehr Beschäftigten sank die Zahl sogar um fast 70 Prozent auf nur noch 207.

Dazu paßt, daß zwei der spektakulärsten Unternehmenszusammenbrüche der jüngeren Vergangenheit aus der Baubranche kommen: Holzmann und Walter Bau. Die verbliebenen Branchengrößen Hochtief und Bilfinger Berger haben in der Tat die Gelegenheit zur Umstrukturierung genutzt: Sie erwirtschaften ihre Umsätze inzwischen jeweils zum weit überwiegenden Teil aus dem Ausland. In Deutschland haben sie sich immer mehr zu Dienstleistern entwickelt, die die ausführenden Bauarbeiten an Subunternehmer weiterreichen.

Initiativen gegen die Schwarzarbeit

Trotz dieser fatalen Entwicklung bewerten nicht nur Gewerkschaften, sondern auch Verbände den Mindestlohn weiterhin positiv. Er habe geholfen, die Strukturanpassung geordnet ablaufen zu lassen, sagt Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Ohne diese Instrumente, meint Stiepelmann, würden wahrscheinlich weniger als 500.000 Deutsche am Bau beschäftigt und es hätte noch mehr Pleiten gegeben.

Er räumt zwar ein, daß der Erfindungsreichtum mancher Arbeitgeber zur Umgehung der Mindestlöhne stark gefördert worden sei. Aber es gebe ja entschlossene Initiativen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit. Wann der Mindestlohn wieder abgeschafft werden sollte, sei heute nicht auszumachen, da der Niedergang andauere - und damit der Anpassungsbedarf.

Quelle: pso., F.A.Z., 12.04.2005, Nr. 84 / Seite 14
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