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Führungskrise Top-Manager der EADS treten zurück

03.07.2006 ·  Die deutsch-französische EADS beendet ihre Führungskrise: Ko-Vorstandschef Noël Forgeard und Airbus-Chef Gustav Humbert sind mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das Amt von Forgeard übernimmt Louis Gallois. Grund waren vor allem die Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A 380.

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Der krisengeschüttelte Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungskonzern EADS hat eine weitreichende Neuordnung seiner Führungsspitze bekanntgegeben. Danach müssen der Ko-Vorstandsvorsitzende Noël Forgeard und Airbus-Chef Gustav Humbert abtreten. Ihnen wird die Verspätung bei der Auslieferung des Großraumjets A380 zur Last gelegt. Bei Forgeard kommen seine Aktienverkäufe hinzu, die er wenige Monate vor dem Kurssturz von Mitte Juni getätigt hatte. Die Insider-Ermittlungen laufen noch.

Auf Forgeard folgt der 62 Jahre alte Chef der französischen Staatsbahn SNCF, Louis Gallois. Er wird zusammen mit dem deutschen EADS-Ko-Vorstandsvorsitzenden Tom Enders, der seinen Posten behält, das Unternehmen leiten. Die Leitung des EADS-Verwaltungsrates teilen sich weiterhin der Franzose Arnaud Lagardère und der Deutsche Manfred Bischoff. Die Doppelspitze abzuschaffen, wie von deutscher Seite gewünscht, scheiterte wohl am Widerstand Lagardères.

Christian Streiff soll Airbus führen

Neuer Airbus-Chef wird der 51 Jahre alte Franzose Christian Streiff, der bis zum vergangenen Jahr stellvertretender Vorstandsvorsitzender des französischen Baustoffkonzerns Saint-Gobain war. Streiff war lange Zeit als Nachfolger des langjährigen Saint-Gobain-Chefs Jean-Louis Beffa gehandelt worden, überwarf sich mit diesem aber im vergangenen Jahr und schied aus dem Unternehmen aus. Für den Streit wurde vor allem die persönliche Chemie verantwortlich gemacht.

Streiff ist Ingenieur und Absolvent der angesehen Ecole des Mines. Er verbrachte fast sein ganzes Berufsleben bei Saint Gobain, wo er auch zeitweise in einer deutschen Tochtergesellschaft beschäftigt war.

Airbus wird an die kurze Leine gelegt

Im Zuge des Revirements wird EADS nach eigenen Angaben die Tochtergesellschaft Airbus enger an sich binden, sobald der britische Anteilseigner BAE seinen 20 Prozent hohen Anteil an EADS verkauft hat. Zudem werden die Aufgaben der beiden Ko-Vorstandsvorsitzenden von EADS neu verteilt, was zu einer Stärkung von Tom Enders führt und ihn zum Verantwortlichen für das Luftfahrtgeschäft macht. Airbus-Chef Streiff sowie die EADS-Manager Jean-Paul Gut (Strategie und Marketing), Ralph Crosby (Nordamerika) und der Spanier Francisco Fernandez Sainz (militärische Transportflugzeuge) berichten künftig direkt an Enders. Dagegen sind der EADS-Finanzvorstand Hans Peter Ring, Raumfahrtchef Francois Auque, der Leiter des Hubschrauber-Herstellers Eurocopter, Fabrice Bregier, sowie der Chef des EADS-Verteidigungsbereiches, Stefan Zoller, direkt gegenüber Gallois verantwortlich.

Neben den Verspätungen für den A380, die den Gewinn von EADS bis 2010 um insgesamt 2 Milliarden Euro reduzieren werden, hat die Neuordnung ihren Hintergrund auch in der Krise beim Langstreckenjet A350. Airbus hat zulange nicht auf das erfolgreiche Konkurrenzmodell Boeing 787 reagiert. Zu spät entschloß man sich dazu, mit der A350 ein Gegenmodell zu entwickeln, sprang dann aber mit einer nur halberneuerten Maschine zu kurz. Als die Kunden ihren Unmut äußerten, entschloß sich Airbus zur Entwicklung eines neuen Flugzeuges, das demnächst offiziell bekanntgegeben werden dürfte.

Amerikaner bestellen Mehrzweckhubschrauber

Der hohe Gewinn von Airbus, der vier Fünftel des EADS-Ergebnisses ausmacht, wird aufgrund der guten Konjunktur derzeit im wesentlichen nur von der kleineren Flugzeugfamilie A320 getragen, die auch in absehbarer Zeit erneuert werden muß.

EADS versucht mit der Neuordnung ein neues Kapitel aufzuschlagen. Günstig kommt da eine Nachricht von Eurocopter: Die amerikanischen Streitkräfte haben dem Hubschrauberhersteller einen Auftrag zur Lieferung von Mehrzweckhubschraubern vom Typ UH-145 im Wert von 3 Milliarden Dollar erteilt. EADS bezeichnet den Auftrag als „Durchbruch“ im amerikanischen Verteidigungsgeschäft.

2,75 Milliarden Euro an BAE-Systems

EADS muß den 20-Prozent-Anteil der britischen BAE Systems an Airbus für 2,75 Milliarden Euro zurückkaufen. Das entschied die Investmentbank Rothschild, die mit der Festlegung eines Kaufpreises beauftragt worden war, wie EADS am Sonntagabend mitteilte. EADS hält nach dem Rückkauf der britischen Anteile 100 Prozent an Airbus. Die BAE-Aktionäre müssen dem Geschäft noch zustimmen. BAE Systems hatte im April angekündigt, seinen 20prozentigen Anteil an Airbus veräußern zu wollen und machte dabei von seiner Verkaufsoption Gebrauch.

Da es zwischen EADS und dem britischen Unternehmen zu keiner Einigung über einen Kaufpreis kam, wurde Rothschild eingeschaltet. Der nun ausgehandelte Preis liegt deutlich unter den zu Beginn kursierenden Schätzungen. EADS hatte anfangs von einem Preis von rund 3,5 Milliarden Euro gesprochen. Analysten schätzten das Airbus-Paket von BAE Systems dagegen sogar auf rund 6,5 Milliarden Euro - vor dem Fiasko mit dem A380.

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