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Veröffentlicht: 18.06.2017, 17:55 Uhr

Reformziele des Präsidenten Nach der Wahl ist vor der Arbeit

Bislang fliegt dem neuen französischen Präsidenten alles zu. Doch nach den Parlamentswahlen beginnt auch für Emmanuel Macron der politische Alltag. Gerade in der Wirtschaftspolitik hat er sehr viel zu tun.

von , Paris
© AP Zuversichtlich: Frankreichs Präsident Macron präsentiert sich seinem Volk

Olivier Godest rast im Tiefflug auf einen Berg zu. Er liegt in der Luft wie eine Schwalbe. Kurz versucht er noch Auftrieb zu bekommen, indem er den Körperschwerpunkt nach hinten verlagert, doch es ist zu spät – Crash in die Felswand. Der Franzose, 32 Jahre alt, steigt aus dem Fluggerät der deutschen Start-up-Firma Ikaros und nimmt die Brille für die virtuelle Realität vom Kopf. Die echte Realität hat ihn wieder, und er ist froh darum, denn sie hält derzeit eine weichere Landung für ihn bereit.

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Franzosen wie er blicken jetzt mit verstärkter Zuversicht nach vorne. Der Grund dafür sorgt in diesem Augenblick keine zwanzig Meter von Godest entfernt für Aufruhr. Dort schiebt sich ein Pulk von Menschen durch das Gedränge. Arme halten Handys oder Mikrofonteleskope in die Luft, Kameras bahnen sich auf den Schultern der Fernsehleute den Weg. Der französische Präsident Emmanuel Macron besucht die Start-up-Messe Viva Tech in Paris. Jeder will den neuen Präsidenten sehen, manche machen Freudensprünge, wenn ihnen ein Schnappschuss mit dem Handy gelingt. „Er hat das Jackett ausgezogen“, meldet eine Frau – schon das gilt als Nachricht. Als sich Macron später in einen VIP-Bereich zurückzieht, halten die Menschen neben ihm immer noch die Telefone hoch.

Politisches Start-up „En Marche“ auf Erfolgskurs

„Endlich haben wir einen Präsidenten, der unsere Generation versteht“, sagt Godest. Er ist als selbständiger Messeveranstalter für einen „Salon der Virtualität“ in Paris tätig und reitet damit auf jener Start-up-Welle, die mitgeholfen hat, Macron in den Elysée-Palast zu tragen. Dieses politische Hochwasser will nicht abebben, im Gegenteil. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Franzosen dem neuen Präsidenten bei der Stichwahl an diesem Sonntag auch im Parlament eine satte Mehrheit geben.

Macron hat die Gründerunternehmen schon in seiner Zeit als Berater und späterer Wirtschaftsminister von François Hollande gehätschelt, wo er konnte. Als er zwischendrin wegen des Reformstillstandes frustriert die Politik verlassen wollte, arbeitete er selbst kurz am Aufbau eines eigenen Unternehmens. Daraus wurde nichts, dafür gründete er zwei Jahre später das politische Start-up „En Marche“. Die Zuversicht der Unternehmensgründer soll das Symbol für den Aufbruch Frankreichs sein. Gleichzeitig will er ihren Vormarsch beschleunigen, weil Frankreich noch lange keine Start-up-Nation wie etwa die Vereinigten Staaten ist. Es werden zwar viele Unternehmen gegründet, doch wenige wachsen zu einer bedeutenden Größe heran.

Sitzverteilung 2. Wahlgang 2017
Ergebnisse im Detail

Wie bei keinem seiner Vorgänger kommt unter den Franzosen Macrons Botschaft an, dass er „pro-business“ sei. Nicolas Sarkozy sprach mit ähnlichen Worten, doch die Leute wollten es ihm entweder nicht glauben oder sie machten ihm einen Vorwurf daraus. An Macron aber perlt derzeit jeder Angriff ab. Der Mann, der nicht immer Berufspolitiker war, sondern in der Privatwirtschaft als Investmentbanker die Welt der Unternehmen kennenlernte, spricht schonungslos die Schwächen Frankreichs an und verspricht den Wandel: „Wir müssen von einer französischen Faszination Abschied nehmen: Small is beautiful. In Frankreich liebt man die Unternehmer unter der Voraussetzung, dass sie nicht zu viel Erfolg haben. Wenn einer viel Erfolg hat, wird man eifersüchtig. Man sagt, das sei verdächtig, man stigmatisiert und man besteuert. Das ist nun vorbei.“

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