Home
http://www.faz.net/-gqg-791pt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

G7-Treffen in Großbritannien Schäuble: Euro-Krise nicht mehr größtes Risiko für die Weltwirtschaft

Die größten westlichen Industrieländer wollen gemeinsam gegen Steuerhinterziehung vorgehen und künftig notleidende Banken so abwickeln, dass der Steuerzahler möglichst außen vor bleibt. Einen Währungskrieg wollen die Staaten vermeiden.

© AP Vergrößern Wolfgang Schäuble im Kreis seiner Kollegen; rechts neben ihm sitzt der japanische Finanzminister Taro Aso.

Die Krise der Europäischen Währungsunion ist nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht mehr das größte Risiko für die Weltwirtschaft. So äußerte sich Schäuble am Ende des G7-Treffens nahe der südenglischen Stadt Aylesbury. Während der Beratungen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben großen westlichen Industrieländer (G7) habe keiner auf der Anklagebank gesessen. Die Währungsunion nicht. Und auch nicht Japan - wegen seiner lockeren Geld- und Fiskalpolitik, die den Yen zuletzt massiv hatte fallen lassen.

Deutschland sei während der Zusammenkunft nicht vorgeworfen worden, eine übertriebene Sparpolitik zu betreiben oder einzufordern. „Alle sind sich einig gewesen, dass wir niemals nur eine Austeritätspolitik betrieben haben, sondern dass wir immer eine Politik für nachhaltiges Wachstum betrieben haben, die nachhaltige Finanzen voraussetzt.“ Einzelnen Länder hätten Raum für eigene Schwerpunkte. „Dass das situationsbezogen und mitgliedsstaatenbezogen zum Teil unterschiedliche Lösungen erfordert, war klar.“

Osborne: „Wir wollen keine Währungskriege entfachen“

Der britische Schatzkanzler George Osborne sagte, die G7 hätten vereinbart, keine Währungskriege zu entfachen und entschlossen die Weltwirtschaft zu stabilisieren. „Wir dürfen die Erholung nicht als gegeben ansehen“, sagte der Gastgeber. Im Vorfeld des Treffens hatte es gleichwohl massive Kritik an der Geld- und Finanzpolitik Japans gegeben. Nachdem die japanische Währung die Marke von 100 Yen für einen Dollar durchbrochen hatte, machte das Wort „Währungskrieg“ die Runde. Nach Angaben von Gesprächsteilnehmern sollte es aber zunächst keine internationalen Gegenmaßnahmen geben. „Wir haben über Japan besonders intensiv gesprochen“, sagte Bundesfinanzminister
Wolfgang Schäuble. „Wir werden sicherlich darüber weiter reden.“ Die japanische Delegation habe die geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen „sehr präzise erläutert“, sagte er.

Mehr zum Thema

Osborne betonte, man sei sich einig, dass geld- und währungspolitische Maßnahmen nach innen gerichtet sein müssen. „Wir wollen nicht, dass Wechselkurse angegriffen werden.“ Unmittelbar vor dem am Freitag gestarteten Treffen hatte der neue amerikanische Finanzminister Jacob Lew einen Warnschuss in Richtung Japan abgegeben. „Die Welt hat
deutlich gemacht, dass länderspezifische Werkzeuge, die dazu da sind, Wachstum im Inland zu erzeugen, innerhalb der Grenzen liegen, die die internationale Gemeinschaft für angebracht hält. Und dass eine Politik, die darauf zielt, Wechselkurse zu beeinflussen, das nicht ist“, sagte Lew dem Fernsehsender CNBC.

Gemeinsam gegen Steuerhinterziehung

Einig waren sich die Finanzminister offenkundig auch darin, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung zu bekämpfen und vor allem gegen sogenannt Offshore-Zentren vorzugehen. „Was geschuldet wird, muss auch gezahlt werden“, sagte Britanniens Finanzminister Osborne. Viele Steueroasen würden inzwischen enger mit vielen Ländern in der Welt zusammenarbeiten. „Wir wollen aber, dass sie mehr tun“, sagte er weiter. Viele der international als Steueroasen gebrandmarkten Regionen sind britische Überseegebiete oder britischer Kronbesitz, wie etwa die Kanalinseln Jersey und Guernsey, die britischen Jungferninseln oder die Kayman-Inseln in der Karibik. Bundesfinanzminister Schäuble verteidigte die britische Regierung gegen den Vorwurf, aus London kämen lediglich Lippenbekenntnisse im Kampf gegen Steuerparadiese. Es gehe darum, künftig den Austausch von Steuerauskünften automatisch zu ermöglichen, nicht nur auf konkrete Nachfrage, wie dies etwa mit der Schweiz seit dem Jahr 2010 vereinbart ist.

Debattiert haben die G7-Minister überdies, wie notleidende Banken so abgewickelt werden können, dass der Steuerzahler künftig möglichst nicht einspringen muss. Es komme darauf an, eine klare Haftungshierarchie zu vereinbaren, bei der zunächst Eigentümer, Gläubiger und auch die Bankenbranche über einen Fonds zur Kasse gebeten werden und erst ganz als letztes die Steuerzahler. „Der Steuerzahler soll die letzte Verteidigungslinie werden“, sagte beispielsweise Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der ebenfalls an dem Treffen teilnahm. Die G7-Staaten repräsentieren drei Viertel aller großen Banken in der Welt.

Quelle: FAZ.NET/Reuters/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Euro-Treffen in Mailand Europa will das Wachstum neu starten

Die Konjunktur in der Europäischen Währungsunion lahmt - schon wieder. Die Finanzminister wollen das ändern. Investitionen sind nun das große Thema. Mehr

12.09.2014, 13:56 Uhr | Wirtschaft
Schäuble nennt Ukraine-Krise einen Weckruf für Europa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Europa auch angesichts der Ukraine-Krise zu weiteren Reformen aufgerufen. Mehr

08.04.2014, 13:45 Uhr | Politik
Hessens Finanzminister kritisiert Schäuble Schuldenbremse nicht lockern

Heftiger Gegenwind aus Hessen: Mit einer Lockerung der Schuldenbremse mache sich die Politik unglaubwürdig, sagt Finanzminister Thomas Schäfer. Mehr

12.09.2014, 18:45 Uhr | Rhein-Main
Schäuble pocht auf Konsolidierung

Die Bundesregierung setze auf eine stabilitätsorientierte Politik, sagte der Bundesfinanzminister zum Auftakt der Haushaltsberatungen in Berlin. Den Investitionsstau will Schäuble mit Hilfe privater Geldgeber lösen. Mehr

09.09.2014, 15:34 Uhr | Politik
Staatsfinanzen 2015 Kritik am Haushalt ohne neue Schulden

Heute berät der Bundestag über den nächsten Haushalt. Erstmals seit dem Jahr 1969 will der Bund dabei ohne neue Schulden auskommen. Das überzeugt nicht jeden. Mehr

09.09.2014, 09:26 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.05.2013, 17:23 Uhr

Und doch die Revolution

Von Brigitte Koch

Bayer kappt seine Chemiewurzeln. Wenn Konzernchef Marijn Dekkers 2016 den Konzern verlässt, wird Bayer spürbar anders aussehen als bei seinem Amtsantritt. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Auf dem Weg in eine neue Internetblase?

In den Vereinigten Staaten mehren sich die Stimmen, die vor einer neuen Technologie-Blase warnen. Denn die Risikobereitschaft der Investoren ist so hoch wie lange nicht mehr. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden