http://www.faz.net/-gqe-73uow
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.10.2012, 18:06 Uhr

Flughafen-Chef Rainer Schwarz „Ich bin nicht der Typ, der wegläuft“

Rainer Schwarz, der Geschäftsführer der Berliner Flughäfen, kämpft um seinen Posten. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, den Aufsichtsrat über das bevorstehende Scheitern der Eröffnung getäuscht zu haben.

© dapd Mag keine Postbesprechungen mit dem Aufsichtsrat: Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz, hier auf dem Flughafen Tegel

Herr Schwarz, der Druck auf Sie ist nach der Kritik der Sonderkommission des Bundesverkehrsministeriums gestiegen. Wird der Flughafen-Aufsichtsrat unter Leitung von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit am 1. November Ihre Ablösung beschließen?

Ich habe meine Arbeit bisher mit großem Enthusiasmus gemacht und gedenke, das auch weiter so zu tun. Der Aufsichtsrat kennt meine Bereitschaft, das Unternehmen durch diese schwierige Phase zu bringen. Wir müssen jetzt die Mannschaft für die Inbetriebnahme des neuen Flughafens in einem Jahr motivieren - und gleichzeitig müssen wir den Betrieb auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld organisieren. Trotz des erheblichen Verkehrswachstums ist uns das im Sommer gut geglückt. Das war ein Husarenstück, denn die alten Flughäfen waren ja schon in Auflösung. Tegel ist für diese Verkehrsmengen auch gar nicht gebaut. Und jetzt kommt der Winter mit seinen Herausforderungen.

Ihr ehemaliger Geschäftsführungs-Kollege Manfred Körtgen ist wegen der Fehlplanung schon kurz nach der Eröffnungsabsage im Mai entlassen worden. Haben Sie selbst an Rücktritt gedacht?

Ich bin nicht der Typ, der wegläuft. Ich stelle mich der Situation.

Mehr zum Thema

Die Sonderkommission des Bundesverkehrsministeriums, SoKo BER, wirft Ihnen vor, von der bevorstehenden Absage des Eröffnungstermins gewusst und den Aufsichtsrat darüber „bewusst in Unkenntnis“ gelassen zu haben...

Diese Aussage kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Die SoKo BER bezieht sich auf ein Schreiben von Mitte März, in dem die Berater von McKinsey, die bei uns zusammen mit den Fachleuten vom Münchner Flughafen in den Prozess involviert waren, eine Vielzahl von Problemen im Probebetrieb darlegen - vor allem wegen der Bauverzögerungen. Es gibt aber noch ein zweites McKinsey-Schreiben von Mitte April, das uns bescheinigt, dass wir es trotz der kritischen Punkte schaffen können. Dieses zweite Schreiben war der SoKo BER nach eigener Aussage nicht bekannt. Dieses Schreiben wurde erst am Montag von der SoKo BER eingesehen.

Was steht in dem zweiten Schreiben?

Dass wir den geplanten Termin am 3. Juni schaffen können, wenn wir an einer Reihe von Punkten hart arbeiten. Zu dem Zweck haben wir sogenannte Endspurtmaßnahmen eingeleitet, zum Beispiel das zusätzliche Check-in-Zelt vor dem Terminal als Rückfallebene, falls die regulären Abfertigungsanlagen wegen der labilen Stromversorgung ausfallen sollten, oder die Einstellung von 750 Leuten als Türöffner. Der Aufsichtsrat hat dafür am 20. April nach längerer Diskussion knapp 14 Millionen Euro bewilligt.

Haben Sie dem Aufsichtsrat die beiden Briefe gezeigt?

Ich habe sie ihm nicht vorgelesen. Ich bin jetzt seit 16 Jahren Geschäftsführer in Unternehmen. Kein Aufsichtsrat hat von mir je eine Postbesprechung verlangt. Wir haben aus den Briefen die nötigen operativen Schlüsse gezogen und die Folgen mit dem Aufsichtsrat diskutiert.

Aber hätten Sie den Aufsichtsrat nicht schon nach dem ersten Schreiben Mitte März über den schwierigen Stand der Dinge informieren müssen?

Für die Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung sah ich keinen Anlass, denn die Probleme schienen lösbar. Mir kam gar nicht in den Sinn, nach dem Motto zu agieren: „Melden macht frei.“ Im Nachhinein kann man natürlich sagen, wir hatten zu viel Optimismus und zu wenig Realitätssinn. Aber wir hatten ein Jahr hinter uns, in dem an jedem Tag ein neues Problem zu managen war. Und wir dachten, wir können auch diese bewältigen. Erst als das Bauordnungsamt Anfang Mai sagte, die Brandschutzanlage könne nicht genehmigt werden, war klar, dass wir die Eröffnung absagen müssen. Da habe ich den Aufsichtsrat natürlich am gleichen Abend informiert.

Die Länder Berlin und Brandenburg stehen offiziell noch an Ihrer Seite. Aber reicht das am 1. November, wenn der Bund schon von Ihnen abgerückt ist?

Nach meinem Eindruck trennt der Bund klar zwischen seiner Rolle als Gesellschafter des Flughafens und der Arbeit der SoKo BER des Bundesverkehrsministeriums. Mit den Staatssekretären aus dem Verkehrs- und Finanzministerium, Rainer Bomba und Werner Gatzer, die für den Bund im Aufsichtsrat sitzen, arbeite ich in den Gremien konstruktiv zusammen.

Das Gespräch führten Mechthild Küpper und Kerstin Schwenn.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Illegale Autorennen Mit hundert durch die Stadt

In ihren aufgemotzten Autos fühlen sie sich stark: Junge Männer treffen sich nachts, um Rennen zu fahren. Manchmal geht das schief, mit verheerenden Folgen. Sind sie für Polizei und Justiz überhaupt zu fassen? Mehr Von Andreas Nefzger

19.06.2016, 11:12 Uhr | Gesellschaft
Geplanter Flughafen SPD: Wowereit mitverantwortlich für BER-Pannen

Flughafen Berlin-Brandenburg und kein Ende: Die Debatten um die lange Geschichte der Baustelle BER gehen in die nächste Runde. Am Montag wurde im Berliner Abgeordnetenhaus der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses vorgestellt. Mehr

20.06.2016, 17:16 Uhr | Wirtschaft
FAZ.NET-Interview Noch arbeitet kein Flüchtling bei uns

Bei der Unternehmensberatung Bain arbeiten in Deutschland 40 Berater mit anderen Nationalitäten, ein Flüchtling aber ist nicht darunter. Deutschlandchef Walter Sinn erklärt, warum das so ist. Und warum der Pannenflughafen BER eine Petitesse ist. Mehr Von Christoph Schäfer

22.06.2016, 11:37 Uhr | Wirtschaft
Schlachtschiff Bismarck Bis zur letzten Granate

Vor 75 Jahren versinkt Hitlers Vorzeige-Schlachtschiff in den Tiefen des Atlantiks. Über 2000 Deutsche ertrinken. Die Royal Navy reklamiert den Sieg über die Bismarck für sich. Zu Unrecht. Der wahre Grund liegt außerhalb unserer heutigen Vorstellungswelt. Mehr Von RAINER BLASIUS

26.05.2016, 10:55 Uhr | Politik
Flugverkehr Wenn es nieselt, fallen in China die Flüge aus

Schon leichter Regen legt im Reich der Mitte den Luftverkehr lahm. Aus Angst vor schlechtem Wetter fiel in Peking gestern wieder mal jeder dritte Flug aus. Chinas Flughäfen sind eine Katastrophe in Sachen Pünktlichkeit – aus einem besonderen Grund. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Peking

14.06.2016, 07:23 Uhr | Wirtschaft

Ein neuer Deal für die Briten

Von Heike Göbel

Manche sagen, man müsse an den Briten jetzt ein Exempel statuieren, damit andere Länder nicht auch die EU verlassen. Das führt in die Irre. Es liegt im Interesse der EU, den Briten die Tür nicht zuzuschlagen. Mehr 16 125


Märkte nach dem „Brexit“
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Euro in Dollar --  --
  FTSE 100 --  --
  Pfund in Euro --  --
  Pfund in Dollar --  --
  Gold --  --

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 49

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --