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Veröffentlicht: 04.04.2014, 17:07 Uhr

Für höhere Inflationsrate EZB hat Berechnungen zu 1000-Milliarden-Geldspritze

Zur Abwehr von Deflationsgefahren könnte die Europäische Zentralbank ein Anleihekaufprogramm starten. Einen solchen Ankauf im großen Stil hat die Notenbank bereits konkret durchgespielt.

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© dpa EZB-Präsident Draghi will „auch unkonventionelle Maßnahmen“ ergreifen

Nach den Ankündigungen von EZB-Präsident Mario Draghi wird an den Märkten heftig über ein mögliches Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank spekuliert. Draghi hatte am Donnerstag verkündet, der 24-köpfige EZB-Rat sei einstimmig bereit, „auch unkonventionelle Maßnahmen“ zu ergreifen, um effektiv das Problem einer zu lange zu niedrigen Inflationsrate anzugehen. Ausdrücklich schloss Draghi eine sogenannte Quantitative Lockerung („Quantitative Easing“, QE) als mögliche Maßnahme mit ein. Seine Worte ließen den europäischen Aktienleitindex auf den höchsten Stand seit Herbst 2008 steigen, die Risikoaufschläge auf Anleihen (spreads) von Krisenländern sanken auf mehrjährige Tiefs.

Philip Plickert Folgen:

In der EZB gibt es verschiedene Modellrechnungen zu den Auswirkungen eines massenhaften Kaufs von Wertpapieren auf die Inflation. Die Simulationen rechnen dabei mit einem Volumen von 1000 Milliarden Euro Wertpapierkäufen innerhalb eines Jahres, also etwa 80 Milliarden Euro im Monat. Dabei klaffen die Ergebnisse der Berechnungen weit auseinander. Im schwächsten Szenario würde die gewaltige Geldspritze die Inflationsrate nur um 0,2 Prozentpunkte erhöhen. Eine andere Simulation kommt auf eine stärkere Anhebung um 0,8 Prozentpunkte, heißt es in EZB-Kreisen. Ein Sprecher bestätigte, dass Berechnungen vorlägen, wollte diese aber nicht kommentieren.

Im März lag die Teuerung im Euroraum-Durchschnitt überraschend niedrig bei 0,5 Prozent. Das nährte die Debatte über eine mögliche Deflation, also eine Abwärtsspirale der Preise im Euroraum. Die EZB geht davon aus, dass im April wegen des Oster-Effekts die Preise wieder stärker steigen. Laut den internen Projektionen wird ein Anstieg auf 0,8 bis 0,9 Prozent erwartet. Am Donnerstag gab es jedoch Stimmen im EZB-Rat, die eine sofortige Reaktion, vor allem eine Senkung des Leitzinses von 0,25 Prozent, befürworteten. Sie blieben in der Minderheit. Zunächst brauche man mehr Informationen, was den mittelfristige Inflationsausblick angehe, sagte Draghi.

Skepsis im Zentralbankrat

Die amerikanische Notenbank hat seit Ausbruch der Finanzkrise drei Runden der quantitativen Lockerung vollzogen. Das dritte QE-Programm bestand aus Käufen von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen im Volumen von zunächst 85 Milliarden Dollar monatlich. Seit April sind es noch 55 Milliarden Dollar. Im Zuge der konjunkturellen Erholung in Amerika wird eine weitere Drosselung der Käufe erwartet. Die Fed schreibt dem QE einen maßgeblichen Anteil an der Wirtschaftserholung zu, weil die langfristigen Zinsen dadurch weiter gedrückt wurden. Unabhängige Ökonomen sind jedoch uneins, ob die Maßnahme wirklich noch einen nennenswerten Effekt auf die Realwirtschaft hatte. Unzweifelhaft hat es zum Börsenkursanstieg beigetragen.

Innerhalb der Europäischen Zentralbank ist stark umstritten, wie ein solche Lockerung im Euroraum wirken würde. Die „Transmission“, also die Übertragung des Impulses, liefe wohl unterschiedlich. Draghi betonte, dass der Euroraum eine Wirtschaft habe, die sich vorrangig mittels Bankkrediten finanziert. In den Vereinigten Staaten begeben nicht nur Großkonzerne, sondern auch viele mittlere Unternehmen Anleihen am Kapitalmarkt. Dort hatte der Anleihekauf eine direktere Wirkung auf die Finanzierungsbedingungen. „Die Frage wäre, ob in Europa der private Anleihemarkt überhaupt groß genug wäre für ein QE“, sagte ein Notenbank-Insider der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein ranghoher Zentralbanker äußerte sich zudem sehr kritisch über mögliche Marktverzerrungen. Mit Blick auf die Preise von Unternehmensanleihen sprach er von einer „Blase“. Gegen den Kauf von Staatsanleihen gibt es weiterhin starke Vorbehalte von Seiten der Bundesbank, welche dabei das Problem einer monetären Staatsfinanzierung sieht. Es werde sehr schwierig, ein Kaufprogramm aufzulegen, die rechtlichen und markttechnischen Hürden seien zu hoch, hieß es in Frankfurt.

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Einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma hat EZB-Chef Draghi schon angedeutet. Direkte Erleichterung der Finanzierungskonditionen von kleinen und mittleren Unternehmen könne man erreichen, wenn der Markt für verbriefte Mittelstandskredite belebt werde. Solche Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities, ABS) galten als einer der Gründe für die Finanzkrise in Amerika, weil damit Risiken verschleiert wurden. Draghi betont aber, dass die europäischen ABS-Papiere viel transparenter konstruiert seien. Entsprechend müssten sie weniger hart bei der Eigenkapitalregulierung behandelt werden. Draghi kündigte an, die EZB werde noch in diesem Monat gemeinsam mit der Bank von England einen Vorstoß für den europäischen ABS-Markt machen.

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