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Geert Wilders : Liberaler auf Abwegen

  • -Aktualisiert am

Lächeln fürs Selfie: Geert Wilders im Wahlkamp im niederländischen Spijkenisse nahe Rotterdam. Bild: dpa

Der Niederländer Geert Wilders hat von allen Rechtspopulisten Europas die wirtschaftsfreundlichste Agenda. Doch sein Lieblingsthema überlagert alles: Kampf dem Islam.

          Geert Wilders lächelt. Vor ihm drängt sich eine Gruppe von Fotografen, dahinter haben sich Journalisten aus der ganzen Welt in enge Stuhlreihen gequetscht. Es ist ein sonniger Samstag im Januar, und der Niederländer Wilders hat soeben mit anderen europäischen Rechtspopulisten in einem Kongresszentrum in Koblenz „das Jahr der Patrioten“ ausgerufen. Neben ihm stehen AfD-Chefin Frauke Petry und die Französin Marine Le Pen. Die beiden Frauen sind seine Mitstreiter im Kampf für die Nation, gegen Europa und gegen den Islam. Sie alle haben sich kurz zuvor in Grundsatzreden vor einem aufgeheizten Publikum dazu bekannt. Sie alle werden sich dieses Jahr in ihren Ländern zur Wahl stellen.

          Geert Wilders überragt alle. Seine Größe, gepaart mit dem blondierten Haarschopf, macht den 53-Jährigen schon optisch zu einer auffälligen Figur. Wegen seiner Erscheinung haben ihm die Holländer den Spitznamen „blonder Engel“ verpasst. Wohlgemerkt: wegen seiner äußeren Erscheinung. Denn seine Rhetorik war noch nie engelsgleich. Wilders scheut keine Konfrontation. Damit hatte er in Holland, das traditionell eine konsensorientierte Politik pflegt, von Beginn an die Aufmerksamkeit sicher. Schon der junge Wilders sagte: „Ich bin kein Diplomat, ich bin Politiker.“

          Auch in Koblenz weiß Geert Wilders, wie er das Publikum für sich einnehmen kann. Hochkonzentriert hält er seine Rede - auf Deutsch. Er ist eloquent, redet eindringlich. Ohne richtig laut zu werden, weckt er Emotionen. Wilders weiß, dass sich für ihn gerade die Chance seines Lebens bietet. Am 15. März wählen die Niederländer ein neues Parlament, und Wilders’ „Partei für die Freiheit“ (PVV) liegt in vielen Umfragen mit rund einem Fünftel der Stimmen vorn. Die Flüchtlingskrise, die islamistischen Terroranschläge in europäischen Städten, der Brexit, die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten - die perfekte Ausgangslage für ihn. Wilders’ Mission ist, die westliche Welt vor den Gefahren des Islam zu warnen. Und er will, dass Holland die Europäische Union verlässt. Sein Kampagnenmotto: „Die Niederlande sollen wieder uns gehören.“

          Bolkestein-Schüler

          Außerhalb der Niederlande verbinden die meisten Geert Wilders hauptsächlich mit seiner scharfen Kritik am Islam. Weniger bekannt ist, dass Wilders zu Beginn seiner politischen Karriere mit wirtschaftsliberalen Themen auf sich aufmerksam machte. Er war ein junger, ehrgeiziger Politiker, der es wagte, den holländischen Wohlfahrtsstaat anzugreifen. Wilders startete als Experte für sozialwirtschaftliche Themen. Bevor er in die Politik ging, war er Mitarbeiter einer Kontrollbehörde für die Kranken- und Sozialversicherung. Das war zwischen 1985 und 1990.

          Während dieser Zeit wuchs sein Unmut über den schwerfälligen und bürokratischen Wohlfahrtsstaat der Niederlande, der von korporatistischen Verhandlungsstrukturen geprägt war. „Ich ärgerte mich schrecklich über die Sozialpartner“, sagt Wilders. Schon in den 1980er Jahren hatte sich Wilders der liberal-konservativen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) angeschlossen. 1990 bewarb er sich auf eine Zeitungsannonce für einen Job in der Fraktion. Damaliger VVD-Parteichef war Frits Bolkestein, er sollte für die kommenden Jahre Wilders’ politischer Lehrmeister werden. Durch seine Mitarbeit in der Fraktion gelangte Wilders schnell in das Umfeld der sogenannten „Klasse von Bolkestein“. Dort versammelte der Parteichef junge und in seinen Augen fähige Mitarbeiter, mit denen er politische Ideen diskutierte. Wilders nahm sich Bolkestein als Vorbild. „Er war kontrovers, aber er konnte gut motivieren. Ich habe viel von ihm gelernt.“

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