Home
http://www.faz.net/-gqg-7424j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Frankreichs Wirtschaftspolitik Hollande muss endlich liefern

Französische Unternehmer zweifeln an den Reformbemühungen des Präsidenten. Er soll endlich etwas tun, damit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigt. Am Montag kommt ein Konzept.

© AFP Vergrößern Staatspräsident François Hollande

Inmitten wachsender Zweifel an der Reformfähigkeit der französischen Politik sind die Popularitätswerte für Staatspräsident François Hollande und Premierminister Jean-Marx Ayrault weiter zurückgegangen. Nach einer Umfrage vertrauen sechs Monate nach der Wahl nur noch 36 Prozent der Franzosen dem Präsidenten. Das ist das schlechteste Resultat für einen Amtsinhaber seit mehr als 30 Jahren. Gleichzeitig haben die französischen Unternehmer ihr Unbehagen über die aktuelle Politik deutlich gemacht. In einem in einer Sonntagszeitung veröffentlichten Aufruf unterbreiteten sie mehrere Vorschläge, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu steigern. Auch Vertraute aus dem eigenen politischen Lager Hollandes mahnen mittlerweile öffentlich, der Präsident möge beherzter vorgehen.

Mehr zum Thema

Gerald Braunberger Folgen:    

Dazu gehört eine Reduzierung der Lohnnebenkosten um 30 Milliarden Euro in zwei Jahren, die durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und Kürzungen der Staatsausgaben gegenfinanziert werden soll. Der Elysée-Palast verfolgt derzeit eine Doppelstrategie. Hollande hat in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ betont, er sehe die schwierige Lage des Landes und erkenne auch die Notwendigkeit zu Veränderungen. Diese müssten aber im Konsens mit der Bevölkerung geschehen und dürften nicht übereilt werden.

Infografik / Anteile am Welthandel © F.A.Z. Vergrößern Anteile am Exportvolumen in Prozent

Beunruhigte Finanzmarktteilnehmer

Er wolle sich nach seiner Amtszeit von fünf Jahren an seinen Leistungen messen lassen. Gleichzeitig ist zu hören, dass Mitarbeiter des Elysée-Palasts und der Regierung beunruhigten Finanzmarktteilnehmern diskret versicherten, man werde sich der drängenden Aufgaben annehmen. Am Montag wird der frühere Vorstandsvorsitzende des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Louis Gallois, Vorschläge zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit vorlegen. Gallois steht den Sozialisten nahe. Von Dienstag an will die Regierung darüber beraten. Hollande hat angekündigt, das Thema Wettbewerbsfähigkeit noch im November anzupacken.

Die von den Unternehmern geforderte deutliche Reduzierung der Lohnnebenkosten in den kommenden zwei Jahren unterstützt er bisher nicht. Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici hält einen solchen „Schock“ nicht für möglich. Die Regierung könne nicht in einer wirtschaftlichen Stagnation gleichzeitig die staatliche Neuverschuldung bis zum kommenden Jahr auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren und deutliche Senkungen der Lohnnebenkosten gegenfinanzieren, lautet seine Position. Die Sozialisten fürchten, dass sie durch kräftige Steuererhöhungen die Binnenkonjunktur weiter schwächen. Außerdem wollen sie keinen Ärger mit den Gewerkschaften, die zu Streiks aufrufen könnten.

Infografik / Kreditausfallversicherungen © F.A.Z. Vergrößern Prämien für die Absicherung von Anleihen

Gerhard Schröder kommentiert Frankreich

In Pariser Medien findet die kaum verhüllte Kritik deutscher Politiker an Hollande Aufmerksamkeit. So hat der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder die Auffassung vertreten, Hollande werde seine Wahlversprechen nicht einhalten können. In Paris wird daran erinnert, dass Schröder Ende der neunziger Jahre zu Recht vorausgesagt habe, die Einführung der 35-Stunden-Woche in Frankreich werde der deutschen Industrie nützen.

Die Finanzmärkte reagieren derzeit noch gelassen auf die Lage in Frankreich, auch wenn kritische Kommentare von Analysten und Ökonomen vernehmbar sind. Die Renditen der Staatsanleihen sind ebenso wie die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf Staatsanleihen seit Hollandes Amtsantritt spürbar gefallen. Dies gilt auch für die Renditen und CDS-Preise französischer Bankanleihen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Präsidentenwahl in Frankreich Die neue Strategie des Herrn Sarkozy

Der neue Vorsitzende der Konservativen will wieder Präsident werden. Die Einzige, die Nicolas Sarkozy bei diesem Plan gefährlich werden kann, ist Marine Le Pen. Gegen sie braucht er die Hilfe seiner Rivalen. Mehr Von Michaela Wiegel

06.12.2014, 17:06 Uhr | Politik
Neue Regierung in Paris

Frankreich hat eine neue Regierung. Der Generalsekretär des Élysée-Palastes verkündete, wen Präsident Francois Hollande für die Ministerposten nominiert hat. Mehr

27.08.2014, 11:44 Uhr | Politik
Gestoppte Lieferung Putin besteht nicht mehr auf französischen Kriegsschiffen

Russlands Präsident Putin will offenbar nicht mehr um zwei von ihm bestellte Kriegsschiffe aus Frankreich streiten. Er wäre nach eigenen Worten zufrieden, wenn Paris seine Anzahlung zurück überweist. Mehr

06.12.2014, 18:55 Uhr | Politik
Entsetzen über Mord an französischer Geisel

Frankreichs Staatschef François Hollande und US-Präsident Barack Obama haben die Ermordung des in Algerien entführten Franzosen durch Islamisten verurteilt. Eine Gruppe, die der Dschihadisten-Organisation Islamischer Staat (IS) nahesteht, hatte den Bergführer verschleppt und mit seiner Tötung gedroht, falls Paris nicht seine Luftangriffe auf den IS im Irak einstellt. Mehr

25.09.2014, 15:12 Uhr | Politik
Front National Marine Le Pen hat eine Bank gefunden, Punkt!

Aus dem Umfeld des UMP-Vorsitzenden Sarkozy kommt Verständnis für den russischen Millionen-Kredit für den Front National. Marine Le Pen selbst weist den Vorwurf zurück, das Darlehen des Geldinstituts eines Putin-Vertrauten habe Einfluss auf ihre Politik. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

09.12.2014, 15:51 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.11.2012, 20:24 Uhr

Gabriels Ente

Von Jan Grossarth

Sigmar Gabriel entsagt der Ente aus Massenhaltung. Das ist gut für die Ente - doch auch ziemlich arrogant, den Entenbraten der meisten Wähler „Mist“ zu nennen. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages In Griechenland wird die Arbeit wieder teurer

Jahrelang sanken in Griechenland die Arbeitskosten. Diese Entwicklung scheint nun am Ende zu sein, im vergangenen Quartal stiegen sie erstmals seit 4 Jahren wieder deutlich an. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden