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Veröffentlicht: 30.03.2011, 16:41 Uhr

Frauenförderung Konzerne geben sich Zielquote für mehr Frauen

Die großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland wollen noch in diesem Jahr konkrete Ziele für einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen festlegen und veröffentlichen. Damit reagiert die Wirtschaft auf den zunehmenden Druck der Bundesregierung, mehr Frauen in Führungspositionen zu berufen.

© reuters Unternehmen für freiwillige Frauenquote

Die großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland wollen noch in diesem Jahr konkrete Ziele für einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen festlegen und veröffentlichen. Damit reagiert die Wirtschaft auf den zunehmenden Druck der Bundesregierung, mehr Frauen in Führungspositionen zu berufen. Am Mittwoch trafen sich in Berlin die Personalvorstände von 25 der 30 im Aktienindex Dax notierten Unternehmen mit den vier zuständigen Ministern. Eingeladen hatte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Sie stellte den Wirtschaftsvertretern ihren Stufenplan vor. Sollte sich der Anteil von Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten bis 2013 nicht verdreifacht haben, müssten etwa 1000 Firmen eine zu ihrer Situation passende Frauenquote vorschlagen, zu der sie dann gesetzlich und sanktionsbewehrt verpflichtet würden.

Nach dem Treffen wurde deutlich, dass die Differenzen innerhalb der Bundesregierung über das weitere Vorgehen in Sachen Frauenquote noch immer nicht ausgeräumt sind. Schröder sagte, sie habe viel Unterstützung erfahren für ihren Vorschlag einer flexiblen Quote. Diese sei von den Unternehmen als „praxistauglich und realitätsnah“ bewertet worden. An ihren Gesetzesplänen hält sie dennoch fest. Sie verwies aber darauf, dass ihre Idee in der gemeinsamen Erklärung der Dax-Konzerne schon aufgegriffen wurde. „Wir werden nicht eine Quote haben, wir werden dieses Jahr 30 Zielvorgaben erfahren“, sagte sie. Das sei etwas „substantiell anderes“ als die freiwillige Selbstverpflichtung zu mehr Frauen in Spitzenpositionen, die 2001 von der Wirtschaft abgegeben worden war. In den zehn Jahren seit diesem Versprechen hat sich der Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten kaum geändert.

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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zog dagegen eine kritischere Bilanz. Es sei eine Sitzung „mit Licht und Schatten“ gewesen. Zwar hätten sich einige Personalchefs „mit großem Engagement“ für mehr Frauen eingesetzt. Die Wirtschaft sei jedoch nicht konkret genug geworden, was Konzepte, Zahlen und Zeitvorstellungen angehe. Es sei ein guter, aber nicht ausreichend ehrgeiziger Auftakt gewesen. Von der Leyen hält an ihrem Ziel fest, dass bis 2018 30 Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt sein sollen (F.A.Z. vom 30. März). Unterstützung winkt von der Leyen aus Brüssel: EU-Justizkommissarin Viviane Reding schrieb Familienministerin Schröder, dass die Wirtschaft bis März 2012 eine letzte Gelegenheit zur Selbstregulierung habe, sonst stehe die Kommission bereit, mit rechtlichen Instrumenten einzugreifen. Reding strebt einen Frauenanteil von 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 an.

Spitzentreffen zur Frauenquote in Chefetagen © dpa Vergrößern Jedes Unternehmen im Dax will für sich selbst festlegen, welchen Frauenanteil es anstrebt

Vergangene Woche hatte es ein Treffen der zuständigen Minister - neben Schröder und von der Leyen die beiden FDP-Minister Rainer Brüderle (Wirtschaft) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Justiz) - mit Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) gegeben. Nun soll eine Arbeitsgruppe auf Staatssekretärsebene eine Einigung auf Basis von Schröders Stufenplan erzielen. Während Schröder und von der Leyen sich zumindest einig sind, dass es noch 2011 ein Gesetz geben soll, lehnt die FDP jede Quote, ob fix oder flexibel, ab. Ein Kompromiss könnte sein, den Firmen ein Jahr mehr Zeit zu geben, bevor die Pflicht zur Selbstverpflichtung kommt.

Die 30 Dax-Konzerne versuchen derweil, mit ihrer Erklärung ihren guten Willen zu demonstrieren und allzu rigide staatliche Vorgaben abzuwenden. In dem Papier heißt es, auch angesichts des Fachkräftemangels sei es unerlässlich, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Weil aber niemand „allein wegen seines Geschlechts“ ausgetauscht werden könne, sei dafür ein mehrjähriger Prozess notwendig. Auch verlangen sie mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Anreize im Steuer- und Sozialversicherungsrecht für erwerbstätige Frauen. Gesetzliche Quoten hingegen lehnen sie ab, der richtige Ansatz seien „unternehmensspezifische und damit flexible“ Ziele. Der Präsident des Industrieverbands BDI, Hans-Peter Keitel, warnte die Firmen davor, zu viel Zeit zu verlieren. Die Unternehmen sollten „die Aufforderung der Kanzlerin im Ohr behalten“. Diese hatte von der Wirtschaft verlangt, kreativ zu werden - sonst müsse die Politik „kreativ“ werden.

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