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Veröffentlicht: 18.02.2011, 08:41 Uhr

Frauenquote in Aufsichtsräten Diskriminierung von Männern beklagt

Auf einer Veranstaltung über die Frauenquote hat der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse einen Kontrapunkt gesetzt und eine beginnende Männerdiskriminierung beklagt: „Man gibt immer einer Frau den Vorzug vor einem Mann, der gleichermaßen qualifiziert ist“, sagte er.

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© dapd Gibt es genug qualifizierte Frauen, um die Aufsichtsräte zu besetzen? Diese Frage ist hoch umstritten

Die deutsche Wirtschaft fürchtet schlechtere Aufsichtsräte, wenn auf absehbare Zeit eine gesetzliche Frauenquote eingeführt würde. „Rechnen Sie sich doch mal aus, wie viele Frauen wir dann brauchen, um die Quote zu erfüllen“, sagte Manfred Gentz, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Börse AG, am Donnerstag in Berlin: „Da gehen Ihnen die Augen über!“ Gentz sprach als Vertreter der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex auf einer Veranstaltung der Initiative „Frauen in den Aufsichtsrat“ (Fidar).

Mittlerweile stünden auf den Vorschlagslisten von Personalberatern für Vorstands- und Aufsichtsratsposten fast nur noch Frauen, sagte der frühere Finanzvorstand des Automobilkonzerns Daimler. Dies seien aber immer dieselben, weil es nur wenige ausreichend qualifizierte Bewerberinnen gebe. Lediglich ein paar „Quotenmänner“ würden von den „Headhuntern“ noch angeboten. Schon jetzt ist nach Gentz' Angaben der öffentliche Druck so groß, dass Männer diskriminiert würden: „Man gibt immer einer Frau den Vorzug vor einem Mann, der gleichermaßen qualifiziert ist - der Mann scheidet von vornherein aus.“

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„Ganz viele Frauen wollen einfach nicht in Führungspositionen“

Gentz mahnte die Politik, den Unternehmen Zeit zu lassen, um genügend Frauen mit ausreichender fachlicher und persönlicher Qualifikation aufzubauen: „Wir können nicht völlig unerfahrene Leute in den Vorstand oder Aufsichtsrat nehmen.“ Zwar werde es bei der im kommenden Jahr anstehenden Wahlrunde für die Kontrollgremien schon einen Schub neuer Frauen geben. Aber erst nach den nächsten beiden Amtsperioden, die Gentz auf jeweils drei bis fünf Jahre bezifferte, lasse sich der Frauenanteil ausreichend steigern. Der Aufsichtsratsvorsitzende mahnte die Politik, in Deutschland ähnlich gute Möglichkeiten zur Kinderbetreuung wie in Frankreich zu schaffen. „Ganz viele Frauen wollen einfach nicht in Führungspositionen und sträuben sich dagegen“, sagte er zudem.

Deutsche Börse AG - Das Dax-notierte Unternehmen hält seine Hauptversammlung ab. © Helmut Fricke / F.A.Z. Vergrößern Manfred Gentz fürchtet schlechtere AUfsichtsräte durch eine Frauenquote

Die Vereinigung Fidar stellte eine vom Bundesfrauenministerium geförderte Studie über den Anteil von Frauen in den 160 Unternehmen in sämtlichen Dax-Börsensegmenten vor. Demnach sind Frauen an der Führungsspitze deutlich unterrepräsentiert. Der Corporate Governance Kodex beginne zwar zu greifen, sagte die Vereinsvorsitzende, die Unternehmensberaterin Monika Schulz-Strelow. Doch hätten die Vorstände nur 3 Prozent weibliche Mitglieder, die Aufsichtsräte 6,5 Prozent - vor allem auf der Arbeitnehmerbank.

GfK, Douglas und Deutz als Vorreiter

Vorreiter seien das Marktforschungsinstitut GfK, der Kosmetikhersteller Douglas sowie der Motorenhersteller Deutz. „Kleinere sind manchmal schneller“, sagte Schulz-Strelow mit Blick auf die Nebenwerte in MDax, SDax und TecDax. Doch seien viele Unternehmen noch „Lichtjahre“ von einer angemessenen Beteiligung der Frauen entfernt. 74 der 160 gelisteten Unternehmen hätten weder im Vorstand noch im Kontrollgremium eine einzige Frau: „Dies ist ein Armutszeugnis.“

Ausgewertet wurden zudem die öffentlichen Erklärungen der Unternehmen, ob sie sich an die zweimal verschärften Vorgaben des Kodex zur Förderung der Vielfalt (Diversity) halten. „Nur eine Handvoll hat bereits konkrete Ziele angekündigt“, sagte die Vereinsvorsitzende. Fidar fordert eine gesetzliche Mindestquote. Die Initiativgruppe bedauert das „Basta-Wort“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit dem diese kürzlich einen Vorstoß von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) für einen gesetzlichen Zwang zurückgewiesen hatte.

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