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Frankreich 5000 Euro Zuschuss für Kauf von Elektroautos

15.04.2010 ·  Frankreich will Vorreiter bei Elektroautos werden. Zwanzig große Unternehmen haben versprochen insgesamt 50.000 Wagen zu bestellen. Den Kauf durch Privatleute fördert die Regierung mit einem Zuschuss. Und in Ballungsräumen werden Steckdosen installiert.

Von Christian Schubert, Paris
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Frankreich hat das Elektroauto entdeckt – aber nicht zum ersten Mal. In den siebziger Jahren etwa versprach der staatliche Stromversorger EdF, mehrere Zehntausende strombetriebener Fahrzeuge zu bestellen. Dann aber winkte der Stromkonzern doch ab. Warum? Die Gewerkschaften waren dagegen, denn damals durften viele EdF-Mitarbeiter die Firmenwagen auch am Wochenende nutzen. Für den Sonntagsausflug aber wollte sich niemand rein auf Stromkraft verlassen.

Nun soll es anders werden. Frankreich ist fest entschlossen, Elektroautos dauerhaft als Massenphänomen auf den Straßen zu etablieren. Dafür fördert der Staat massiv den Ausbau der Infrastruktur, die Entwicklung der Autos und Batterien sowie den Absatz. „Die Maschine ist angesprungen. Alle Akteure machen mit“, sagte Umweltminister Jean-Louis Borloo jüngst. Er sieht Frankreich in der Vorreiterrolle. „Etliche Länder setzen derzeit auf die Hybridtechnologie, etwa Japan, die Vereinigten Staaten oder Deutschland, doch kaum jemand konzentriert sich so stark wie Frankreich auf die reinen Elektroautos“, sagt Frédéric Fréry, Professor für Betriebwirtschaftslehre an der Pariser Hochschule ESCP.

Zwanzig große staatliche und private Unternehmen – darunter abermals EdF – haben versprochen, von 2011 an fünf Jahre lang insgesamt 50 000 Elektroautos zu bestellen. Das würde schon einen Großteil der Absatzplanung von Renault und PSA Peugeot Citroën abdecken: Diese wollen nach eigenen Angaben bis 2012 60.000 Elektroautos verkaufen. „In weniger als neun Monaten sind die umweltfreundlichen Autos verfügbar“, sagt Borloo. Den Kauf durch Privatleute fördert die Regierung bis 2012 mit einem Zuschuss von 5000 Euro für jedes Auto, das maximal 60 Gramm CO2 je Kilometer ausstößt. Hybridfahrzeuge mit höchstens 135 Gramm je Kilometer werden mit 2000 Euro bezuschusst.

Neue Bauvorschriften mit Steckdosenpflicht für Neubauten

Die erste Nachfragewelle solle von Kurzstreckennutzern kommen, vor allem auf dem Weg zwischen Arbeit und Zuhause. Sie sollen Steckdosen an Privathäusern und Bürogebäuden nutzen. Für das langsame Aufladen von rund sieben Stunden für eine ganze Batterie könnten die üblichen Steckdosen genutzt werden, berichtet Renault. Wer Zeit sparen will, braucht eine Installation mit Spezialstecker, die zu Hause, aber auch beispielsweise an Parkplätzen von Supermärkten in einer halben Stunde einen erheblichen Teil der Batterie wiederauffüllen könne. Die Regierung hält bis Mitte 2012 rund 1250 öffentliche Aufladestationen, verteilt auf zwanzig Ballungsräume, für möglich. Die Investitionskosten betragen 60 Millionen Euro. 2015 sollten 900.000 private Stationen an Häusern und Arbeitsplätzen verfügbar sein sowie 75.000 öffentliche Ladestellen. Die neue Bauvorschrift, nach der alle Neubauten von 2012 an Elektroauto-Steckdosen haben müssen, soll den Ausbau vorantreiben.

Unter den Kommunen melden sich jetzt die ersten Freiwilligen. Umweltminister Borloo vereinbarte in dieser Woche mit zwölf Ballungsräumen die Errichtung von öffentlichen Aufladestationen. Städte wie Paris, Bordeaux, Grenoble, Straßburg, Le Havre und Nancy wollen in diesem Jahr mit der Errichtung beginnen. Wichtig ist der französischen Regierung dabei eine Standardisierung von Steckdosen. „Es geht nicht an, dass wir wie bei Ladegeräten für Mobiltelefone 200 verschiedene Geräte haben.“ Auf europäischer Ebene, wo Gespräche über eine Standardisierung unter Aufsicht der Europäischen Kommission laufen, könnte es bis Oktober Ergebnisse geben, hofft die Regierung. Frankreich und Deutschland sollen sich schon auf einen gemeinsamen Steckerstandard geeinigt haben.

Französische Regierung investiert mehrere Milliarden

Etwas weiter in der Zukunft liegt das Elektroauto für Langstrecken. Hier will Renault demnächst mit der israelischen Gesellschaft „Better Place“ im Großraum Paris Stationen zum automatischen Austausch von Batterien testen. Diese würden die Wartezeiten zum Aufladen ersparen. Ob in einem Flächenstaat wie Frankreich jemals ein tankstellenähnliches Netzwerk von Batteriestationen vorhanden sein wird, steht in den Sternen. Eine Renault-Sprecherin berichtet, dass der Konzern zunächst vor allem auf den Flottenmarkt von Unternehmen mit viel Kurzstreckenbedarf ziele. Aber sie planen weiter. Zusammen mit dem deutschen Energiekonzern RWE testet Renault derzeit den Betrieb seiner Elektromodelle auf der Autobahn A 40 in Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt investiert die französische Regierung mehrere Milliarden Euro in das Elektroauto. Aus Sicht des Professors Fréry, der die Entwicklung seit Jahren beobachtet, bleibt ein großes Risiko: Gescheiterte Versuche für Elektroautos gebe es schon viele. Woher kommt die französische Motivation? „Renault-Nissan hinken bei den Hybridmodellen hinterher, vor allem gegenüber PSA und Toyota. Das wollen sie jetzt beim Elektroauto wettmachen“, meint Fréry. Außerdem wolle die Regierung mit Umweltschutzinitiativen der linken Opposition Wähler abjagen. „Und nicht zuletzt gibt es die alte französische Leidenschaft für große technologische Projekte – wie zuvor beim Ausbau der Kernkraft, beim TGV oder dem Minitel.“

Einheitliche EU-Standards

Der neue EU-Industriekommissar Antonio Tajani hat die Förderung von Elektroautos zu einem seiner Kernthemen erklärt. Dabei geht es hauptsächlich darum, einheitliche europäische Standards festzulegen. So will der Kommissar vermeiden, dass in der EU ein Flickenteppich unterschiedlicher Regeln und Standards für Elektroautos entsteht. Ein Elektroauto soll ohne Hürden überall in der EU genutzt werden können. Den Anfang will Tajani mit einheitlichen EU-Standards für Ladestecker machen, die im nächsten Jahr schon beschlossen werden sollen. Ein weiterer Punkt auf Tajanis Agenda ist die Vereinheitlichung der Sicherheitsstandards. Schwierig dürfte es unterdessen sein, die EU-Staaten zu einer Abstimmung der von ihnen gesetzten Anreize für die Nutzung von Elektroautos zu bewegen. (hmk.)

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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