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Für Regalfüller : Arbeitgeber fordern Mindestlohn

Leerstand: Für die Mindestlöhne der Regaleinräumer findet sich keine Gewerkschaft Bild: Hannes Jung/laif

Situation mit Seltenheitswert: Die Arbeitgeber fordern einen Mindestlohn für die Regalfüller. Die Gewerkschaften lehnen ab, Verdi pocht auf den normalen Tarifvertrag für den Einzelhandel.

          So etwas kommt in der Welt der Tarifpolitik nicht alle Tage vor: Die Arbeitgeber fordern einen Mindestlohn für ihre Branche - finden aber auf Gewerkschaftsseite keine ausreichende Unterstützung dafür. In dieser Rolle sieht sich zurzeit der Arbeitgeberverband jener Unternehmen, die im Auftrag von Supermarktketten das Befüllen der Regale übernehmen. „Wir wollen einen tariflichen Mindestlohn, egal mit welcher Gewerkschaft“, sagt Michael Jeurgens, Vorsitzender des Verbandes mit dem Namen Instore und Logistik Services (ILS). „Aber bisher ist da leider einfach keine Bewegung in Sicht.“

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der im Jahr 2011 abgeschlossene Branchentarifvertrag zwischen dem Verband und der Gewerkschaft DHV sieht in der untersten Tarifgruppe derzeit Stundenlöhne von 6,12 Euro im Osten und 6,63 Euro im Westen vor. Die Branche sieht sich damit regelmäßig dem Vorwurf ausgesetzt, sie betreibe rücksichtsloses Lohndumping. „Möglich macht solche Niedrigstlöhne der ILS-Tarifvertrag“, stellte kürzlich ein Bericht im ZDF fest. Allerdings ist nur ein Teil der Logistikdienstleister überhaupt tarifgebunden. Die Löhne für Regaleinräumer der nicht tarifgebundenen Firmen sind in der Regel eher niedriger.

          Erste Verhandlungen noch im Juli

          Nach Angaben von Jeurgens gehören dem Verband zurzeit 23 Unternehmen mit 50.000 Beschäftigten an. In der ganzen Branche bewegen sich nach seiner Schätzung 120 weitere Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten. Der ILS-Verband, der zum Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) gehört, gibt der Branche ein Gesicht und bietet den Kritikern von Niedriglöhnen damit eine sichtbare Angriffsfläche. In der Branche vertritt er aber jene Firmen, die am ehesten für höhere Löhne zu gewinnen sind.

          Derzeit bereiten sich die Gewerkschaft DHV, die zum umstrittenen Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB) gehört, und der ILS-Verband auf eine neue Tarifrunde vor. Die DHV hat die aktuellen Tarifverträge zum 30. Juni gekündigt und fordert nun Lohnerhöhungen um 26 Prozent. Die unterste Tarifgruppe würde damit auf 8,50 Euro im Westen und 7,71 Euro im Osten steigen, „mit sofortiger Wirkung“, wie der DHV-Vorsitzende Gunter Smits sagt. Eine solche Erhöhung auf einen Schlag sei in jedem Fall zu viel, hält Jeurgens entgegen. Denkbar seien Verhandlungen über eine schrittweise Erhöhung, die eine „Perspektive in Richtung 8,50 Euro“ schafft. Eine erste Verhandlungsrunde ist Jeurgens zufolge für Ende Juli vereinbart.

          Verdi lehnt Einschnitte in Einzelhandelstarif ab

          Da der Arbeitgeberverband nur einen Teil der Unternehmen vertritt, könnten zu starke Tariferhöhungen eine Flucht aus dem Tarif auslösen. Denn die 23 Verbandsmitglieder stehen im Kostenwettbewerb mit den Firmen ohne Tarif. Deshalb würden Jeurgens und sein Verband gerne einen allgemeinverbindlichen Branchenmindestlohn einführen. Dafür müssten sie aber nachweisen, dass - wie es das Tarifvertragsgesetz fordert - mindestens die Hälfte aller Arbeitnehmer der Branche in tarifgebundenen Firmen tätig ist. Zudem wird es kaum ohne Unterstützung durch die Gewerkschaft Verdi gelingen. Denn gegen die Stimmen des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Tarifausschuss beim Bundesarbeitsministerium wird ein Mindestlohn nicht durchzusetzen sein.

          Die Gewerkschaft Verdi, die ansonsten die Beschäftigten des Einzelhandels und mit einem weiteren Fachbereich auch die der Logistikbranche vertritt, lehnt jedoch Gespräche mit dem ILS-Verband strikt ab. „Anstatt eigene Tarifverhandlungen anzustreben, täte der Verband ILS gut daran, die Flächentarifverträge des Einzelhandels anzuerkennen“, konterte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger die Einladung zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag für Warenverräumer. Ohnehin sei die Instore-Logistik „keine eigenständige Branche“. Dahinter steht die Lesart, dass das Auslagern des Regaleinräumens an externe Dienstleister nur Ergebnis einer unlauteren „Dumpingstrategie“ im Einzelhandel sei: Supermarktketten würden sich durch missbräuchliche Werkverträge den bestehenden Verdi-Tarifverträgen des Einzelhandels entziehen.

          Dass es Zusammenhänge zwischen dem Wachstum der Logistikdienstleister und dem Einzelhandelstarif gibt, glaubt auch der Handelsverband Deutschland (HDE), der mit Verdi gerade einen Tarifkonflikt im Einzelhandel führt. Denn die im Verdi-Tarif vorgesehenen Stundenlöhne von 11 bis 14 Euro plus Zuschläge von bis zu 50 Prozent seien für reine Helfertätigkeiten nicht realistisch und machten das Ausgliedern erst richtig attraktiv. Verdi lehnt jedoch auch Einschnitte in den Einzelhandelstarif ab. Die Instore-Logistiker legen indes Wert darauf, dass ihr Geschäftsmodell auch auf Spezialisierungsvorteilen beruhe und nicht nur auf Lohnkostensenkung. Dass Supermärkte zum Saubermachen externe Reinigungsfirmen einsetzen, sei schließlich auch allgemein akzeptiert, betont Jeurgens.

          Quelle: F.A.Z.

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