05.02.2010 · Die griechische Schuldenkrise greift auf andere Länder des Euro-Raums über und hat die Kurse an den Börsen weiter gedrückt. Deutsche Banken bangen um einen Teil ihrer Forderungen. Sie gehören zu den größten Gläubigern Portugals, Italiens, Griechenlands und Spaniens.
Von Stefan RuhkampDie griechische Schuldenkrise greift auf andere Länder des Euro-Raums über und hat am Freitag die Kurse an den Börsen weiter gedrückt. Deutsche Banken bangen um einen Teil ihrer Forderungen. Sie gehören zu den größten Gläubigern der finanzschwachen Euro-Staaten und haben in ihren Bilanzen Kredite gegenüber Schuldnern aus Portugal, Italien, Griechenland und Spanien in einem Wert von rund 385 Milliarden Euro. Eine Analyse der von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geführten Statistik zeigt, dass die Forderungen deutscher Banken allein gegenüber griechischen Schuldnern einen Wert von rund 43 Milliarden Dollar oder umgerechnet gut 30 Milliarden Euro haben. Noch höher sind die Summen für französische und Schweizer Banken, denen die Griechen 75 beziehungsweise 64 Milliarden Dollar schulden. Das Engagement der deutschen Banken summiert sich in Portugal auf umgerechnet 34 Milliarden Euro, in Irland auf gut 140 und in Spanien auf mehr als 176 Milliarden Euro.
Kaum ein Beobachter rechnet mit einem unmittelbar bevorstehenden Zahlungsausfall. Alle genannten Euro-Staaten haben weiterhin Zugang zu den Anleihemärkten und kündigten reduzierte Staatsausgaben an. Aber allein der Anstieg der Risikoprämien und die damit verbundenen Kursverluste könnten für die Banken zu einem ernsten Problem werden. Für griechische Anleihen stiegen Zinsaufschläge, die Anleger aus Vorsichtsgründen verlangen, seit dem Sommer um etwa 3 Prozentpunkte und seit Jahresbeginn 1 Prozentpunkt.
Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe
Allein aus den Kursverlusten seit Anfang Januar könnte sich leicht ein Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe ergeben. Noch bleiben elf Monate, denn erst am Jahresende wird Bilanz gezogen. „Gott sei Dank“, sagt Leef Dierks, Bankenanalyst bei der britischen Bank Barclays. „Wenn der Bilanzstichtag unmittelbar bevorstehen würde, wären viele Investoren noch nervöser und der Verkaufsdruck an den Börsen noch größer.“
Wegen des hohen Haushaltsdefizits von knapp 13 Prozent der Wirtschaftsleistung gilt Griechenland als größtes Sorgenkind der Währungsunion. Doch in den vergangenen Tagen hat sich die Spekulation auf eine Verschärfung der Krise auf Portugal und Spanien ausgedehnt, die ihre neuen Anleihen nur dank hoher Zinsaufschläge begeben konnten, was bei den schon begebenen Anleihen dieser Länder zu Kursabschlägen führt. Rechnet man die Forderungen gegen Schuldner aus diesen Ländern zu den griechischen Schulden hinzu, könnten die notwendigen Abschreibungen ein bedrohliches Ausmaß für die Banken annehmen. Dies weckt an den Kapitalmärkten die Sorge, dass die Schuldenkrise ansteckend wirken und das internationale Finanzsystem in eine neue Abwärtsspirale bringen könnte.
Risikoprämien weiter gestiegen
Am Freitag sind die Risikoprämien für die finanzschwachen Euro-Staaten abermals gestiegen. Absicherungsgeschäfte für Forderungen gegen Griechenland verteuerten sich zum Beispiel um 0,3 auf jährlich rund 4,3 Prozent der versicherten Summe. Das ist eine Verdreifachung seit November 2009. Der deutsche Aktienindex Dax büßte am Freitag weitere 1,1 Prozent ein. Die Aktienindizes in Portugal, Italien, Griechenland und Spanien – im Jargon der Händler werden sie neuerdings unter dem Kürzel PIGS geführt – büßten am Freitag 1 bis 4 Prozent ein und setzten damit den Kursrutsch des Vortages fort. Der Außenwert des Euro fiel erstmals seit Mai 2009 unter 1,37 Dollar je Euro.
„Der Markt beobachtet die Fähigkeiten jedes einzelnen Landes genau, seine Schulden zu zahlen“, sagte EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen. „Wenn das Vertrauen verlorengeht, werden die Zinsen signifikant steigen.“ Am Vortag hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auf die Frage nach den aus dem Anstieg der Risikoprämien resultierenden Gefahren für das Bankensystem ausweichend reagiert. Unterdessen wirbt die griechische Regierung weiter um Vertrauen bei Investoren und Politikern. „Ich kann die Zweifel verstehen, aber das ist der Grund, warum wir uns beweisen müssen“, sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou bei einem Besuch in Indien. Die Griechen würden das angekündigte Sparprogramm glaubwürdig umsetzen.
In Deutschland werden vor allem die Hypothekenbanken hoffen, dass dies keine leeren Worte sind. Die Pfandbriefbanken halten etwa die Hälfte der gesamten Forderungen des deutschen Bankensystems gegen Griechen. Nach Angaben des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken stehen in den Bilanzen der Mitgliedsbanken rund 14,5 Milliarden Euro an Forderungen, fast ausschließlich gegen den griechischen Staat. Davon entfallen knapp 8 Milliarden Euro auf Titel, die zur Deckung von Pfandbriefen verwendet werden. Das seien etwa 1,5 Prozent des gesamten Deckungsstocks der mit Staatskrediten besicherten öffentlichen Pfandbriefe, sagte eine Sprecherin des Verbandes. Groß ist auch das Engagement der Hypothekenbanken gegenüber spanischen Schuldnern, woraus Forderungen über 37 Milliarden Euro stammen. Davon entfällt etwa ein Drittel auf spanische Immobilienkredite, zwei Drittel auf Forderungen gegen den Staat.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2369 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 103,19 $ | −0,06% |
| Gold | 1.540,00 $ | −2,50% |
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