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Fronten in der Frauendebatte Zwei Quotenfrauen streiten über die Quote

 ·  Was ist konservativ, was links im Geschlechterkampf? CSU-Politikerin Angelika Niebler hat in ihrer Partei die Frauenquote durchgefochten. Die ehemalige „taz“-Chefin Bascha Mika gibt den Frauen selbst die Schuld, wenn sie nicht nach oben kommen.

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In der Frauendebatte verwischen die Fronten: Was ist konservativ, was links im Geschlechterkampf? CSU-Politikerin Angelika Niebler hat in ihrer Partei die Frauenquote durchgefochten. Die ehemalige „taz“-Chefin Bascha Mika gibt den Frauen selbst die Schuld, wenn sie nicht nach oben kommen. Ein Gespräch über Männer, tradierte Rollen und das kleine Einmaleins.

Meine Damen, sitzen hier zwei Quotenfrauen am Tisch?

Niebler: Wenn man so will: Ja, ich bin eine. Auch wenn ich mich nie so gefühlt habe. Edmund Stoiber hat damals, als Ministerpräsident Bayerns, angeregt, Frauen gezielt auf die vorderen Listenplätze zu setzen.

Mika: Ich bin ebenfalls eine Quotenfrau. Die Tageszeitung „taz“ hat sich früh eine Quote gegeben - dass ich elf Jahre lang dort Chefredakteurin war, habe ich letztlich der Quote zu verdanken.

Die Quote wird hitzig diskutiert. Liegt darin das Heil der Nation?

Niebler: Früher war ich gegen eine Quote. Doch mittlerweile habe ich gelernt: Es geht manchmal nicht ohne. Nach zehn Jahren Selbstverpflichtung hat sich in der Wirtschaft kaum etwas verändert. In der CSU haben wir uns auf eine Quote verständigt, um Frauen zu motivieren, Politik zu machen.

Mika: Die Quote ist nur eine Krücke. Sie ist jetzt nötig. Sie kann und sie muss auch weg, wenn wir sie nicht mehr brauchen. Zurzeit sind die Strukturen für Frauen in der Wirtschaft noch besonders widrig...

Sind doch wieder allein die Strukturen Schuld, wenn Frauen nicht vorankommen?

Mika: Nicht nur. Ich glaube, wir müssen die Perspektive erweitern und auf uns schauen. Es ist nicht nur die männerdominierte Gesellschaft, die uns unten hält und uns keine Chance auf ein gleichberechtigtes Leben gibt. Damit lügen wir uns in die Tasche!

Niebler: Aber an den Rahmenbedingungen muss sich noch einiges ändern. Das leugnen Sie doch hoffentlich nicht?

Mika: Nein. Natürlich gibt es zu wenig Krippenplätze, gläserne Decken und familienfeindliche Arbeitsstrukturen. Doch was ist mit uns? Dass sich jahrzehntelang nichts bewegt hat, das haben wir Frauen doch auch selbst vermasselt, weil wir feige sind und bequem.

Niebler: Das ist Unsinn, was Sie da sagen! Sie können doch nicht alle Frauen über einen Kamm scheren und beleidigen.

Mika: Wo tue ich das denn?

Niebler: In Ihrer Streitschrift „Die Feigheit der Frauen“.

Mika: Weder beschimpfe noch beleidige ich Frauen. Es geht darum, dass wir lernen, uns untereinander zu streiten, ob wir unseren Ansprüchen gerecht werden.

Frau Mika, warum starten gerade Sie als Linke einen Frontalangriff auf die Schwestern?

Mika: Nicht alle Frauen sind Schwestern, auch wenn das die ersten Feministinnen vor 40 Jahren propagiert haben. Mein Buch soll aufrütteln, Frauen zum Nachdenken bringen über alte Rollenmuster. Wir Frauen betrügen uns sonst selbst. Damit muss Schluss sein. Wir propagieren Selbstbestimmtheit, treten aber zu wenig für sie ein. Wir machen es uns zu leicht gemütlich in der alten Rollenkiste und merken gar nicht, wie wir dabei „vermausen“.

Niebler: Ich weiß nicht, was Sie mit dieser Beschimpfung erreichen wollen, außer der Provokation. Ich fühle mich weder als Maus oder Geisel des Mannes, wie Sie behaupten, noch als bequem. Immerhin bin ich trotz zweier Kinder drei Wochen im Monat in Brüssel, wie es der Job einer Europaabgeordneten erfordert.

Mika: Von Frauen wie Ihnen sehe ich aber zu wenige. Wir sind gut ausgebildet, wir haben viele Chancen, aber wir nutzen sie kaum. Zu viele Frauen verabschieden sich aus dem Berufsleben, weil es ihnen zu anstrengend ist, zu unfreundlich und zu ruppig. Sie erliegen der Verlockung der altbekannten Frauenrolle. Und dann trainieren Naturwissenschaftlerinnen ihr Gehirn am kleinen Einmaleins. Das kann doch nicht wahr sein!

Niebler: Warum nicht? Kinder sind ein Segen, eine Bereicherung. Sich um sie zu kümmern ist für unsere Gesellschaft ebenso wichtig, wie im Beruf erfolgreich zu sein. Viele Frauen entscheiden sich bewusst für Familie. Es gibt im Leben Phasen mit unterschiedlichen Prioritäten, zwischen 30 und 40 sind vielen Frauen die Kinder wichtiger als das berufliche Fortkommen.

Mika: Einverstanden. Aber viele bedenken die Konsequenzen nicht. Denn wenn wir zu lange aus dem Beruf aussteigen, ist es wahnsinnig schwer, ähnlich qualifiziert wieder einzusteigen, und dann schnappt die Falle zu.

Sie tun geradezu, als hätten alle Frauen das Zeug zur Bundeskanzlerin.

Mika: Unsinn. Nicht mehr und auch nicht weniger als die Männer. Es geht gar nicht um Karriere, sondern um sinnstiftende Arbeit.

Niebler: Da stimme ich Ihnen zu. Bei den Männern hinterfragt niemand die Qualifikation, als ob die immer gegeben wäre. Männer und Frauen müssen endlich gleichermaßen an ihrer Qualifikation gemessen werden.

Das ist ein Argument gegen die Quote.

Niebler: Nein, dafür.

Mika: Wie haben Sie es eigentlich geschafft, Frau Niebler, gerade in der konservativen CSU eine Quote durchzusetzen? Das passt gar nicht.

Niebler: Ich habe fast ein Jahr lang als Vorsitzende der CSU-Frauen-Union dafür gekämpft, und ich sage Ihnen, es war nicht immer lustig, was ich zu hören bekam. Aber ich hatte von Beginn an die Unterstützung von unserem Parteivorsitzenden, Horst Seehofer. Sonst wären wir CSU-Frauen gescheitert.

Sie scheinen mir nach links gerutscht zu sein in der CSU.

Niebler: Nein, wir sind nicht nach links gerutscht, wir sind moderner geworden. Und es ist eine Frage des Alters. Wenn ich heute 30 Jahre alt wäre, hätte ich mich vermutlich eingereiht in die Riege der jungen Aufrührerinnen, die bei uns in der Partei gegen die Quote protestiert haben: "Das brauchen wir nicht, das schaffen wir allein." Und das auch noch im Dirndl. Dabei ging es um die Sache der Frauen.

Mika: Das war sehr hübsch anzusehen.

Niebler: Ja, aber zu wenig. Dazu bin ich zu lang dabei. Ich weiß mittlerweile: Die Männer weichen nicht von alleine. Wir in der CSU haben da ein Zeichen gesetzt.

Nun hat die Kanzlerin deutlich gemacht: Sie lehnt die Quote für die Wirtschaft ab. Punkt, aus.

Niebler: Ich habe Frau Merkel so verstanden, dass sie erst einmal Gespräche mit der Wirtschaft führen will. Sollte sich dann nicht signifikant etwas bewegen, werden alle Optionen in Betracht gezogen. Dahin gehen auch die Bestrebungen in Brüssel. Die Vizepräsidentin der Kommission, Viviane Reding, hat sehr deutlich Position bezogen.

Mika: Das ist doch alles Augenwischerei.

Frau Mika, müssen eigentlich alle Frauen arbeiten?

Mika: Überhaupt nicht. Wer keinen Anspruch auf Eigenständigkeit hat, sondern sich auf ein behütetes Leben an der Seite eines männlichen Versorgers freut, kann mit diesem Lebensentwurf glücklich werden. Mir geht es um die anderen Frauen, die selbstbestimmt und unabhängig leben und alles vereinen wollen - Beruf, Kinder, Familie. Die brauchen mehr Mut. Und das kann man lernen. Mut liegt nicht in den Genen. Doch leider werden Mädchen immer noch im rosa Wahn auf kleine Mädchen getrimmt.

Niebler: Nein. Kinder werden heute längst nicht mehr zu Jungs und zu Mädchen erzogen. Mein Mann und ich, wir haben zwei Jungs, und wir hatten auch Puppen zu Hause. Die haben den Krams nicht mal angeschaut, nur die Mädchen, die zum Spielen kamen.

Mika: Das merken Eltern häufig gar nicht, dass sie und ihr Umfeld Kinder geschlechtsspezifisch trainieren. Mit drei Jahren ist der Prozess schon fast abgeschlossen...

...und das Kind verkorkst?

Mika: Verkorkst nicht, aber die Mädchen sind dann auf die Spur gesetzt. Träumen erst vom Prinzen, dann vom Versorger.

Niebler: Sie verkennen doch die Realität, Frau Mika. Ich bin viel unterwegs, treffe viele Frauen, die arbeiten, die anspruchsvolle Jobs haben.

Mika: Trotzdem müssen wir da ansetzen, die weiblichen Klischees durchbrechen, Rollenmuster durchschauen. Warum stürzen sich Frauen immer noch reihenweise auf die Frauenfächer an den Universitäten? Warum wählen sie massenhaft Frauenberufe, ohne sich einmal klarzumachen, was das für ihre Zukunft bedeutet und dass sie damit dem Klischee entsprechen?

Niebler: Soll eine Kindergärtnerin lieber als Bauarbeiter arbeiten, nur weil das männlich ist?

Mika: Nein, soziale Berufe sind sehr wichtig. Vielleicht sollten Sie da über eine Männerquote nachdenken. Sobald Männer den Beruf ergreifen, würde er mit Sicherheit besser bezahlt und sozial aufgewertet werden.

Niebler: Das könnte sein. Insgesamt glaube ich, dass sich gesellschaftlich und politisch viel verändert und auch schon verändert hat.

Mika: Politisch hat sich 20 Jahre lang fast gar nichts bewegt.

Niebler: Doch, auch politisch sind wir weitergekommen: Es werden Krippenplätze geschaffen, wir haben die Vätermonate eingeführt...

Mika: Was bringt es, wenn ein Mann acht Wochen Urlaub macht, und das meist zusammen mit seiner Frau? Kümmert er sich in der Zeit wirklich um das Kind? Danach geht es bei ihm weiter im Job, und seiner Frau bleibt nur noch der häusliche Bereich. Das ist doch komplett verfehlt.

Zumindest so viel ist erreicht: Es scheint nicht mehr verpönt zu sein, sich als Quotenfrau zu outen. Wären Sie eigentlich lieber ein Mann?

Mika: Im Leben nicht. Das wäre langweilig.

Niebler: Ich auch nicht. Frau zu sein ist wunderschön. Das Schlimmste wäre, wenn Frauen in dieser Debatte vermännlichen.

Das Gespräch moderierte Bettina Weiguny.

Quelle: F.A.S.
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