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Gastbeitrag : Ein Vermögensbildungsfonds für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Wie spart Deutschland richtig - Sparschweinsammlung des ehemaligen Finanzministers Hans Eichel. Bild: Matthias Lüdecke

Deutschland erzielt hohe Export-Überschüsse. Leider legen wir sie immer wieder schlecht an. Die Lösung lautet: Wir brauchen einen Staatsfonds wie ihn zum Beispiel Norwegen oder Singapur haben.

          Den Deutschen wird nachgesagt, sie seien Konsum-Muffel und Weltmeister im Sparen. In der Tat fahren wir Jahr für Jahr gewaltige Überschüsse in unserer außenwirtschaftlichen Leistungsbilanz ein, was nichts anderes heißt, als dass die gesamtwirtschaftliche Ersparnis die Investition erheblich und nachhaltig übersteigt.

          Seit die Krisenländer im Süden Europas ihre Leistungsbilanzdefizite durch Einschränkung der Inlandsnachfrage und größere Anstrengungen im Export verringern, führt der hohe deutsche Leistungsbilanzüberschuss, zusammen mit dem der Niederlande, zu einem gewaltigen Überschuss der Währungsunion insgesamt: So hat sich die Leistungsbilanz des Euroraums von einem Defizit von 97 Milliarden Dollar im Jahr 2008 zu einem Überschuss von geschätzten 295 Milliarden Dollar in diesem Jahr gewandelt.

          Dies haben amerikanische Politiker und angelsächsische Kommentatoren zum Anlass genommen, ihre früher gegen die chinesischen Leistungsbilanzüberschüsse vorgebrachte Kritik nun gegen Deutschland zu richten. Die Europäische Kommission hat eine eingehende Analyse der deutschen Wirtschaft wegen eines exzessiven Ungleichgewichts der Leistungsbilanz eingeleitet.

          Wachsendes Leistungsbilanzdefizit in Schwellenländern

          Kritiker werfen uns vor, mit einer merkantilistischen Politik unseren Handelspartnern Arbeitsplätze zu stehlen und gleichzeitig zu gefährlichen globalen Leistungsbilanzungleichgewichten beizutragen. Denn spiegelbildlich zum Anstieg der Überschüsse im Euroraum hat sich das Leistungsbilanzdefizit einer Gruppe von neun Schwellenländern (Indien, Brasilien, Türkei, Indonesien, Südafrika, Polen, Ukraine, Kolumbien und Mexiko) von 94 Milliarden Dollar im Jahr 2009 auf geschätzte 327 Milliarden Dollar in diesem Jahr erhöht.

          Europäischen Kapitalexporten, der Gegenbuchung des Leistungsbilanzüberschusses, stehen also Kapitalimporte von weniger stabilen Schwellenländern gegenüber. Ein abermaliger Anstieg von Risikoaversion der internationalen Investoren, ausgelöst etwa durch ungünstige wirtschaftliche oder politische Entwicklungen in Schwellenländern oder durch eine straffere amerikanischen Geldpolitik, könnte die Finanzierung der Defizite dieser Länder erschweren. Stockt der Kapitalfluss in die Schwellenländer, müsste auch der Leistungsbilanzüberschuss des Eurogebiets wieder durch eine Rezession eliminiert werden.

          Warum schafft Deutschland nicht, was andere können?

          In Deutschland sind viele Menschen stolz darauf, dass das Land der Exportweltmeister ist. Schaut man sich aber die Ergebnisse der gewaltigen Nettoexport- und Sparleistung für den einzelnen Bürger an, erlebt man eine herbe Enttäuschung. Nach einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten die deutschen privaten Haushalte 2010 ein mittleres (Median) Nettovermögen von gerade einmal 51.400 Euro. Das ist nicht einmal die Hälfte der französischen Vermögen (113.500 Euro) und noch weniger im Vergleich mit Spanien (178.300 Euro) oder Italien (163.900 Euro).

          Wie ist es zu erklären, dass unsere Volkswirtschaft insgesamt viel mehr produziert als verbraucht, davon aber im Vergleich sehr wenig beim Bürger zur Vermögensbildung bleibt?

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