Nicht mehr als 450.000 Euro im Jahr sollen die Vorstandsvorsitzenden der staatlichen Unternehmen Frankreichs künftig verdienen. So steht es in einem Dekret, das die französische Regierung in wenigen Wochen erlassen will. Maximal dieses Gehaltsniveau ist nach Ansicht des Wirtschafts- und Finanzministers Pierre Moscovici mit den moralischen Ansprüchen zu vereinbaren, denen sich die Leiter staatlicher Unternehmen künftig stellen müssen. „450.000 Euro im Jahr zu verdienen erscheint mir nicht abschreckend, wenn man an der Spitze unserer Unternehmen Männer und Frauen von Qualität haben will“, sagte Moscovici in Paris.
Die französische Regierung erfüllt mit dem Gehaltsdeckel ein Versprechen aus dem Wahlkampf von François Hollande. Dieser hatte angekündigt, dass die Chefs in Staatskonzernen nicht mehr als das Zwanzigfache des niedrigsten Gehalts verdienen sollen. Diese Grenze wird in dem Dekret etwas aufgelockert, denn in etlichen Unternehmen verdienen die am geringsten bezahlten Beschäftigten nicht viel mehr als den staatlichen Mindestlohn.
Zwanzig Konzernchefs sind betroffen
Bei dreizehn Monatsgehältern kommen sie somit auf rund 18.200 Euro im Jahr, womit die Gehaltsgrenze bei 364.000 Euro gelegen hätte. Nun orientiert sich die Regierung aber an einem Durchschnittslohn der zehn Prozent Beschäftigten mit der niedrigsten Vergütung, berechnet über rund fünfzehn Staatsunternehmen hinweg. Daher erhalten alle Unternehmen die gleiche Obergrenze.
Nach Angaben des Finanzministeriums werde nun die Vergütung von knapp zwanzig Konzernchefs sinken. Betroffen sind bisher nur die Vorstandsvorsitzenden und die Generaldirektoren, weil sich deren Verträge während ihrer Laufzeit leichter ändern lassen. Die Gehaltssenkungen sollen in diesem oder im nächsten Jahr in Kraft treten. Am stärksten betroffen ist der Vorstandsvorsitzende des staatlichen Stromversorgers Eléctricité de France, Henri Proglio, der 2011 eine Vergütung von 1,17 Millionen Euro erhielt. An zweiter Stelle folgt der Chef der Pariser Flughäfen, Pierre Graff, der im vergangenen Jahr 740.000 Euro verdiente.
Die Opposition hält die Maßnahme für „scheinheilig“
Unternehmen, an denen der französische Staat nur eine Minderheitsbeteiligung hält, sollen nach den Wünschen der Regierung über die Gehaltsdeckelung zumindest diskutieren. Die staatlichen Vertreter in den Verwaltungsräten von Unternehmen wie Renault, France Télécom und GdF Suez sollen die Obergrenze vorschlagen. Der Wirtschafts- und Finanzminister will ihnen eine entsprechende Weisung erteilen.
Kurz vor dem zweiten und entscheidenden Wahlgang für die Nationalversammlung am kommenden Sonntag bekam die Regierung von der bürgerlichen Opposition scharfe Kritik zu hören. Die Maßnahme sei „extrem scheinheilig“, sagte der Parteivorsitzende der UMP, Jean-François Copé. „Ungerechtigkeiten abbauen heißt für uns, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die breite Masse der Franzosen mehr verdienen kann.“
Es wäre Frankreich wohl mehr gedient, wenn man die Gehälter
und Zahl der Spitzenbeamten
Alex Merck (AlexM3)
- 14.06.2012, 16:52 Uhr
Lohnpolitik
Gottfried Lobeck (golo7)
- 14.06.2012, 15:15 Uhr
Wie soll man von nur 450.000 Euro ....
Andreas Neubert (Citizen_Kane)
- 14.06.2012, 12:27 Uhr
Eine Frage des Humankapitals
Roland Magiera (Roland_M)
- 14.06.2012, 12:18 Uhr
Problem sind die Sonder Verträge und Bonus Systeme
Christian Rumpf (ChrisWR)
- 14.06.2012, 10:37 Uhr
