Home
http://www.faz.net/-gqg-13q10
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

G-20-Gipfel in Pittsburgh „Ära der Verantwortungslosigkeit beenden“

Die 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen haben in Pittsburgh neue Regeln für den Finanzmarkt aufgestellt. Banken müssen mehr Risikovorsorge treffen. Managergehälter werden zurechtgestutzt. Die G20-Staaten wollen künftig regelmäßig zusammenkommen.

© F.A.Z. Vergrößern

Mit einer Vereinbarung zur schärferen Regulierung der Finanzmärkte ist der Gipfel der 20 stärksten Volkswirtschaften (G-20) in Pittsburgh zu Ende gegangen. Die Staats- und Regierungschefs nahmen am Freitag (Ortszeit) eine Erklärung an, die eine Reform des Finanzsektors und eine Aufwertung der G-20 zur zentralen Beratungsinstanz vorsieht. Erstmals sollen Prämienzahlungen an Bankmanager international begrenzt werden.

Ziel der Maßnahmen sei es, „die Ära der Verantwortungslosigkeit zu beenden“, heißt es in dem Dokument, das nach eintägigen Beratungen der G-20-Chefs in Pittsburgh verabschiedet wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Ergebnisse des Gipfels. „Was zu erreichen war, haben wir erreicht“, sagte sie in Pittsburgh. Auch der französische Präsident Nicholas Sarkozy zeigte sich „sehr zufrieden“. Der amerikanische Präsident Barack Obama wertete den Gipfel als Erfolg.

Mehr zum Thema

Boni begrenzen

Deutlicher als zuvor erwartet einigten sich die G-20-Chefs auf Vorgaben beim Streitthema Banker-Prämien. Diese sollten sich an „langfristiger Wertschaffung und nicht an exzessiven Risikoinvestitionen“ orientieren, heißt es in dem Abschluss-Dokument. Garantierte Bonus-Zahlungen soll es nicht mehr geben. Auszahlungen sollen verzögert und bevorzugt in Aktien getätigt werden. Bricht der Gewinn ein, sollen die Prämien zurückgehalten werden. Die Boni sollen zudem einen bestimmten Prozentsatz des Eigenkapitals nicht übersteigen.

Angela Merkel, Peer Steinbrueck © AP Vergrößern „Wir haben etwas erreicht - gemeinsam”: Peer Steinbrück und Angela Merkel

Das G-20-Papier spricht in diesem Punkt von „scharfen internationalen Standards, die jene Praktiken beenden sollen, die zu exzessiven Risikoinvestitionen geführt haben“. Außerdem beschloss die G-20-Gruppe, dass Banken mehr Eigenkapital vorhalten sollen, damit sie im Fall der Insolvenz nicht auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Bis Ende 2010 sollen die Mitgliedsstaaten neue Regeln zu Qualität und Quantität von Eigenkapital ausarbeiten. Erst bis Ende 2012 sollen die neuen Anforderungen umgesetzt werden, um den Banken Zeit zur Erholung zu geben.

Regeln für ein stärkeres Finanzsystem

Die Beschlüsse werden bei voller Umsetzung zu einem „fundamental stärkeren Finanzsystem“ führen, heißt es in dem Dokument. Als „gute Nachricht für Europa“ wertete Merkel, dass sich die Vereinigten Staaten ab 2011 den von den Europäern seit längerem befolgten strengeren Eigenkapital-Vorschriften (Basel II) unterwerfen wollen.

Die Staats- und Regierungschefs beschlossen zudem, die G-8 als maßgebliches Koordinierungsforum in Wirtschaftsfragen durch die G-20 abzulösen. Die G-20-Gruppe werde zum „obersten Forum für unsere internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit“, erklärten die G-20-Chefs. Merkel sagte, es entstehe „ein globaler Rahmen, in dem die Weltwirtschaft zusammenwächst“. Im G-8-Forum hatten Schwellenländer und andere aufstrebende Wirtschaftsnationen keine Stimme. Zur G-20 gehören hingegen auch Länder wie China, Indien, Indonesien und Brasilien.

Merkels Charta erwähnt

Die Beschlüsse von Pittsburgh basieren auf Merkels „Charta für nachhaltiges Wirtschaften“, die im Abschlussdokument ausdrücklich erwähnt wird. Die Reform der Finanzmärkte soll sich demnach von Werten wie „Anstand, Integrität und Transparenz“ leiten lassen.

Keine greifbaren Erfolge gab es bei der von Deutschland geforderten internationalen Finanzmarktsteuer. Auch mit den geplanten Beschlüssen des G-20-Gipfels zum Klimaschutz zeigte sich die Bundesregierung nicht zufrieden. „Es hat eine Reihe von Ländern gegeben, die es ablehnen, im G-20-Format über Klimaschutz zu sprechen“, sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD).

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Klimagipfel in New York Die zweite Garde sammelt Spenden

An Prominenz mangelt es nicht, doch Klimaaktivisten beklagen ein nachlassendes Engagement für den Schutz der Erdatmosphäre. Der Klimagipfel in New York soll dem entgegenwirken. Mehr

22.09.2014, 10:21 Uhr | Wirtschaft
Merkel will politische Lösung in der Ukraine

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim Nato-Gipfel in Wales bekräfigt, weitere Strafmaßnahmen gegen Russland zu verhängen, sollte es keine Einigung im Ukraine-Konflikt geben. Militärische Aktion schloss sie hingegen aus. Mehr

04.09.2014, 22:44 Uhr | Politik
Weltklimagipfel Umweltministerin hofft auf Amerika

Beim UN-Klimagipfel in New York soll ein neuer Versuch gestartet werden, die globale Erwärmung zu bremsen. Ein neuer Vertrag wird aber erst 2015 erwartet. Umweltministerin Hendricks glaubt dennoch an einen Erfolg des Treffens. Mehr

23.09.2014, 10:22 Uhr | Politik
Kanzlerin Merkel wirft Russland Verletzung des Bündnisses vor

Russland hat die Prinzipien des Militärbündnisses verletzt, sagte Kanzlerin Merkel zum Abschluss des Nato-Gipfels. Sollte es in der Ukraine einen echten Waffenstillstand geben, könnten neue Sanktionen gegen Russland ausgesetzt werden. Mehr

05.09.2014, 16:58 Uhr | Politik
Weltklimagipfel Regierungschefs der Verschmutzerstaaten kneifen

Nach fünf Jahren findet wieder eine Weltklimagipfel statt. Die meisten Staats- und Regierungschefs lassen sich jedoch vertreten. Auf der ganzen Welt wurde derweil gegen den Klimawandel demonstriert. Mehr

22.09.2014, 20:21 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.09.2009, 10:07 Uhr

Bayer ohne Chemie

Von Brigitte Koch, Düsseldorf

Der deutsche Pharmakonzern Bayer trennt sich vom klassischen Chemiegeschäft. Der von Analysten favorisierte Abschied vom Konglomerat erhöht das Risiko, irgendwann selbst Ziel einer Übernahme zu werden. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Das alte Handy kann mehr als 300 Euro bringen

Wer sich ein neues iPhone zulegt, kann sein altes Handy zu Geld machen. Aber wieviel gibt es dafür noch? Ein Überblick. Mehr 2

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden