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Förderung von Elektromobilität : In Norwegen ist für Elektroautos sogar der Strom gratis

Elektroautos sind in Norwegen fünfzig Mal so häufig wie in Deutschland. So geballt wie vor dieser Kneipe in Oslo sind sie jedoch selten zu sehen. Bild: IMAGO

Wer in Norwegen ein Elektroauto kauft, spart nicht nur Steuern und Maut. Sogar den Strom verschenkt der Staat. Ist das ein Vorbild für Deutschland?

          Vielleicht liegt es an den hohen Bergen und dem vielen Regen. Zusammen sorgen sie dafür, dass in Norwegen so viel Wasser bergab fließt, dass das Land im Norden seine Elektrizität schon seit Jahrzehnten fast komplett mit Staudämmen und Turbinen selbst erzeugen kann, günstig und umweltfreundlich. Nachts das Licht anzulassen gilt deshalb anders als in Deutschland weder als Verschwendung noch als eine schlechte Angewohnheit, und mit Strom zu heizen ist weit verbreitet. Da ist es eben nur ein kleiner Schritt, mit Strom auch Autos anzutreiben.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das tun die Norweger zurzeit jedenfalls wie kein anderes Volk auf der Erde. Rund 17.000 Elektroautos, allesamt mit dem Kennzeichen EL und einer Zahlenkombination auf dem Nummernschild, sind im ganzen Land zugelassen. Das ist zwar nur knapp ein Prozent des gesamten Fuhrparks. Aber verglichen mit Deutschland ein großer Vorsprung: Die 7000 Elektroautos, die hierzulande Ende 2012 gezählt wurden, entsprachen gerade einmal 0,02 Prozent aller Pkw. Mit anderen Worten: In Norwegen sind Elektroautos fünfzig mal so häufig wie in Deutschland. In der Statistik der Neuzulassungen lagen im September und Oktober sogar jeweils Elektroautos an der Spitze, das gab es sonst noch nirgendwo. Dabei führt VW, die beliebteste Automarke in Norwegen, seinen stromgetriebenen E-Up erst in diesem Monat ein - früher als im Rest der Welt.

          „Voltswagen“ steht auf den Plakaten, mit denen der Konzern am Hauptbahnhof von Oslo an allen Gleisen dafür wirbt. Unter den Vorbestellungen ist vor kurzem die Internetseite des größten Importeurs im Land zusammengebrochen. „Es ist wie im Märchen“, schwärmt deshalb Snorre Sletvold, der Generalsekretär des norwegischen Elektroautoverbands. Denn das Kaufverhalten seiner Landsleute hat sogar die optimistischen Prognosen des Verbands übertroffen. Rund 7500 Neuzulassungen hatte dieser zu Anfang des Jahres erwartet, jetzt sieht es eher so aus, als könnten es bis Silvester 10.000 sein. Dann hätte sich die Zahl der Elektroautos in Norwegen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Etwa die Hälfte davon ist in Oslo unterwegs.

          Den inoffiziellen Titel als Welthauptstadt der Elektromobilität hat sich die Stadtverwaltung redlich verdient. Denn nirgendwo sonst werden die Fahrer von Elektroautos vermutlich so verwöhnt wie in Oslo. Sie dürfen nicht nur die Busspuren mitbenutzen, was im Berufsverkehr ein Segen ist. Für sie sind über das Stadtgebiet verteilt Parkplätze mit Ladepunkten reserviert, an denen sie gratis ihre Batterien füllen können - den kleinen grünen Schlüssel dafür bekommt jeder Käufer umsonst. Weil Strom nur rund 5 Cent je Kilowattstunde kostet, heißt es aus dem Rathaus, wären individuelle Abrechnungen teurer als dieses Geschenk. 

          Elektroautos kosten weniger als Benziner

          Und während die Fahrt ins Zentrum der Landeshauptstadt mit einem Benziner oder Diesel umgerechnet 3,30 Euro Maut kostet, können sie an den Überwachungskameras an den Einfallstraßen vorbeifahren, ohne an ihr Konto zu denken - auch das ist für sie kostenlos. Ganz abgesehen von den Steuervorteilen, die im ganzen Land für den Kauf eines Elektroautos gelten. Weder die Mehrwertsteuer von 25 Prozent noch die Sondersteuer für Autokäufer, deren Höhe sich nach Motorisierung und Abgaswerten richtet, wird für sie fällig.

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