25.03.2007 · Fritz Vahrenholt arbeitet als Politiker und Manager seit mehr als 30 Jahren in der Umweltbranche. Doch der 57-Jährige ist alles andere als ein grüner Ideologe. Nun will der Exot der Branche mit Repower ein richtig großes Rad drehen.
Von Holger SchmidtPasst ein Ökostrom-Unternehmer zu einem Atomkonzern? Für Fritz Vahrenholt, den Vorstandsvorsitzenden des Hamburger Windradherstellers Repower, wäre die Übernahme durch den französischen Konzern Areva auch psychologisch sicher kein Problem. Obwohl Vahrenholt seit 30 Jahren als Politiker und Manager in der Umweltbranche arbeitet, ist er alles andere als ein grüner Ideologe.
„Von der Zukunft der Windkraft habe ich andere Vorstellungen als die Fraktion in den Norweger-Strickpullovern“, sagt er. Vahrenholt - frei von Berührungsängsten, bekannt für couragierte Richtungswechsel, hart im Nehmen von Kritik - ist als erklärter Anhänger der Atomkraft ein Exot in der Umweltbranche.
Energische, aber auch konstruktive Umweltpolitik
Der 57 Jahre alte Chemiker hat eine schillernde Karriere hinter sich. Von seinen Professoren wegen angeblicher Kontakte zu kommunistischen Studentenvereinigungen beim Verfassungsschutz denunziert, findet das SPD-Mitglied nach seiner Promotion an der Universität Münster nicht die erhoffte Stelle in der Chemieindustrie. Also geht er 1976 zum Umweltbundesamt, wo ihm zwei Jahre später erstmals der Sprung ins Rampenlicht gelingt.
Sein Buch „Seveso ist überall“, das er gemeinsam mit Egmont Koch als Reaktion auf den Chemieunfall im norditalienischen Seveso schreibt, bringt ihm neben viel Öffentlichkeit auch heftige Kritik der gescholtenen Chemieindustrie ein. Sein Verhältnis zur Chemie bleibt gespannt, als es ihn 1981 in die Politik zieht, zunächst als Ministerialrat ins hessische Umweltministerium. Lange bevor Joschka Fischer Umweltminister in Hessen wird, betreibt der Überzeugungstäter eine energische, aber als konstruktiv bezeichnete Umweltpolitik unter dem Ministerpräsidenten Holger Börner.
Als „Feuer-Fritze“ im Zorn aus der Politik ausstieg
Drei Jahre später holt Klaus von Dohnanyi das Politiktalent nach Hamburg, wo er 1991 zum Umweltsenator aufsteigt. Pragmatismus zeichnet ihn auch in der Hansestadt aus: Der Einstieg in erneuerbare Energien, Flächenrecycling und konsequentes Wassersparen gehen ebenso auf seine Initiative zurück wie der Bau von Müllverbrennungsanlagen, was ihm den Beinamen „Feuer-Fritze“ einbringt. Als der ehrgeizige Politiker 1997 im Wettstreit um die Nachfolge von Henning Voscherau unterliegt, steigt er im Zorn aus der Politik aus.
Nur wenige Monate später ist Vahrenholt aber wieder da. Zum Entsetzen der Umweltbewegung in Deutschland wird er 1998 Vorstandsmitglied der Deutschen Shell AG, die wegen der geplanten Versenkung der Ölplattform Brent Spar im Kreuzfeuer der Kritik steht. Als Kommunikationschef soll er dem Ölkonzern einen besseren Ruf verschaffen und lässt eine Solarzellenfabrik in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen bauen. Als Shell wenig später beginnt, Schritt für Schritt Kompetenzen aus Deutschland abzuziehen, sieht sich Vahrenholt aller Karrierechancen beraubt und geht.
„Wertschätzung deutscher Technologie unübersehbar“
Mit dem Spruch „Lieber Kapitän auf einem Schnellboot als dritter Offizier auf einem Tanker“ wechselt er an die Spitze von Repower. 2003 gerät das Unternehmen tief in die Krise, doch Vahrenholt bleibt als Kapitän an Bord. Seitdem geht es bergauf. Den Bieterwettbewerb um Repower sieht er nun als Bestätigung seiner Arbeit, „weil wir die vier Jahre Anti-Windmühlenwahn endlich hinter uns haben - und die Wertschätzung deutscher Technologie unübersehbar ist“.
Die Unterstützung eines finanzkräftigen Mutterkonzerns - sei es Areva oder das indische Windkraftunternehmen Suzlon - gibt Vahrenholt die Mittel für den nächsten Schritt in der Windkraft, den Anlagen auf dem Wasser, die zwar hohe Entwicklungskosten verursachen, aber großen Ertrag versprechen. Dafür braucht er aber noch Zeit, die ihm die Atomkraft geben soll. Die Atomkraftwerke sollen zehn Jahre länger laufen, um den Windrädern die nötige Entwicklungszeit zu geben, fordert Vahrenholt. Vom Öl als Energieträger hält er dagegen wenig. „Die Zeit des billigen Öls ist vorüber“, lautet einer seiner Lieblingssätze. Den Satz wird Areva-Chefin Anne Lauvergoen sicher gerne gehört haben.
...alles andere als ein grüner Ideologe?
Heinz Thieme (HeinzThieme)
- 25.03.2007, 14:23 Uhr
Pragmatiker oder eher Karrierist?
Andreas Winkler (fonzie)
- 25.03.2007, 18:40 Uhr
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